Für 47 Franken nach Brüssel
Jetzt kommen die Billig-Zuganbieter in die Schweiz

Ab Mittwoch verbindet der European Sleeper Mailand und Brüssel mit Stopps in der Schweiz. Mitfahren kann man ab 47 Franken. Eine Annahme der Bilateralen III würde den Marktzugang für ausländische Anbieter massiv erleichtern, birgt jedoch grosses Konfliktpotenzial.
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Im September erhält die Schweiz eine neue Nachtzug-Verbindung in die belgische Hauptstadt Brüssel.
Foto: PD

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • European Sleeper startet Nachtzug von Mailand nach Brüssel via Schweizer Bahnhöfe
  • Fahrpreis ab 47 Franken, Ankunft in Brüssel um 11.42 Uhr
  • Marktöffnung könnte Wettbewerb stärken, Schweizer Schienennetz jedoch stark ausgelastet
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Am kommenden Mittwoch geht es los: Der niederländische Anbieter European Sleeper fährt erstmals von Mailand nach Brüssel und macht dabei gleich an mehreren Schweizer Bahnhöfen Halt: Lugano, Bellinzona, Arth-Goldau und Aarau. Der Zug erreicht Lugano um 18.44 Uhr. Egal ob Fahrgäste in Lugano oder Aarau zusteigen, die einfache Fahrt nach Brüssel kostet 49.99 Euro, umgerechnet 47 Franken. Zumindest für einen Sitzplatz. 

Die Fahrt im 3er-Schlafwagen schlägt gemäss Website des Anbieters mit 129.99 Euro zu Buche, im etwas grösseren Bett und inklusive Frühstück mit 169.99 Euro. Zudem gibt es die Option, einen reinen Frauenschlafwagen zu buchen. Die Nachtzugverbindung erreicht Brüssel um 11.42 Uhr. 

SBB starten im Sommer 2027 einen Test

Auch die SBB weisen auf ihrer Website auf das neue Angebot des privaten Transportunternehmens hin. Da die Verbindung nicht für Reisen innerhalb der Schweiz genutzt werden kann, zeigt der Onlinefahrplan die Züge nur an, wenn der Fahrgast einen Abfahrts- oder Ankunftsbahnhof im Ausland auswählt. Die SBB wollen ab Juli 2027 gemeinsam mit SNCF Voyageurs und der belgischen SNCB eine neue Direktverbindung zwischen Basel und Brüssel testen, die zunächst alle drei Tage angeboten werden soll. 

Derzeit müssen ausländische Anbieter noch mit einem Schweizer Bahnunternehmen zusammenarbeiten. Aus diesem Grund hat European Sleeper gemäss «SonntagsZeitung» bereits 2025 die Train Charter GmbH im Handelsregister eintragen lassen. 

Tiefere Preise für Konsumenten?

Doch der europäische Schienenverkehr wird liberalisiert – sollte die Schweiz die Bilateralen III annehmen, wird diese Marktöffnung auch hierzulande erfolgen. Dann könnten EU-Bahngesellschaften eigenständig Verbindungen in die Schweiz und durch die Schweiz anbieten. Selbiges gilt dann auch für Schweizer Anbieter in der Europäischen Union. 

In der jüngsten Vergangenheit haben bereits mehrere Anbieter ihr Interesse für einen Einstieg in der Schweiz angekündigt: Die Billigbahn Flixtrain liebäugelt mit einer Verbindung von Zürich nach München.

Fällt der Kooperationszwang weg, könnte der Preiswettbewerb für internationale Verbindungen auf den Schienen wachsen. Die Marktöffnung würde jedoch kontrolliert durchgeführt. Denn das Schweizer Schienennetz ist bereits stark ausgelastet, und der Taktfahrplan der ÖV-Anbieter soll vor negativen Auswirkungen geschützt werden, wie das Bundesamt für Verkehr in einem Faktenblatt im März festhielt. 

Netzkosten und Trassen als Streitpunkt

Auch die Haftungsfragen müssen geklärt sein. Bei Unfällen eines European Sleepers würde die schweizerische GmbH haften, mit einer Versicherungssumme von mindestens 100 Millionen Franken, so die «SonntagsZeitung».

Die Bilateralen III würden neue Haftungsregelungen bringen: Auch ausländische Gesellschaften könnten verantwortlich gemacht werden. Gleichzeitig müssten sie diskriminierungsfrei Trassen erhalten, wenn sie Kapazitäten im engen Schweizer Fahrplan finden. Doch das könnte Konflikte bis zum Europäischen Gerichtshof auslösen.

Eine grosse Frage bleibt: Wer finanziert den Unterhalt der Schienen? Die Trassenpreise, die Anbieter wie die SBB zahlen, sind bei weitem nicht kostendeckend. Die Infrastruktur könnte leiden – wie in Deutschland, wo die Liberalisierung zu jahrelanger Vernachlässigung führte. Besonders die Neat, die 23 Milliarden Franken gekostet hat, könnte zum Streitpunkt werden.

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