Mit der Geduld am Ende
Gemeinden aus drei Kantonen wollen Raser im Boowald stoppen

Die kurvige Kantonstrasse durch den Boowald nach St. Urban ist bei Rasern beliebt. Anwohnerinnen und Anwohner leiden darunter – und sind zunehmend empört. Gemeinden aus den Kantonen Bern, Aargau und Luzern wollen nun gegen die Raserei vorgehen.
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Der Boowald ist bei Rasern beliebt – vor allem an schönen Wochenenden oder Feiertagen. Anwohnerinnen und Anwohner leiden unter dem Lärm und der beeinträchtigen Sicherheit. Es kommt auch zu Unfällen.
Foto: Kantonspolizei Aargau

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Raser auf der Boowald-Strecke sorgen für Lärm, Unfälle und Beschwerden
  • Anwohnende zunehmend empört; Kanton Aargau prüft Tempolimit 60
  • Nicht auf allen Raserstrecken werden strengere Tempolimits eingeführt
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Patrick GerberRedaktor Politik

Raserei, Verkehrslärm, Sorge vor Unfällen: Damit haben Anwohnerinnen und Anwohner der berüchtigten Raserstrecke durch den Boowald schon länger zu kämpfen. Die aargauische Kantonsstrasse zwischen St. Urban LU, Roggwil BE und Vordemwald AG wird immer wieder von Rasern heimgesucht – besonders an sonnigen Wochenenden und Feiertagen. Die Probleme machen keinen Halt vor Gemeinde- und Kantonsgrenzen. 

Inzwischen gebe es wegen der Raserei laufend Beschwerden aus der Bevölkerung, erklärt Sandra Cellarius, Gemeindepräsidentin des ebenfalls betroffenen Pfaffnau LU, gegenüber der «Aargauer Zeitung». Zum Problem würden besonders Motorradfahrer, die sich nicht an die Verkehrsregeln hielten. Dadurch entstünden «reale Bedrohungen für reale Menschen», sagt sie weiter. 

Um den Problemen entgegenzuwirken, lud die Gemeinde Roggwil Ende März zu einem runden Tisch. Daran nahmen Vertreter aus den Kantonen Bern, Luzern und Aargau sowie unterschiedliche Gemeinden und Kantonspolizeien teil. Besprochen wurden etwa eine Verstärkung der Polizeipräsenz, strukturelle Veränderungen der Strecke oder Massnahmen gegen «informelle Zuschauerränge» – beispielsweise Halteplätze. Zudem prüft der Kanton Aargau eine Senkung des Tempolimits auf 60 km/h. 

Raserei im Boowald kein Einzelfall

Schweizweit geraten Raserstrecken ins Visier von Anwohnerinnen und Anwohnern, die genervt sind. Bei der kurvenreichen Gempenstrasse in den Solothurner Jurahügeln gibt es die gleichen Probleme wie im Boowald: Lärmbelastung, geringere Sicherheit und Unmut bei den Betroffenen. Der Kanton will dort allerdings nicht gross handeln. Es gebe kein generelles Tempoproblem, argumentierte der Kanton gegen eine Senkung des Höchsttempos. Das Problem seien Einzelpersonen, die das Tempo massiv überschritten. 

Die Behörden planen stattdessen Markierungs- und Signalisationsarbeiten. Den betroffenen Bürgern genügt das aber nicht. Dutzende engagieren sich deswegen in einer Interessensgemeinschaft. Sie planen etwa Verkehrs- und Lärmmessungen, Gespräche mit Fahrern und Behörden sowie politische Vorstösse. Ähnlich wie im Boowald will man auch an der Gempenstrasse bekannte Zuschauer- und Poser-Treffpunkte unattraktiver machen. 

Auch auf der Saalhöhe – der Pass-Strecke zwischen Kienberg SO und Erlinsbach AG – locken die langen Kurven Raser an. Dabei kommt es auch immer wieder zu Unfällen. Die Kantonspolizei Aargau handelte: Sie reduzierte das Tempo auf der Strecke von 80 auf 60 km/h und führte weitere Massnahmen ein – etwa zusätzliche Kurvenleitpfeiler oder Hinweisschilder.

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