Darum gehts
- Superreiche mieten Furka- und Oberalppass für private Luxus-Events in den Alpen
- Teilnahme kostet 10’000 Franken und mehr, optional Privatjet oder Fahrzeugtransport
- Strassen drei Stunden pro Jahr gesperrt, Einnahmen fördern lokalen Tourismus
Kurzzeitig gehören einzelne Schweizer Alpenpässe nicht mehr der Öffentlichkeit, sondern einer exklusiven Kundschaft: Für wohlhabende Supercar-Besitzer werden der Furka- und Oberalppass im Rahmen eines Events des Supercar Owners Circle zeitweise für eine private Ausfahrt gesperrt. Während die Strecke für den regulären Verkehr blockiert wird, fahren teure Oldtimer und millionenschwere Sportwagen ungestört durch das Alpenpanorama.
Die temporären Sperrungen werden vom Kanton im Rahmen eines Bewilligungsverfahrens genehmigt, bei dem wirtschaftliche Interessen wie Tourismus mitberücksichtigt werden. Die Teilnahme am Event kostet ab rund 10'000 Franken, zusätzliche Leistungen wie Privatjet oder Fahrzeugtransport treiben den Preis weiter in die Höhe.
Immerhin dürfte die Sperrung jeweils nicht allzu lange dauern: Im vergangenen Jahr betrug sie am Freitagabend und am Samstagvormittag je nach Streckenabschnitt rund eineinhalb Stunden.
Kritik an Nutzung öffentlicher Strassen
Die Aktion sorgt in der Leserschaft für deutliche Reaktionen. Besonders kritisch äussert sich Leser Hanspeter Wyss-Meier: «Öffentliche Strassen sperren, damit Superreiche ungestört Most verballern können? Und dem armen Mann und der kleinen Frau das ganze Jahr über die Hölle heiss machen wegen dem Klimawandel? Das hat doch mit Tourismus nichts zu tun, das ist eine unappetitliche Zurschaustellung des Neofeudalismus.»
Ähnliche Worte findet Margrit Herzog: «Von allen guten Geistern verlassen! Die Schweiz baut sich nur noch ab. Anstatt diese Protzer- und Poserboliden zu verbieten, bietet man ihnen noch eine Plattform für ihre aufgeblasenen Vorführungen. Auf diese Art von Tourismus können wir sehr gut verzichten.»
Und auch Roland Mall meint: «Der Hotspot der Alpeninitiative wird zum Mekka der übermotorisierten Luxuskarossen? Röhren und Dröhnen in extra ruhig gestellter Natur? Auf den Urner Alpen wird es dekadent! Passt irgendwie nicht zum üblichen Gezeter aus dem Urkanton. Geld stinkt wirklich nicht.»
Befürworter sehen wirtschaftlichen Nutzen
Während die Kritik am Event in Teilen der Leserschaft deutlich ausfällt, gibt es auch Stimmen, die die temporären Sperrungen der Alpenpässe gelassener sehen und den touristischen sowie wirtschaftlichen Nutzen in den Vordergrund stellen. So schreibt User Peter Bienz: «Ein schöner Anlass! Ich kann die künstliche Aufregung über die wirklich kurzzeitige Einschränkung nicht nachvollziehen oder verstehen. Und im Übrigen wird ja regelmässig ein erheblicher Mehrwert und Umsatz für Tourismus und involvierte Ortschaften generiert.»
Ähnlich sieht es Leser Adrian Schärli: «Ich sehe kein Problem, wenn man ein paar Stunden pro Jahr die Strasse ein paar Autoliebhabern überlässt. Die 10'000 Franken werden übrigens mit Sicherheit zu einem grossen Teil für Gegenleistungen wie Chedi, Polizei usw. gebraucht werden.» Zudem verweist er darauf, dass auch bei Slow-ups oder ähnlichen Anlässen Strassen gesperrt werden.
Und auch Roland Greter meint: «Leben und leben lassen – nebenbei bringt Sawiris seit 20 Jahren sehr viel Geld ins Tal, hat Andermatt in eine Ganzjahresdestination verwandelt, von der dort alle profitieren. Nun ist der Pass eben mal knapp zwei Stunden im Jahr gesperrt – was solls.»