Studie von MIT und Oxford
Wer ChatGPT falsch nutzt, verlernt das Denken

Schon zehn Minuten KI-Nutzung können reichen, um die eigene Problemlösefähigkeit messbar zu schwächen. Das zeigt eine Studie von vier Unis. Die gute Nachricht: Es kommt darauf an, wie man fragt.
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Chatbots wie ChatGPT sind aus dem Alltag vieler kaum wegzudenken. Doch wer sie falsch nutzt, schadet laut einer neuen Studie seiner Denkfähigkeit.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • KI-Nutzung schadet der Eigenleistung messbar
  • Wer direkte Antworten abfragt, trifft es am härtesten
  • Wer KI als Lernhilfe einsetzt, bleibt verschont
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Tobias BolzernRedaktor Digital

Wann hast du zuletzt ChatGPT um Hilfe gefragt? Forschende der Carnegie Mellon University, der Uni Oxford und UCLA sowie des MIT haben 1222 Personen in drei kontrollierten Experimenten getestet. Das Ergebnis: Wer rund zehn Minuten lang KI-Unterstützung nutzt, löst danach ähnliche Aufgaben deutlich schlechter und gibt schneller auf.

Im ersten Online-Experiment bekamen 354 US-Teilnehmende Bruchrechenaufgaben. Eine Gruppe durfte das Modell GPT 5 von OpenAI im Browser nutzen, die andere nicht. Dann wurde die KI deaktiviert, ohne Vorwarnung. Das Ergebnis: Die KI-Gruppe löste 57 Prozent der Testaufgaben korrekt, die Kontrollgruppe 73 Prozent. Die KI-Nutzerinnen und -nutzer übersprangen zudem Aufgaben öfter: ein klares Zeichen fehlender Ausdauer. Zwei weitere Experimente bestätigten einen ähnlichen Effekt, auch bei Leseverständnisaufgaben.

Wer falsch fragt, verliert

Entscheidend ist die Art der Nutzung. 61 Prozent der Teilnehmenden liessen sich Antworten direkt von der KI ausgeben. Diese Gruppe zeigte die grössten Einbussen. Wer KI-Tools dagegen nur für Hinweise nutzte, blieb unbeeinträchtigt.

Hinter der Studie steckt unter anderem Michiel A. Bakker, Assistenzprofessor am MIT und KI-Forscher bei Google Deepmind in London. Ein Essay über schleichende Entmachtung des Menschen durch KI brachte ihn auf die Idee zur Studie. «Es ist eine kognitive Frage: über Hartnäckigkeit, Lernen und den Umgang mit Schwierigkeiten», sagt Bakker zum Fachmagazin wired.com. «Wir wollten diese grundsätzlichen Bedenken über die Mensch-KI-Interaktion in einem kontrollierten Setting auf längere Frist untersuchen.» Beunruhigend findet Bakker den Befund, weil die Bereitschaft, an Problemen dranzubleiben, entscheidend für das Erlernen neuer Fähigkeiten ist und die langfristige Lernfähigkeit vorhersagt.

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So nutzt man KI richtig

Bakker sieht die Lösung nicht im Verzicht – sondern in der richtigen Haltung. KI solle wie ein guter Lehrer funktionieren und nicht einfach die Lösung liefern, sondern zum Nachdenken anregen. Statt «Lös mir diese Aufgabe» sollte man also besser fragen: «Gib mir einen Hinweis» oder «Erkläre mir das Prinzip». Wer ChatGPT als Coach nutzt, nicht als Antwortmaschine, schützt laut Bakker seine Denkfähigkeit. «Die Systeme, die direkte Antworten liefern, können sehr unterschiedliche Langzeiteffekte haben als Systeme, die den Nutzer begleiten, coachen oder herausfordern», sagt er.

Die Studie der Forschenden wurde noch nicht von unabhängigen Fachleuten geprüft. Sie liegt bisher nur als Vorabversion vor, als sogenanntes Preprint. Zudem nahmen ausschliesslich Personen aus den USA teil. Die Studienautoren fordern weitere Forschung: Wie sich tägliche KI-Nutzung über Monate auf die Denkfähigkeit auswirkt, sei bisher unklar. «Die Schlussfolgerung ist nicht, dass wir KI in Schulen oder am Arbeitsplatz verbieten sollten», so Bakkers Fazit im Magazin. «KI kann Menschen im Moment klar besser performen lassen, das hat einen Wert. Aber wir sollten sorgfältiger sein, welche Art von Hilfe KI bietet und wann.»

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