Zürich rechnet jetzt vor
1. Klasse im Zug einfach streichen? So teuer käme das

Die 1.-Klasse-Abteile aus der S-Bahn entfernen? Was mehr Platz schaffen soll, könnte Zürich teuer zu stehen kommen. Der Regierungsrat rechnet mit Ausfällen von bis zu 80 Millionen Franken – und warnt vor einer weiteren Folge.
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Auf inneren Linien der S-Bahn könnte die 1. Klasse künftig verschwinden. Doch die Folgen für den Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) könnten happig sein.
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • ZVV und SBB planen mit «S-Bahn 2G» langfristige Verdopplung der Kapazitäten
  • Abschaffung der 1. Klasse könnte jährliche Verluste von bis zu 80 Millionen Franken bedeuten
  • Abschaffung bringe nur 28 zusätzliche Sitzplätze pro 150-Meter-Zug, sagt Regierung
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Sven AltermattCo-Ressortleiter Politik

Das Zürcher S-Bahn-Netz gehört zu den grössten der Schweiz. Und es soll weiter wachsen: SBB und Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) arbeiten an der «S-Bahn 2G». Das Ziel: «die Kapazitäten auf dem Zürcher Schienennetz langfristig verdoppeln». Vereinfacht gesagt soll das Netz in innere S-Bahnen, die an allen Stationen halten, und schnellere Express-S-Bahnen für längere Strecken aufgeteilt werden.

Ursprünglich wurde auch der Plan verfolgt, auf den inneren S-Bahn-Linien nur einstöckige Züge ohne 1. Klasse fahren zu lassen. Das soll unter anderem den Fahrgastwechsel beschleunigen. Doch die Abschaffung der 1. Klasse hätte einen hohen Preis. Das zeigt die Antwort des Zürcher Regierungsrats auf eine Anfrage der Kantonsräte Felix Hoesch (55, SP) und Daniel Sommer (62, EVP). Zuerst berichtete die «NZZ» darüber.

Reisende bezahlen für den Komfort

Konkret hat die Regierung anhand der Einnahmen von 2025 berechnet, was ein kompletter Verzicht auf die 1. Klasse im ganzen ZVV-Gebiet bedeuten würde. Fahren alle heutigen 1.-Klasse-Passagiere künftig einfach in der 2. Klasse, entgehen dem ZVV jährlich rund 30 Millionen Franken. 

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Noch happiger wird es, wenn diese Kundschaft dem ÖV ganz den Rücken kehrt: Dann beträgt der Ausfall rund 80 Millionen Franken. Das entspricht etwa 17 Prozent der Einnahmen, wenn in den Zügen 1. Klasse angeboten wird.

Und ausgerechnet dieses Szenario hält die Regierung für näher an der Realität. Denn für sie ist klar: «Das Angebot der 1. Klasse richtet sich an Personen mit einem erhöhten Komfortanspruch.» Viele Reisende bezahlten den Aufpreis insbesondere für die höhere Chance auf einen Sitzplatz während der Stosszeiten, heisst es weiter.

Der Regierungsrat warnt vor einer «Abwanderung zum motorisierten Individualverkehr». Ohne 1. Klasse könnte ein Teil der betroffenen Passagiere aufs Auto umsteigen. Um das Loch zu stopfen, wären je nach Szenario 10 bis 26 Millionen zusätzliche Einstiege in der 2. Klasse pro Jahr nötig.

Sitzplatzgewinn sei nur gering

Diesem Millionenrisiko steht ein vergleichsweise kleiner Platzgewinn gegenüber. In einer 150 Meter langen Komposition der heutigen dritten Fahrzeuggeneration gibt es 535 Sitzplätze, davon 120 in der 1. Klasse. Würde man die Komfortklasse abschaffen und dort so dicht bestuhlen wie in der 2. Klasse, kämen gerade einmal 28 zusätzliche Sitzplätze hinzu. Das sind nur rund fünf Prozent mehr. 

Ob die 1. Klasse tatsächlich verschwindet, scheint nun mehr als fraglich. SBB und ZVV überarbeiten ihr Konzept derzeit ohnehin. Die «S-Bahn 2G» verzögert sich: Weitgehend umgesetzt sein dürfte sie erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts.

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