Schweizer Stolz im Ausland
Wir Ausgewanderten

Wenn die Schweiz Geburtstag hat, feiern wir Ausgewanderten in erster Reihe und mit ungebrochener Begeisterung mit.
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Ausgewanderte Schweizer feiern den Nationalfeiertag oft mit ungebrochener Begeisterung und traditionellen Elementen, wie sie hier im Bild von Appenzeller Fasnächtlern präsentiert werden.
Foto: Pius Koller

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer feiern in Mexiko den 1. August, verbunden durch Heimatliebe
  • Mennoniten aus der Schweiz registriert als Indiostamm wegen Traditionen
  • Schweizer Konsulat bietet Käse, Wein und Gemeinschaft für Auswanderer
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Milena MoserSchriftstellerin

Victor trägt sein Sennenkutteli, das ich ihm von meiner letzten Reise mitgebracht habe und das ihm ausserordentlich gut steht. Er kriegt auch viele Komplimente an dieser 1.-August-Feier des Schweizer Konsulats, an der wir eigentlich jedes Jahr teilnehmen.

Er erzählt dann immer von den Mennoniten, die er vor langer Zeit in Mexiko kennenlernte, als er im Vorstand des Consejo de Los Indios arbeitete. Bei der jährlichen Versammlung fielen ihm die blonden, bärtigen Männer in ihren Latzhosen und karierten Hemden auf. Was taten sie hier? Nun, mit ihrer eigenen Sprache, Küche und Kleidung erfüllten sie alle Bedingungen, um offiziell als Indiostamm registriert zu werden. Obwohl sie natürlich keinesfalls indigen waren, sondern vor langer Zeit und mehrheitlich aus der Schweiz eingewandert sind.

«Sie machen den besten Käse in ganz Mexiko», sagt Victor dann abschliessend, und ich denke, dass wir mehr gemeinsam haben, als man auf den ersten Blick erkennen könnte.

Vielleicht gilt das ja für uns alle.

Heimatgefühle in der Fremde

Ich selbst trage zur Feier des Tages ein rotes Käppi mit Schweizerkreuz, das ich bei einer der Watchpartys während der Fussball-WM geschenkt bekommen habe. Da hab ich auch zum ersten Mal in meinem Leben geweint, als die Schweizer Landeshymne erklang. Und natürlich passierte das am 1. August gleich wieder.

Ich erkenne mich selbst nicht mehr: Als ich noch in der Schweiz lebte, hätte ich mich nicht unbedingt als Patriotin bezeichnet. Ich war eher kritisch eingestellt – und bin es durchaus immer noch, wenn ich mich mit realen Themen und aktuellen Problemen auseinandersetze. Mit dem Kopf, meine ich.

In meinem Herzen wächst aber gleichzeitig eine etwas verschwommene, schwer zu beschreibende Heimatliebe, die mit jedem Jahr in der Fremde grösser wird. Und die WM hat sie noch einmal verdoppelt.

Das «Heidiland-Syndrom»

Das geht natürlich nicht nur mir so. Ich beobachte das bei all meinen Schweizer Freundinnen und auch in der Swiss Community, die sich an den Veranstaltungen unseres Konsulats trifft und selbstverständlich auch den 1. August zusammen begeht. Am glühendsten feiern diejenigen, die bereits in zweiter oder dritter Generation ausgewandert sind. Manche haben die Schweiz noch nicht einmal besucht. Doch das tut ihrer Liebe keinen Abbruch.

Eine Freundin nennt es das «Heidiland-Syndrom». Heidiland in der Disneyversion, denke ich manchmal. Mein eigener Blick auf die Schweiz ist realistischer, oder wenigstens bilde ich mir das ein.

Wenn ich hier mit meiner Herkunft angebe, was ich durchaus manchmal tue, erwähne ich Dinge, die ich früher gar nie richtig geschätzt habe. Dinge, die ich immer als ganz selbstverständlich annahm. Die direkte Demokratie. Die obligatorische Krankenkassen-Grundversicherung. Den öffentlichen Verkehr und die Badeanstalten, ganz zu schweigen vom kulinarischen Angebot in denselben.

Okay, ich hör schon auf. Bevor wir hier in Klischees ertrinken.

Verbindende Wurzeln

Die anderen an unserem Tisch nicken, sie wissen genau, was ich meine. Wir stossen mit Waadtländer Weisswein an, essen Käse, der so gut schmeckt wie der der Mennoniten. Victor steckt sich ein paar Schokoladenstücke in die mit Edelweiss bedruckte Hemdtasche. Er ist nicht der Einzige, der so ein blaues Kutteli trägt. Ich fühle mich seltsam zu Hause hier, unter diesen anderen versprengten Ausgewanderten, die sich immer wieder an diesen Swiss Events einfinden.

Wir haben alle unsere Gründe, warum wir hier leben und nicht dort. Die Liebe, berufliche Möglichkeiten, Abenteuerlust, der Zufall. Es verbindet uns nichts anderes als diese manchmal uralten, manchmal ganz dünnen Wurzeln zu diesem wunderbaren kleinen Land.

Und heute ist das genug.

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