Lenkerin (†62) von Pannenfahrzeug stirbt nach Auffahrkollision auf A1
Todeszone Pannenstreifen – so verhältst du dich richtig

Auf der A1 bei Oftringen blieb eine Autofahrerin auf dem Pannenstreifen stehen. Ein Lastwagenchauffeur fuhr dem Pannenwagen auf. Die Autofahrerin verstarb noch vor Ort. Blick erklärt, wie gross die Gefahr auf Pannenstreifen ist und wie du dich richtig verhältst.
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Am Freitag ereignete sich auf der A1 bei Oftringen AG ein schwerer Verkehrsunfall.
Foto: KAPO AARGAU

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Autofahrerin (†62) stirbt auf A1 bei Oftringen nach Auffahrunfall auf Pannenstreifen
  • TCS gibt Rat für korrektes Verhalten: Warnblinker, Warnweste, Warndreieck und hinter der Leitplanke warten
  • Kapo Aargau warnt: Pannenstreifen ist «Todeszone», Aufstellen von Warndreieck oft gefährlich
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Sandra MarschnerRedaktorin News-Desk

Am Freitagmorgen ereignete sich auf der Autobahn A1 bei Oftringen AG ein tragischer Verkehrsunfall. Eine Autofahrerin (†62) musste aus noch unbekannten Gründen mit ihrem Toyota Yaris auf dem Pannenstreifen anhalten. Ein Lastwagenchauffeur fuhr, ebenfalls aus noch ungeklärten Gründen, mit seinem Lastwagen ins Heck des stehenden Fahrzeugs. Die 62-jährige Autolenkerin erlitt bei dem Auffahrunfall schwere Verletzungen und verstarb noch an der Unfallstelle, wie die Kantonspolizei Aargau in einer Mitteilung schreibt. Der Lastwagenchauffeur blieb unverletzt. 

Immer wieder werden Pannenstreifen Ort gefährlicher Unfälle. So blieb im August 2025 etwa ein Autofahrer (63) auf der Autobahn A15 von Tuggen SZ Richtung Reichenburg SZ auf den Pannenstreifen stehen. Der 71-jährige Beifahrer stieg aus dem Auto und ging hinter das Fahrzeug. Zugleich fuhr eine Autolenkerin (38) auf der Autobahn in dieselbe Richtung. Aus unbekannten Gründen prallte sie in das stehende Pannenfahrzeug und erfasste den ausgestiegenen Beifahrer. Dieser sowie eine 41-jährige Mitfahrerin der Autolenkerin wurden bei der Kollision schwer verletzt.

Im April 2019 kam es zu einem besonders tragischen Verkehrsunfall auf der Autobahn A1 in Richtung St. Gallen. Andreas S.* (damals 24) tippte am Steuer seines Alfa Romeos auf seinem Smartphone herum. Er wollte Musikstücke für sein Audioradio aussuchen. Zugleich stand Rahman R.* (†50) wegen eines defekten Vorderreifens mit seinem Renault-Lieferwagen bei Oberbüren SG auf dem Pannenstreifen. Pannendienst-Helfer Adem B.* (†24) rückte aus, um den Reifen zu reparieren.

Doch dann donnerte Andreas S. mit rund 110 km/h in den Unfallhelfer hinein. Adem B. wurde dabei durch die Wucht gegen den Lieferwagenfahrer geschleudert. Nur wenige Stunden nach dem Unfall erlag B. seinen Verletzungen. Rahman R. starb 20 Tage später auf der Intensivstation. Das Urteil für Andreas S.: 18 Monate bedingte Haft wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung sowie grober Verkehrsregelverletzung. 

Pannenstreifen ist kein Ort zum Verweilen

Zahlen des Bundesamts für Strassen (Astra) zeigen, dass sich die Zahl der Unfälle auf Pannenstreifen von Autobahnen zwischen 2015 und 2025 mehr als verdoppelt hat – von 53 auf 107. Während die Zahl der Unfälle mit Todesfolge und mit Schwerverletzten konstant geblieben ist, stieg die Zahl der Unfälle mit Leichtverletzten deutlich an – von drei im Jahr 2015 auf 25 im Jahr 2025. Besonders häufige Ursachen sind den Zahlen des Astra zufolge Übermüdung und Einschlafen (Sekundenschlaf), momentane Unaufmerksamkeit und Nichtanpassen an die Strassenverhältnisse.

Generell gilt: Der Pannenstreifen sollte zur eigenen Sicherheit möglichst rasch verlassen werden. Während einer Panne auf dem Pannenstreifen zu warten oder etwa auf der Leitplanke zu sitzen, sei sehr gefährlich, sagt TCS-Mediensprecherin Vanessa Flack zu Blick. Ob bei einer Panne oder einem Unfall: Korrektes Verhalten auf dem Pannenstreifen diene der eigenen Sicherheit. Wer also auf dem Pannenstreifen stehenbleiben muss, sollte sich laut Flack an diese Punkte halten:

  1. Auf dem Pannenstreifen anhalten und Warnblinker einschalten.
  2. Ruhe bewahren. Bei einem Unfall sich einen Überblick über Anzahl, Standort und Art der betroffenen Fahrzeuge verschaffen.
  3. Warnweste vor dem Aussteigen anziehen – sie sollte im Auto griffbereit sein – und beim Verlassen des Fahrzeugs immer den Verkehr beachten, beziehungsweise auf der sichereren Seite des Fahrzeugs aussteigen.
  4. Aufstellen des Pannendreiecks, mindestens 50 Meter oder etwa 60 Schritte vor der Unfallstelle, 100 Meter oder etwa 110 Schritte bei schlechter Sicht oder auf schnellen Strassen.
  5. Rettungs- oder Pannendienst alarmieren und hinter der Leitplanke warten.

Das gelte auch für Unfallhelfer, betont Flack. «Auch wer bei einem Unfall helfen möchte, sollte all diese Punkte beachten und nicht überstürzt das Fahrzeug verlassen.»

Kapo Aargau rät keine Sekunde beim Aussteigen zu verlieren

In der Fahrschule lernt man: Nach einem Unfall oder einer Panne ist die Pannen- oder Unfallstelle abzusichern. Vorschriftsmässig gilt dabei auch, das Pannen- oder Warndreieck aufzustellen. Auch TCS-Mediensprecherin Flack bestätigt dieses Vorgehen gegenüber Blick.

Die Kantonspolizei Aargau veröffentlichte unterdessen im März ein Social-Media-Video, in dem es heisst, dass das Aufstellen des Pannendreiecks in Unfallsituationen die Gefahr erhöhe. Mediensprecher Bernhard Graser erklärte damals auf Anfrage von Blick, dass das Gesetz zum Aufstellen des Warndreiecks nicht der Praxis entsprechen würde. «Die Vorschrift ist schön und gut, wenn wenig Verkehr herrscht. Die Realität ist eine andere.» Der Pannenstreifen werde bei regem Verkehr zur wahren Gefahrenzone, betonte Graser und ergänzte, dass es nicht intelligent sei, dort noch einem davonfliegenden Pannendreieck hinterherzurennen.

Es gelte jede Sekunde, um das Fahrzeug zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen, verdeutlichte Graser. Und beschwichtigte mit Blick auf die Gesetzeslage: «Zumindest wir im Aargau würden nicht auf die Idee kommen, jemanden zu büssen, weil auf der Autobahn kein Pannendreieck aufgestellt ist.» Denn Unfälle aufgrund des Aufhaltens auf dem Pannenstreifen seien keine Seltenheit im Polizeialltag. 

* Name geändert

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