Nach mehreren Todesfällen
Anwohner haben genug von Horror-Raserei

Die kurvenreiche Strasse von Dornach SO nach Gempen SO zieht Raser an. «Es gibt heute Leute, die die Strasse an gewissen Tagen nicht mehr nutzen, weil sie Angst haben», heisst es im Dorf. Die Politik reagiert nur zögerlich. Nun werden Anwohner selbst aktiv.
Kommentieren
1/6
Mit einem Projekt wollen die Gempener SVP-Politikerin Jacqueline Ehrsam und Dorfbewohner Lorenzo Vasella der Raserei entgegenwirken – Dutzende Bürger machen mit.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die kurvenreiche Gempenstrasse von Dornach nach Gempen zieht seit Jahren Raser an, es kommt zu Unfällen und Todesfällen
  • Doch die Politik scheint zu zögern: Ein strengeres Tempolimit wurde abgelehnt
  • Nun wollen die Einwohner von Gempen selbst aktiv werden
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Patrick_Gerber_Journalist Politik_Blick_3-Bearbeitet.jpg
Patrick GerberRedaktor Politik

Die kurvige Gempenstrasse in den Solothurner Jurahügeln ist bei Rasern beliebt – besonders an sonnigen Tagen. Immer wieder kommt es auf der Strecke – nahe bei Dornach SO und an der Grenze zum Baselbiet – zu schweren Unfällen. 2019 fuhr ein junger Mann bei einem rücksichtslosen Überholmanöver einen Velofahrer um, der nur knapp überlebte. Zwei Jahre später starben zwei junge Autolenker bei einem Unfall. 2024 wurde eine 27-Jährige mit 110 km/h geblitzt – in einer 50er-Zone.

Viele Einwohner von Gempen haben jetzt genug von Lärm und Raserei. «Man kann nicht mehr nur von eingeschränkter Lebensqualität sprechen, es geht um ein Gesundheits- und Sicherheitsrisiko», sagen SVP-Politikerin Jacqueline Ehrsam (44) und Dorfbewohner Lorenzo Vasella zu Blick. «Wir Gempener wollen die Strasse nutzen können – ohne das Risiko, in einen Unfall verwickelt zu werden. Es gibt heute Leute, die die Strasse an gewissen Tagen nicht mehr benutzen, weil sie Angst haben.»

Ehrsam und Vasella beobachteten in den letzten Jahren eine Verschlechterung der Situation, verstärkt durch die Corona-Zeit. «Die Leute haben nach Freiheiten gesucht und sie auf unserer passartigen Strasse gefunden», sagen sie. «Heute haben wir Poser und Motorradfahrer, die sich miteinander verabreden und dann als Freizeitvergnügen mehrmals die Strasse hoch- und runterfahren.»

Dorfbevölkerung wird aktiv

Dass die Situation heikel ist, lässt sich auch mit Zahlen belegen: Die Kantonspolizei Solothurn gab 2025 an, dass sich in den letzten zehn Jahren jeweils zwischen sieben und fünfzehn Verkehrsunfälle auf der Gempenstrasse ereigneten.

Neben den Unfällen kam es auch sonst zu gefährlichen Situationen, wie Ehrsam und Vasella erzählen. Aus Frust hätten sich Einzelpersonen selbst in Gefahr gebracht. «Einige haben beispielsweise bewusst Motorräder ausgebremst und Leute zur Rede gestellt. Das bringt ein gewisses Risiko mit sich.»

Für Ehrsam und Vasella ist deshalb klar: Die Zeit ist reif, selbst aktiv zu werden. Kürzlich luden die beiden mit dem Aufruf «Wir Gempener» zu einer Versammlung, an der rund 50 Einwohnerinnen und Einwohner teilnahmen. Gemeinsam diskutierten sie Massnahmen. Dabei setzt die Gruppe ganz bewusst auf «weiche» und diplomatische Ansätze. «Es geht generell darum, ins Gespräch zu kommen. Wir wollen mit den Leuten sprechen, die uns Probleme bereiten», so die beiden Initiatoren. «Es ist überhaupt nicht in unserem Sinn, jemanden zu provozieren oder einen Streit zu beginnen.» 

Politik ringt um Lösungen

Tatsächlich waren die zahlreichen Verkehrsdelikte schon Thema auf dem politischen Parkett. So wollte ein Vorstoss im Solothurner Kantonsrat das Tempolimit von 80 auf 60 senken, scheiterte aber. Ehrsam und Vasella sind überzeugt: «Ein strengeres Tempolimit könnte etwas bewirken. Doch es würde auch die Leute einschränken, die die Strasse normal benutzen. Deswegen ist das für uns keine zielgerichtete Massnahme.»

Immerhin gibt es eine Aussicht auf etwas Besserung: Laut den Solothurner Behörden sollen im Frühling 2026 gezielt Signalisierungs- und Markierungsmassnahmen umgesetzt werden, etwa eine «klarere Führung» oder eine «punktuelle Anpassung der Signalisation». 

Vorerst jedoch fühlen sich viele Gempener von der Politik noch im Stich gelassen. «Der Gesetzgeber ist viel zu langsam und ein Stück weit auch ohnmächtig. Er hat noch keine wirkungsvollen Massnahmen», sagen Ehrsam und Vasella.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen