Debatte um Leerkündigungen
«Mieter haben keine Garantie auf Lebenszeit!»

Tränen bei den Mietern, Streit in der Leserschaft: Die Leerkündigung in Niederweningen ZH sorgt nicht nur vor Ort für einen Schock und viel Protest, sondern entfacht auch online eine hitzige Debatte.
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Ihre Häuser sollen abgerissen werden, die Bewohner wollen sich wehren: Spontan versammeln sich fünf Mietparteien und berichten Blick über ihre Zukunftsängste.
Foto: Facebook

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 58 Mietparteien in Niederweningen ZH müssen bis September 2027 ausziehen
  • Abriss für 94 Neubauwohnungen geplant, Mieter fühlen sich überrumpelt
  • Protest geformt, betroffen sind 58 Haushalte, darunter viele langjährige Bewohner
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

In einer Siedlung in Niederweningen ZH herrscht der Ausnahmezustand. Vergangenen Freitag erfuhren die 58 Mietparteien, dass ihre Wohnungen einem Neubau weichen sollen. Bis September 2027 müssen alle ausziehen. Viele Bewohner fühlen sich von der Nachricht völlig überrumpelt. «Wir haben das ganze Wochenende lang geweint», sagen mehrere Mieter gegenüber Blick.

Besonders langjährige Bewohner trifft die Leerkündigung hart. Zwar begründet die Eigentümerin den Abriss damit, dass statt 58 künftig 94 Wohnungen entstehen und so zusätzlicher Wohnraum geschaffen werde. Doch viele Betroffene blicken mit Sorge in die Zukunft und wissen nicht, wie sie auf dem angespannten Wohnungsmarkt eine bezahlbare Wohnung finden sollen. Nun formiert sich Widerstand: Die Bewohner wollen gegen die Leerkündigungen protestieren.

Debatte erhitzt die Gemüter

Auch in unserer Leserschaft sorgen Leerkündigungen regelmässig für hitzige Diskussionen. Während viele mit den Betroffenen mitfühlen und scharfe Kritik an Eigentümern und Behörden üben, verteidigen andere den geplanten Neubau und verweisen auf die Eigentumsrechte der Vermieter.

Leser Ferdinand Blumentritt übt deutliche Kritik an der Begründung der Eigentümerschaft. «Sie erklärt den Mietern, eine Sanierung lohne sich nicht. Das klingt nüchtern, doch die Botschaft dahinter ist brutal: Jede Investition, die nicht sofort die Rendite maximiert, wird gestrichen. Wohnraum wird zur reinen Geldmaschine, Menschen zu Kostenfaktoren!»

In eine ähnliche Richtung argumentiert Leser Klaus Domtrade: «58 Haushalte raus, 94 neue Wohnungen rein – und am Ende heisst es dann feierlich: Wir schaffen mehr Wohnraum. Ja, nur nicht mehr für jene, die dort bisher gewohnt haben.» Für den Vermieter sei dies grossartig: «Alte, günstige Mieten weg, Neubau, neue Rendite, neue Zielgruppe. Für den Mittelstand? Pech gehabt – bitte etwas flexibler sein, emotional, finanziell und geografisch. Und wenn dann besserverdienende Zuzüger, Expats oder Doppelverdiener die neuen Mieten locker zahlen, nennt man das eben Markt.»

Anna-Maria Locher zeigt sich ebenfalls empört. «Unfassbar», schreibt sie. Dass die Behörden aus ihrer Sicht nicht eingreifen, könne sie nicht verstehen. «Die Immobilienhaie dürfen ihr Spielchen in Ruhe weitertreiben und tagtäglich Menschen aus noch bezahlbaren Wohnungen auf die Strasse stellen!», schreibt sie. Besonders stört sie, dass trotz geplanter Abrissarbeiten noch neue Mieter aufgenommen worden seien. «Wo führt das Ganze noch hin?», fragt sie.

Verständnis für Vermieter

Auf der anderen Seite stellen sich zahlreiche Leser hinter die Eigentümerschaft. Leandra Gasser findet die Empörung vieler Mieter unverständlich. «Das gab es schon immer, sonst hätten wir nur noch alte, verlotterte Häuser.» Für sie ist «in keinster Weise nachvollziehbar», weshalb sich Mieter gegen den Entscheid des Eigentümers wehren. «Mieter haben keine Garantie, auf Lebenszeit in der Wohnung verbleiben zu können. Sie haben das Objekt nur gemietet und nicht gekauft», argumentiert sie.

Ähnlich sieht es Urs Rolli. «Es ist leider so, dass man als Mieter immer damit rechnen muss, dass so etwas passiert – auch nach 40 Jahren», schreibt er. Einen Vermieter deshalb pauschal zu verurteilen, sei nicht richtig. Er findet: «Wenn dieser dem Mieter genug Zeit gibt, um auszuziehen und eventuell auch noch bei der Suche nach einer neuen Bleibe hilft, ist dies korrekt.»

Etwas differenzierter äussert sich Jana Keller. Sie zeigt Verständnis für beide Seiten. Einerseits würden ältere Häuser «zur Kostenfalle für den Vermieter», andererseits sei es «ein Frust und ein Verlust», das langjährige Zuhause verlassen zu müssen. Gerade für ältere Menschen sei das besonders schwer. «Und trotzdem: Wenn man in einer Liegenschaft über 40 Jahre wohnt, muss leider jederzeit damit gerechnet werden.» Sie hoffe, «dass alle Beteiligten eine gute Anschlusslösung finden, wo sie sich wieder zu Hause fühlen können».

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