Darum gehts
- Kurvige Gempenstrasse: Kanton Solothurn plant neue Markierungen gegen Raserunfälle
- «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» startet Aktionen für mehr Sicherheit und Lärmschutz
- Im Raum stehen unter anderem Plakatkampagnen, Demonstrationen, Gespräche und Verkehrsmessungen
Die kurvige Gempenstrasse in den Solothurner Jurahügeln ist bei Rasern beliebt – besonders im Frühling und im Sommer. Immer wieder kommt es zu tragischen Unfällen, die national für Schlagzeilen sorgen. Viele Bürger stören der Lärm und die Raserei schon lange – gegenüber Blick äusserten sie heftige Kritik. Mit einer Interessengemeinschaft gehen sie dagegen vor. Jetzt reagiert auch der Kanton Solothurn: Die Behörden planen Markierungs- und Signalisationsarbeiten.
Die Strecke liegt nahe bei Dornach SO und an der Grenze zum Baselbiet. Konkret geplant sind unter anderem neue Mittel- und Randleitlinien, Kurvenleitpfeile sowie zusätzliche Gefahrensignale. Von einem strengeren Tempolimit sah man jedoch ab. Man habe an sich kein Tempoproblem auf der Strecke, heisst es bei den Solothurner Behörden. Das Problem seien Einzelpersonen, die das Tempo massiv überschritten.
Bürger beschliessen selbst Massnahmen
Die Mitglieder der «IG Respektvoll unterwegs Dorneckberg» erklären gegenüber Blick: Sie haben keine geschlossene Meinung zum Tempolimit – vieles geht ihnen zu wenig weit. So oder so haben sie aber noch viele andere Ideen im Köcher. Gegründet wurde die Interessengemeinschaft von den beiden Gempnern Lorenzo Vasella und Jaqueline Ehrsam (44), die früher für die SVP im Solothurner Kantonsrat sass. «Wir fordern nicht, wir handeln», so ihr Motto.
Seit der ersten «Chropfleerete» im Januar sei das Interesse sogar noch grösser geworden, erklären die beiden. «Rund zwei Dutzend Helfer sind neu dazugekommen.» Nun stellte die IG – nach diversen Abklärungen und Gesprächen – Massnahmen für den Sommer 2026 vor. Die drei Hauptideen sind Lärm- und Verkehrsmessungen, Gespräche mit Fahrern und Behörden sowie politische Vorstösse.
«Wir sind recht zufrieden mit den sieben Massnahmen», so Ehrsam und Vasella. Man habe einen ausgewogenen Mix gefunden. «Jetzt sind wir gespannt, welches Potenzial sich daraus entfaltet.» Man gehe nun offen in die Umsetzung. Ein engagiertes Team an Helfern stehe bereit, doch bei der Finanzierung gebe es noch Fragezeichen. Für die ambitionierten Ideen – wie etwa die Lärmmessungen mit einer externen Firma – sei man noch auf grosszügige Spender angewiesen. Für das weitere politische Engagement sei man mit rund 60 eingetragenen Kontakten gut aufgestellt.
«Das kann bereits abschrecken»
Mittels Motion will die IG etwa den bekannten Töff-Treffpunkt in Gempen unattraktiver machen. An schönen Tagen versammelten sich im sogenannten Dreieck bis zu zwei Dutzend Töfffahrer, berichten Ehrsam und Vasella. «Sie fachsimpeln, schauen den Kollegen zu und verstellen die Trottoirs.» Die IG wolle alles daran setzen, dass solcher Verkehrstourismus an Attraktivität verliere.
Per Vorstoss will man zudem fordern, die Anzahl der Parkfelder im Dreieck zu reduzieren oder Parkgebühren einzuführen. «Solche Dinge können bereits abschrecken», zeigt sich die IG überzeugt. Sie hat auch auf Gemeindeebene weitere Ideen: Man wolle etwa Tempo 30 oder Begegnungszonen aufs Tapet bringen – um den Verkehr im Dorf zu beruhigen. «Gemeinsam können wir etwas bewegen», sind sich die Gempner sicher.