Darum gehts
- Dragan Pantelić, 64, bestieg 2022 den Damavand (5'610 m) im Iran
- Nur 20 Tage nach Corona-Erkrankung bezwang er Asiens höchsten Vulkan
- Startete Bergsteigerkarriere mit 54, fördert heute Kinder im Verein «Magleš»
Dragan Pantelić (64) hat erst mit 54 Jahren mit dem Bergsteigen begonnen und schreibt trotzdem eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte. In nur zehn Jahren erreicht er Höhen bis zu 5600 Metern und arbeitet heute als Bergführer und Ausbilder. Aufgewachsen in der Kleinstadt Bajina Bašta in Serbien, ist er schon früh viel zu Fuss unterwegs. Bewegung gehört für ihn selbstverständlich zum Leben. Den späten Einstieg erklärt er mit seiner Lebensweise – er sei schon als Kind ein «Schüler zu Fuss» gewesen. Ausserdem wolle er körperlich und geistig fit bleiben. «Das Sitzen im Büro bringt einen um», sagt er.
«Das war der Anstoss für mich»
Den Anfang machte eine Tour mit Arbeitskollegen auf den Rtanj – ein 1565 Meter hoher Berg im Osten von Serbien. Insgesamt 35 «Büro-Ratten», wie Pantelić sagt, erreichten gemeinsam den Gipfel. «Das war der Anstoss für mich, mich intensiver mit dem Bergsteigen zu beschäftigen», sagt er zu Blic.
Kurz darauf folgte der Triglav in Slowenien mit 2864 Metern Höhe. Dort erlebte Pantelić zum ersten Mal richtiges Bergsteigen: Metallstifte im Fels, steile Passagen, Kletterstellen. «Ich dachte bloss: ‹Was passiert nur mit mir?›» Er schaffte den Aufstieg – ohne besondere Ausrüstung, aber mit viel Willenskraft.
Aus diesem Erfolg zog er für sich ein klares Fazit: Nicht die Ausrüstung macht das Klettern, sondern der Kopf.
20 Tage nach Corona-Diagnose auf 5610 Metern
Es folgten zahlreiche Touren über 2000 Meter in Europa. Meist war Pantelić der Älteste in der Gruppe. Dann kam der grosse Schritt nach Asien: der Damavand im Iran, mit 5610 Metern der höchste Vulkangipfel Asiens. Bis dahin war sein Rekord der Musala in Bulgarien mit 2925 Metern.
Trotzdem wagte er die Expedition – und das nur 20 Tage, nachdem eine Corona-Infektion bei ihm nachgewiesen wurde. Die Mission gelang – sogar ohne Sauerstoff.
Einen grossen Traum hat er noch
Noch anspruchsvoller wurde es in Georgien: der Kasbek, ein Gletscherberg im Kaukasus mit einer Höhe von 5054 Metern. Hier ist Pantelić erstmals mit Steigeisen, Eispickel und Seil unterwegs. Die letzten Meter waren steil, vereist und technisch schwierig. Dennoch erreichte er auch diesen Gipfel – kurz vor seinem 61. Geburtstag.
Heute ist Dragan Pantelić 64-jährig. Mit seinem Verein «Magleš» bringt er Kindern und Erwachsenen die Berge näher. Jeden Monat organisiert er Wanderungen rund um Valjevo im Westen Serbiens, an denen oft Dutzende bis über 200 Menschen teilnehmen. Dabei geht es ihm nicht nur um Sport, sondern um eine Haltung: Die Natur soll nicht gefürchtet werden, sondern respektiert. Der Mensch sei dort nur zu Gast, unter Pflanzen und Tieren.
Einen grossen Traum hat Pantelić zudem noch. Er will den Kilimandscharo besteigen. Mit 5895 Metern wäre es sein grösster Erfolg.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.