Preisstreit an der Zapfsäule
«Bundesbern soll die Treibstoffpreise reglementieren!»

Nach einem Preissturz im Tessin um bis zu 19 Rappen pro Liter steht die Benzinbranche in der Kritik. Die Blick-Community diskutiert: Wurden Autofahrerinnen und Autofahrer jahrelang abgezockt?
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Seit die Benzinpreise gestiegen sind, stehen Tankstellen stärker im Fokus.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neue Tankstelle im Tessin senkt Benzinpreise um 19 Rappen pro Liter
  • SP-Nationalrat Benoît Gaillard vermutet Preisabsprachen der Schweizer Tankstellen
  • Anbieter widersprechen, Wettbewerbskommission sah bisher keine Anzeichen
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Mit der Eröffnung einer neuen Tankstelle im Tessin sind die Benzinpreise innert weniger Stunden um bis zu 19 Rappen pro Liter gefallen. Der überraschende Preissturz hat eine Debatte ausgelöst: Haben Schweizer Autofahrerinnen und Autofahrer jahrelang zu viel fürs Benzin bezahlt?

Diesen Verdacht äussert SP-Nationalrat Benoît Gaillard. Er fordert die Wettbewerbskommission (Weko) auf, die Preisbildung an Schweizer Tankstellen genauer zu untersuchen. Grundlage sind Daten von rund 887'000 Preisänderungen an 591 Tankstellen zwischen Januar 2024 und April 2026. Diese sollen zeigen, dass verschiedene Tankstellenketten ihre Preise oft nahezu zeitgleich und um identische Beträge erhöhen oder senken. Für Gaillard sind das Hinweise auf mögliche Preisabsprachen. Die Weko sieht derzeit jedoch keine Anzeichen für unzulässiges Verhalten und erklärt den Preissturz im Tessin mit dem verschärften Wettbewerb durch den Markteintritt eines neuen Anbieters.

Forderung nach mehr Kontrolle

Der Preisrutsch sorgt auch in der Blick-Community für Diskussionen. Eine Leserumfrage zeigt: 59 Prozent sind überzeugt, dass Benzin bisher überteuert war und die Preisbildung genauer untersucht werden sollte. Weitere 31 Prozent finden, der Preissturz im Tessin sollte erst der Anfang sein und die Benzinpreise müssten schweizweit sinken. Lediglich 11 Prozent sehen darin einen normalen Wettbewerb.

Entsprechend deutlich fallen auch die Kommentare aus. Peter Simmen fordert etwa, dass die Politik eingreift: «Vielleicht sollte sich Bundesbern überlegen, Treibstoffpreise in der ganzen Schweiz zu reglementieren! Es erschliesst sich dem Konsumenten nicht, warum Benzin und Diesel an gewissen Orten deutlich teurer sind als anderswo. Warum muss ich auf der Autobahn, gerade in Bellinzona, massiv mehr bezahlen als in Giubiasco, 200 Meter nach der Ausfahrt?»

Auch Rolf Huber sieht die Politik und Wettbewerbshüter in der Pflicht. Er kritisiert, dass oftmals erst durch den Markteintritt eines neuen Anbieters Bewegung in die Preise komme: «Es kann nicht sein, dass die Preise über Jahre hinweg scheinbar wie von selbst steigen, aber erst dann plötzlich sinken.» Die Verantwortlichen müssten genauer hinschauen und sicherstellen, dass Konsumenten fair behandelt würden, fordert er.

Auch die Höhe der staatlichen Abgaben sorgt für Diskussionen. «Man darf nicht vergessen, dass ein grosser Teil des Benzinpreises durch staatliche Abgaben zustande kommt. Wenn man wirklich etwas für die Autofahrer tun will, muss man auch dort ansetzen», argumentiert Leserin Sabine Minder.

Andere sehen normalen Wettbewerb

Doch nicht alle sehen Handlungsbedarf. Thomas Huggentobler verteidigt die Mechanismen des freien Marktes und fragt: «Was läuft denn unehrlich? Wir haben freie, kapitalistische Marktwirtschaft. Da kann jeder seinen Preis bestimmen.» Wenn die Kundinnen und Kunden bereit seien, einen Preis zu bezahlen, entspreche dieser dem Markt, argumentiert er.

Auch Markus Hunziker differenziert zwischen hohen Preisen und illegalen Absprachen. Er betont, dass nicht hohe Preise an sich problematisch seien, sondern nur mögliche Absprachen zwischen Konkurrenten. «Es darf jeder Benzinverkäufer sein Benzin so teuer verkaufen, wie er möchte. Illegal wird es dann, wenn die Konkurrenzunternehmen Preisabsprachen machen, um so den Gewinn zu steigern», schreibt er.

Die Kritik an den Treibstoffabgaben des Staates wird ebenfalls von einigen relativiert. Ueli Maier hält fest: «Die Benzinabgaben sind hoch, aber nicht automatisch Abzocke. Man darf ihre Höhe kritisieren. Sie finanzieren aber unter anderem Strassen, Tunnel und Unterhalt und beruhen auf demokratisch beschlossenen Gesetzen.»

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