Darum gehts
- Seit Dezember keine Bargeldzahlungen in Bündner Postautos mehr möglich
- Rentnerin Berta Caminada kämpft mit Petition für Bargeldzahlungen
- Über 10'000 Unterschriften unterstützen ihre Forderung für fairen Zugang
Seit Mitte Dezember kann man in Bündner Postautos beim Chauffeur kein Billett mehr kaufen – Tickets gibts nur noch digital. Das stört einige. Doch wenige gehen so weit wie Berta Caminada (77) aus Bonaduz. Trotz Niederlage gibt sich die Bündner Rentnerin nicht geschlagen. Nachdem der Kanton Graubünden ihre Forderung nach Bargeld im Postauto abgelehnt hat, legt sie jetzt nach – und sucht den politischen Schulterschluss. Ihr Pfeil im Köcher: die Petition «Postauto ohne Bargeld NEIN!».
Für Caminada ist klar: Der Entscheid aus Chur ist kein Schlusspunkt, sondern erst der Anfang. Unterstützt von Tausenden Unterschriften und wachsendem Rückhalt aus der Politik will sie weiter Druck machen – notfalls mit einer Volksinitiative. Denn für sie steht mehr auf dem Spiel als nur das Bezahlen im Bus: Es gehe um Fairness für ältere Menschen, Kinder und alle, die nicht digital unterwegs sind.
«Bravo an diese Frau!»
Was sagen unsere Leserinnen und Leser dazu? Bereits als die Umstellung auf bargeldlose Postautos in Graubünden noch ganz frisch war, fanden unsere Leserinnen klare Worte.
So ist es wenig überraschend, dass die Mehrheit der Community nach wie vor hinter Berta Caminadas Forderung steht. «Bravo an diese Frau!», lobt Dora Häusermann die Bündner Pensionärin. «Wie sollen Rentnerinnen, die nicht mit der digitalen Welt aufgewachsen sind, das Postauto bezahlen? Ist es wirklich zu viel verlangt, dass der Chauffeur, wie jahrzehntelang üblich, Billette herausgibt? Denkt auch mal an die ältere Generation!»
«Auch auf Minderheiten sollte man Rücksicht nehmen»
Stefan Treier geht da mit: «Frau Caminada hat absolut recht. Die Abschaffung der Barzahlung beim Buschauffeur benachteiligt Menschen, die bewusst mit Bargeld bezahlen möchten – insbesondere Seniorinnen und Senioren. Auch wenn es sich um eine Minderheit handelt, darf man Rücksicht nehmen.» In seinem Kommentar verweist er darauf, «dass sich die Stimmbürgerschaft klar gegen die Abschaffung des Bargeldes geäussert hat.»
Auch Phil Matzinger findet: «Ja, die Dame soll weiter kämpfen.» Er ist der Meinung, dass man einen Kompromiss finden müsste. «Wegen solcher Proteste hat Schweden das Bargeld wieder eingeführt.»
«Bargeld funktioniert immer!»
«Nur Bares ist Wahres», schreibt Max Schleiffer, «man darf Bargeld einfach nicht verweigern.»
Einige Kommentatoren sehen zudem alltagspraktische Gründe im Bargeld als zusätzliche Bezahlmethode. «Wie oft musste ich als Barzahler warten, weil bei der Person vor mir Twint, die Kreditkarte oder sonst welche digitalen Bezahlmöglichkeiten nicht funktionierten», schreibt Alfred Reinhard. «Hört mir auf mit dem digitalen Blödsinn. Bargeld funktioniert immer!»
«Guter Entscheid von der Postauto AG!»
Bert Hengeveld hat da gegenteilige Erfahrungen gemacht. «Ich habe mich schon extrem geärgert, weil ich einen Anschluss verpasst habe wegen Leuten, die ihr Busticket noch kaufen mussten.» Leser Remo Castrischer sieht es ähnlich: «Wenn ich in einen Bus steige, möchte ich gerne pünktlich an meinem Bahnhof oder meiner Umsteigestation ankommen! Der Postautofahrer sollte sich voll und ganz aufs sichere und pünktliche Fahren konzentrieren können, ohne dass er noch an jeder Haltestelle Tickets verkaufen muss.»
Auch Leserin Yvonne Hormann kann den Entscheid gegen Bargeld bei Postauto nachvollziehen: «Die Fahrer haben echt Zeitdruck, wenn sie beim Fahren noch dem Gast ein Billett ausstellen müssen ...» Tobias Grütter ist ebenfalls klar für Fortschritt: «Guter Entscheid von der Postauto AG! Es kann nicht sein, dass man für ein paar wenige Kunden den ganzen Aufwand mit Münzmaschinen betreibt.»