Darum gehts
- Grünen-Nationalrätin fordert Schuldenerlass für geschuldete Krankenkassenprämien
- Es geht um Millionen von Franken
- Die Blick-Leserschaft ist empört
Die stetig steigenden Krankenkassenprämien treiben immer mehr Menschen in die Schulden. Offene Prämien blockieren nicht nur den Wechsel zu einer günstigeren Kasse, in manchen Kantonen droht sogar der Eintrag auf einer «schwarzen Liste». Die Folge: Einschränkungen bei der medizinischen Versorgung und wachsender Druck auf ohnehin knappe Haushaltsbudgets. Bei Personen, die ihre Prämien nicht mehr bezahlen können, greifen die Kantone ein. Millionenbeträge stehen im Raum.
Grünen-Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber will mit einem einmaligen Schuldenerlass gegensteuern. Ein genereller Schuldenerlass ist politisch bereits auf dem Weg: Nach dem Nationalrat hat im März auch der Ständerat grundsätzlich zugestimmt, dass stark verschuldete Personen eine einmalige Chance auf Sanierung erhalten, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
«Die, die regelmässig ihre Rechnung zahlen, sind die Beschissenen»
Bei der Community kommt diese Form der Unterstützung gar nicht gut an. Der Blick in die Kommentarspalte zeigt: Viele sind schlicht empört. Alexandra Meier etwa. «Dieser Vorstoss ist eine Frechheit», kommentiert sie. Als alleinerziehende Mutter ohne Prämienverbilligung spare sie beim Essen und bei Kleidern, um keine Schulden zu machen. «Das ist eine Ohrfeige für alle, die sich täglich den Arsch aufreissen und auf alles verzichten, um ihre Rechnungen pünktlich zu zahlen», echauffiert sie sich. «Hier wird Disziplin bestraft und Schuldenmachen belohnt. Bin ich jetzt die Dumme, nur weil ich ehrlich bin und meine Prioritäten im Griff habe?»
Leser Heiri Rickli sieht das ebenso: «Die, die regelmässig ihre Krankenkassenrechnung bezahlen, sind dann die Beschissenen.»
«Wacht endlich auf, bevor es zu spät ist»
Auch Peter Welter geht dieser Vorstoss gegen den Strich: «Das geht so nicht. Sonst bezahle ich in Zukunft keine Rechnungen mehr.» In vielen Kommentaren wird vermutet, dass der Schuss regelrecht nach hinten losgehen könnte. Urs Hafner-Lüthi warnt derweil: «Wacht endlich auf, bevor es zu spät ist. Wenn es so weitergeht, werden wir bald nur noch Schuldner haben!»
Das Stimmungsbild ist eindeutig: Die überwiegende Mehrheit der Blick-Leserinnen und -Leser fühlt sich regelrecht veräppelt. Einige Leser, wie etwa Beat Schmid, stellen in ihrem Kommentar explizit die Politik an den Pranger: «Die Idee ist einfach nur absurd. Irgendwie unverständlich, was sich gewisse Politiker und Politikerinnen auf die Fahne schreiben. Diese Forderung ist unglaubwürdig und disqualifiziert National- und Ständeräte restlos.»
Ähnlich argumentiert auch Roland Gasche: «Einmal mehr fällt der Politik, egal welcher Couleur, nichts anderes ein als Symptome zu bekämpfen und falsche Anreize zu setzen. Die Ursachen der teuren Krankenkassenprämien werden damit elegant umschifft.»
Wie in anderen Kommentarspalten zu den steigenden Krankenkassenprämien und den damit verbundenen Finanzierungsproblemen zeigt sich auch hier derselbe Aufschrei. Auch die Lösungsansätze aus der Community sind dieselben. Viele fordern eine grundlegende Reform: Die einen schlagen eine Einheitskasse vor, andere eine einkommensabhängige Prämie. Wieder andere denken noch weiter und verbinden ihre Forderungen mit einem Umdenken bei Steuern und Staatsausgaben im In- und Ausland.