Grillfest mit Botschaft
Was feiern wir denn?

Am 4. Juli begehen die USA ihren 250. Geburtstag. Doch die Feierlaune hält sich in Grenzen – auch bei uns.
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Wie jedes Jahr bereiten Milena Moser und Victor ihre Grillparty vor – ohne Gästeliste, dafür mit offener Tür für alle.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kolumnistin plant für den 4. Juli eine spontane Grillparty mit Freunden
  • Gastgeber Victor zelebriert trotz schwieriger Vergangenheit seine Dankbarkeit für Amerika
  • Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer würdigen am Feiertag die Gemeinschaft, die Offenheit und geteilte Werte
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Milena MoserSchriftstellerin

Während ich diese Kolumne schreibe, bereiten wir wie jedes Jahr unsere Grillparty vor. Victor und ich sind unterdessen ein eingespieltes Team, wir kriegen das ohne grossen Stress hin. Ich habe mit den Jahren gelernt, worauf es ankommt: auf die Stimmung. Nichts anderes.

Nicht auf perfekt angerichtete Speisen, nicht auf fotografierbare Dekoration. Wenn ich sage, ich habe das gelernt, meine ich natürlich, ich habe es von Victor gelernt. Auch das: Es ist noch nie jemand hungrig von uns weggegangen. Und: Die Katzen werden ihren Unmut über die Störung ihres Tagesablaufs auch wieder vergessen.

Zwei Engel am Gate

Seit ich Victor kenne, hat er den 4. Juli immer gefeiert, auch in schwierigen Zeiten. Jedes Mal erzählt er, wie Amerika ihn gerettet hat, genau genommen waren es zwei amerikanische Flugbegleiterinnen. Er war, wie damals alle Mitglieder indigener Organisationen, als Staatsfeind registriert, war bereits einmal verhaftet, festgehalten und gefoltert worden. Und als er versuchte, sein Land zu verlassen, wurde er an der Passkontrolle festgehalten. Doch dann kamen «wie zwei Engel» breit lächelnde, blonde Flugbegleiterinnen daher. «Oh, da ist ja unser Passagier. Wir haben ihn schon gesucht!» Bevor die Beamten reagieren konnten, hatten sie Victor rechts und links an den Ellbogen gepackt und in den Abflugbereich gezogen. Das war damals eine inoffizielle, aber wirksame Form der Menschenrechtsverteidigung. Victor vermutet, dass unzählige Leben so gerettet wurden. Wie auch seines.

«Ich werde diesem Land immer dankbar sein», sagt er deshalb jedes Jahr. Aber dieses Mal fühlt es sich anders an. Zum ersten Mal waren wir gar nicht sicher, ob wir überhaupt feiern wollen. Und in unserem Umfeld klang es ganz ähnlich: «Was gibt es denn schon zu feiern?», fragten die einen. «Wir fühlen uns einfach nicht danach», die anderen. Da geht es uns allen ähnlich, egal, wo wir herkommen, warum wir hier leben oder wie lange schon. Von der Nachfahrin eines der Unterzeichnenden der jetzt so mit Füssen getretenen Unabhängigkeitserklärung bis zum frisch verliebten Neueinwanderer. Die vergangenen eineinhalb Jahre fühlen sich wie 15 Jahre an, wir spüren sie in den Knochen und im Nervensystem. Der tägliche Ansturm immer schlimmerer, immer weniger nachvollziehbarer Nachrichten zermürbt uns. Unser Umfeld ist zwar wild durchmischt, aber wir alle haben aus den unterschiedlichsten Gründen zunehmend Mühe, uns in dieser veränderten Realität zurechtzufinden.

Das lassen wir uns nicht nehmen

Wollen wir jetzt wirklich eine Party schmeissen? Haben wir überhaupt die Energie dazu? Doch während wir darüber diskutieren, wehrt sich etwas in mir: Das lassen wir uns doch nicht nehmen! So weit kommts noch!

«Das ist immer noch auch mein Land», sagt meine Freundin Theresa und gibt damit den Ausschlag. «Es gehört doch nicht allein der herrschenden Schicht!» Die Einladung verschicken wir kurzfristig, wir haben keine Ahnung, wer kommen wird.

Ein uramerikanisches Konzept

Aber das ist eigentlich immer so. So etwas wie eine Gästeliste haben wir nie, wir laden auch zwei Stunden vorher noch Leute ein, die wir zufällig im Eckladen antreffen. Manche vergessen abzusagen, andere bringen selbst noch ein paar Leute mit, es ist vollkommen egal. Ob wir uns seit Jahrzehnten kennen oder seit ein paar Stunden, es verbindet uns alle das Bedürfnis, an diesem Tag nicht allein zu sein. Sondern unter Menschen, die uns mögen, die uns so nehmen, wie wir sind, egal, wo wir herkommen, wie viel wir verdienen, wo wir in unserem Leben gerade stehen. Menschen, mit denen wir offen reden, unsere Gedanken und Gefühle teilen können. Im Grunde ein uramerikanisches Konzept ...

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