Darum gehts
- 76 Prozent der Schweizer Bevölkerung nutzen KI-Tools — 2024 waren es noch 50 Prozent
- Kantone in der Westschweiz, Junge und Gutverdiener chatten besonders häufig mit KI
- Mehr als die Hälfte der Befragten würde nie psychische Probleme mit einem Chatbot teilen
Innerhalb von zwei Jahren hat sich die KI-Nutzung hierzulande massiv beschleunigt. Über 76 Prozent der erwachsenen Bevölkerung nutzen heute Chatbots wie ChatGPT, Googles Gemini oder Perplexity. 2024 lag der Wert knapp unter 50 Prozent. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Vergleichsdienstes Comparis unter 1035 Personen.
Die Unterschiede einzelner Regionen sind beträchtlich. In der Westschweiz chatten über 81 Prozent der Befragten mit KI-Bots, in der deutschsprachigen Schweiz sind es rund 74 Prozent. Noch deutlicher ist die Kluft zwischen den Generationen: Über 90 Prozent der 18- bis 35-Jährigen nutzen die Tools. Bei den über 56-Jährigen ist es nur gut die Hälfte. Auch das Einkommen spielt eine Rolle. Wer mehr als 8000 Franken im Monat verdient, nutzt KI häufiger (86 Prozent). Bei unter 4000 Franken sind es knapp 56 Prozent.
Gesundheitsdaten sind tabu
Am häufigsten ersetzen KI-Chatbots die klassische Google-Suche. 41,6 Prozent der Nutzer tippen ihre Fragen inzwischen in ChatGPT statt in eine Suchmaschine. 2024 tat das erst gut jeder Vierte. «Klassische Suchmaschinen, die nur Links ausspucken, stehen unter Druck und werden verschwinden», prognostiziert Comparis-Experte Jean-Claude Frick.
Doch die Begeisterung der User hat klare Grenzen. Rund 55 Prozent der Befragten würden einem Chatbot nie Informationen über psychische Probleme anvertrauen. Frauen sind dabei zurückhaltender als Männer: 58,8 gegenüber 52,1 Prozent. Auch als Gesundheitscoach lehnt mehr als die Hälfte die KI-Chatbots ab.
Auch körperliche Beschwerden bleiben für die Hälfte tabu: 49,4 Prozent teilen solche Informationen unter keinen Umständen mit einem Bot. Und als persönlichen Gesundheitscoach? Lehnen 52,5 Prozent die KI ab. Das zeigt: Je intimer das Thema, desto grösser das Misstrauen. «Die Zurückhaltung ist berechtigt», sagt Frick. «Auch scheinbar harmlose Angaben können mehr über uns verraten, als uns bewusst ist.»
Gleichzeitig erwarten fast zwei Drittel der Befragten von einem Chatbot mehr Präzision als von einem Menschen. Fehler, die man einem Gegenüber aus Fleisch und Blut verzeiht, verzeiht man der Maschine nicht. Bei Pakettracking oder Produktfragen sieht die Sache anders aus: 70,4 Prozent bevorzugen dort den Bot. Frick fasst den Befund in einen Satz: «KI hat den Sprung vom Hype in den Alltag geschafft.»