Leser zur Zukunft der Zürcher S-Bahn
«Keine 1. Klasse mehr? Dann gebe ich mein GA ab!»

Mit der geplanten «S-Bahn 2G» soll das Zürcher S-Bahn-Netz mehr Kapazität erhalten. Dabei sorgt die Frage nach der 1. Klasse für Diskussionen: Für die einen ist sie wichtiger Komfort, für die anderen verschwendeter Platz.
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Auf inneren Linien der S-Bahn könnte die 1. Klasse künftig verschwinden. Doch die Folgen für den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) könnten happig sein.
Foto: Keystone
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Die Zürcher S-Bahn steht vor einem grossen Umbau. Mit der «S-Bahn 2G» wollen SBB und ZVV die Kapazität auf dem Zürcher Schienennetz langfristig deutlich erhöhen. Vorgesehen ist unter anderem eine Trennung in langsamere S-Bahnen mit Halt an allen Stationen und schnellere Verbindungen für längere Strecken. Im Zuge dieser Pläne stand auch die Abschaffung der 1. Klasse bei den inneren S-Bahn-Linien im Raum.

Doch genau diese Idee dürfte für den ZVV teuer werden. Laut Berechnungen des Zürcher Regierungsrats könnten bei einer vollständigen Abschaffung der 1. Klasse jährlich bis zu 80 Millionen Franken verloren gehen, wenn die bisherige Kundschaft auf das Auto ausweicht. Dem steht ein vergleichsweise kleiner Kapazitätsgewinn gegenüber: In einer 150 Meter langen S-Bahn-Komposition würden durch die Umwandlung der 1. Klasse in 2.-Klasse-Sitzplätze lediglich rund 28 zusätzliche Sitzplätze entstehen. Ob sich eine Abschaffung der 1. Klasse unter diesen Voraussetzungen tatsächlich durchsetzen lässt, scheint daher fraglich.

Community will den Komfort behalten

Unsere Leserinnen und Leser sprechen sich mehrheitlich für den Erhalt der 1. Klasse aus. In unserer Leserumfrage wollen 68 Prozent, dass die Komfortklasse in der Zürcher S-Bahn bestehen bleibt. 32 Prozent würden hingegen lieber auf die 1. Klasse verzichten und dafür mehr Plätze für alle Fahrgäste schaffen.

Auch in den Leserkommentaren überwiegt die Zustimmung zur 1. Klasse deutlich. Mehrere Leser betonen, dass sie den Aufpreis bewusst für mehr Ruhe, Komfort und die grössere Chance auf einen Sitzplatz bezahlen. So schreibt Leser Simon Suter: «Ich habe mir extra das 1. Klasse GA gegönnt, weil ich es satt habe, die ganze Zeit in überfüllten 2. Klassen zu sein. Die sollen besser mal dafür sorgen, dass entweder zu den Stosszeiten mehr Wagen angehängt sind oder mehr Züge fahren.»

Für Lena Kerner ist die 1. Klasse eine Frage der Sicherheit. «Der ÖV ist schon jetzt ein Kampfgebiet, das kaum auszuhalten ist.» Gerade ab 22 Uhr fühle sie sich als Frau nicht mehr sicher. «Der ÖV verliert an Attraktivität. Fällt die 1. Klasse weg, gibt es gar keinen Grund mehr, ÖV zu fahren», argumentiert sie.

Besonders deutlich fällt auch die Reaktion von Sascha Lustenberger aus: «Keine 1. Klasse mehr wäre für mich ein Grund, das GA abzugeben. Ich war am Samstag gezwungenermassen mit meinen Eltern in der 2. Klasse unterwegs. Das ist keine 2. Klasse, das ist Kindergarten. Das nächste Mal zahle ich meinen Eltern den Klassenwechsel!»

Für manche zählt jeder Sitzplatz

Ganz auf der anderen Seite stehen jene Leser, die der 1. Klasse wenig abgewinnen können oder sie zumindest im S-Bahn-Verkehr reduzieren würden. Alex Serrem plädiert dafür, dass die 1. Klasse «nicht komplett gestrichen, aber dafür weniger angeboten wird», da die Wagen «meist eh maximal zur Hälfte besetzt» seien.

User Thomas Keller meint, er fahre privat 1. Klasse und schätze den zusätzlichen Komfort sehr. Trotzdem könne er damit leben, wenn es in den S-Bahnen künftig keine 1. Klasse mehr gäbe. «Gerade im Zürcher S-Bahn-Netz geht es vor allem um kurze Strecken und möglichst viel Platz für alle. Wenn der Platz knapp ist, kann ich nachvollziehen, dass man die vorhandenen Kapazitäten anders nutzen möchte.»

Andere Leser denken über ein alternatives Angebot nach. Michael Huber schlägt etwa vergünstigte Stehplätze vor: «Meistens sind die Züge überfüllt und ich steh sowieso.» Noch einen Schritt weiter geht Olivia Karli. Sie fordert, «endlich wieder eine 3. Klasse» anzubieten – ausschliesslich mit Stehplätzen. Für Kurzstrecken sei dies «unproblematisch und platzsparend». Gleichzeitig entspreche es der Realität, da Fahrgäste während der Stosszeiten schon heute häufig stehen müssten.

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