Darum gehts
- Nordkorea hat Verfassung am 22. März in Pjöngjang geändert
- Militär muss nuklear reagieren, falls Kim Jong Un getötet wird
- Den Diktator zu töten, ist gar nicht so leicht
Nordkorea hat laut einem Bericht des «Daily Telegraph» seine Verfassung auf brisante Art und Weise geändert. Ab sofort ist das Militär demnach verpflichtet, einen atomaren Vergeltungsschlag auszuführen, falls Machthaber Kim Jong Un (42) von einem ausländischen Feind ermordet werden sollte.
Die Verfassungsänderung erfolgte, nachdem die USA und Israel im Iran den Obersten Führer Ali Chamenei und viele seiner engsten Berater bei Angriffen Ende Februar getötet hatten. Die Revision wurde in der ersten Sitzung der 15. Obersten Volksversammlung verabschiedet, die am 22. März in Pjöngjang eröffnet wurde. Sie wurde am Donnerstag in einer Unterrichtung hochrangiger Mitglieder der südkoreanischen Regierung durch den Nationalen Geheimdienst (NIS) öffentlich bekannt gegeben.
Kim Jong Un zu töten, ist enorm schwer
Professor Andrei Lankov, ein in Russland geborener Professor für Geschichte und Internationale Beziehungen an der Kookmin-Universität in Seoul, ordnet gegenüber dem «Telegraph» ein: Ein möglicher atomater Vergeltungsschlag sei schon vorher gängige Praxis gewesen sein, «aber es hat jetzt, da es in der Verfassung verankert ist, an Bedeutung gewonnen».
Die Angriffe im Iran seien für den nordkoreanischen Diktator ein Weckruf gewesen. Lankov mutmasst, dass die «bemerkenswerte Effizienz der US-israelischen Enthauptungsangriffe» in Pjöngjang Entsetzen hervorgerufen haben muss.
Ein Angriff, der darauf abzielt, Kim Jong Un und seinen engsten Kreis zu eliminieren, wäre weitaus schwieriger durchzuführen als die Angriffe im Iran. Nordkoreas Grenzen sind praktisch abgeriegelt, und die wenigen ausländischen Diplomaten, Helfer und Geschäftsleute aus «befreundeten» Nationen, die ins Land einreisen, werden streng überwacht. Lankov glaubt, dass sich ein Vergeltungsschlag eher gegen die USA als gegen Südkorea richten würde.