Kahlschlag beim Schweizer Bahnpersonal – 30 Jobs weg
Nachtzug-Betreiber entlässt Angestellte Knall auf Fall

Die Firma Newrest, die für das Personal der Nightjet-Nachtzüge verantwortlich ist, schliesst abrupt den kürzlich eröffneten Standort in Zürich. 30 Angestellte stehen plötzlich auf der Strasse. Die Gewerkschaft SEV spricht von Managementversagen.
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Die Nightjets der ÖBB flitzen ab Zürich nach Amsterdam, Berlin oder Wien.
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

  • Newrest entlässt bis April 2026 gesamtes Schweizer Personal am Standort Zürich
  • Unternehmen baute schon länger Personal in Zürich ab, trotzdem kommen Kündigungen überraschend
  • Rund 30 Mitarbeitende betroffen, viele mit Niedriglöhnen unter 4000 Franken brutto
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Wer abends öfter an den Fernverkehrsgleisen des Zürcher Hauptbahnhofs vorbei kommt, wird die blauen Züge mit der Aufschrift Nightjet schon einmal gesehen haben: Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) lassen die Züge nach Berlin, Hamburg, Graz, Wien oder Amsterdam verkehren – auch ab Zürich. «Nach einer komfortablen Nacht im Nightjet kommen Sie ausgeschlafen mitten in den schönsten Städten Europas an», werben die SBB, die die Betriebsarbeiten bis zur Grenze erledigen, auf ihrer Website. 

Vergangenes Jahr machte der «Tages-Anzeiger» publik, dass die ÖBB die Verantwortung für das Zugpersonal an das französische Catering-Unternehmen Newrest mit Sitz in Wien (Ö) ausgelagert haben. Weil für die Verbindungen von und nach Zürich vermehrt Personal aus der Schweiz zum Einsatz kam, eröffnete die Firma auch einen Standort in der Limmatstadt. Jetzt folgt nach nicht mal einem Jahr der Kahlschlag: Newrest entlässt bis Ende April das gesamte Schweizer Personal. Laut dem «Tages-Anzeiger» und der Bahngewerkschaft SEV sind rund 30 Mitarbeitende betroffen. «Es sind vor allem jüngere Personen ohne finanzielle Rücklagen, die das Gefühl hatten, dies sei ihr Karriereeinstieg in der Bahnwelt», sagt SEV-Vizepräsidentin Barbara Keller (32) zu Blick. 

Kündigungen kommen überraschend

Das Unternehmen des französischen Multimillionärs Olivier Sadran (56) hatte den Betrieb in Zürich zwar bereits in den letzten Wochen stark reduziert – insbesondere beim Büropersonal, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt. Trotzdem kommen die Kündigungen überraschend: Gegenüber Keller hätte Newrest erklärt, dass aktuell keine weiteren Stellen abgebaut werden sollen, so die SEV-Vizepräsidentin. 

Künftig sollen Angestellte aus Österreich die «Nightjets» der ÖBB betreuen, auch jene ab Zürich. Sie werden dazu nach Zürich gefahren, um dort ihren Dienst anzutreten. 

Mitarbeiter klagten über prekäre Arbeitsverhältnisse

Ob die Massnahme mit den kürzlich getroffenen Beschwerden vieler Schweizer Newrest-Angestellten zusammenhängt? Eine Anfrage von Blick beim Unternehmen ist derzeit pendent. Klar ist: Mitarbeiter beklagten sich über die Niedriglöhne von monatlich weniger als 4000 Franken brutto, undurchsichtige Lohnabrechnungen, fehlende Ruhezeiten sowie zusätzliche Aufgaben, die das Personal überlasteten. Die Gewerkschaft musste damals bereits eingreifen. Auch jetzt hat sie sich nach Angaben von Keller im mehrtägigen Konsultationsverfahren für die Betroffenen eingesetzt und konnte soziale Massnahmen aushandeln. 

Trotzdem stellt die Vizepräsidentin klar: «Was wir hier erleben, ist ein klassisches Managementversagen. Strategische Fehlentscheide des Unternehmens werden nun auf dem Rücken der Mitarbeitenden ausgetragen.» Dies verurteile sie scharf. «Soziale Verantwortung darf nicht dem Profit zum Opfer fallen.»

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