Darum gehts
- Nordkorea ändert Verfassung, stärkt Kim Jong Uns Macht deutlich, berichtet Yonhap
- Kim erhält Kontrolle über Nuklearstreitkräfte und entfernt Wiedervereinigungsziel
- Sozialrechte gestrichen, neue Klausel für «Märtyrer von Auslandseinsätzen» eingeführt
Nordkorea baut seinen Staat um – und stärkt dabei die Macht von Kim Jong Un (42) deutlich. Wie aus Daten des südkoreanischen Verteidigungsministeriums hervorgeht, hat das isolierte Land seine Verfassung geändert.
Eine der zentralen Änderungen ist, dass Kim Jong Uns Befugnis über die Nuklearstreitkräfte ausdrücklich festgeschrieben wird – einschliesslich des Rechts, deren Einsatz an andere Stellen zu delegieren.
Parallel dazu wurde das bisherige Ziel der nationalen Wiedervereinigung aus der Verfassung gestrichen, schreibt das Nachrichtenportal Yonhap. Begriffe wie «nördliche Hälfte» oder «grosse nationale Einheit» wurden entfernt. Stattdessen definiert eine neue Territorialklausel Nordkorea ausschliesslich als eigenständigen Staat mit klar abgegrenztem Gebiet. Diese Änderung folgt auf Kims Erklärung von Ende 2023, wonach die Beziehungen zu Südkorea als Verhältnis zwischen «zwei feindlichen Staaten» zu betrachten seien.
Diese Begriffe wurden gestrichen
Auffällig ist jedoch, dass in der neuen Verfassung auf besonders aggressive Formulierungen verzichtet wurde. Begriffe wie «Hauptfeind» oder «imperialistische Aggressoren», die in früheren Versionen enthalten waren, fehlen nun.
Derweil erhält Kim umfassendere Kompetenzen zur Ernennung und Entlassung hochrangiger Funktionäre, schreibt Yonhap. Mehrere sozialpolitische Versprechen wurden aus der Verfassung gestrichen – darunter kostenlose medizinische Versorgung und das Recht auf Arbeit. Neu eingeführt wurde hingegen eine Kategorie für «Märtyrer von Auslandseinsätzen», was als Hinweis auf nordkoreanische Verluste im Ukraine-Krieg interpretiert wird.
Die Angaben lassen sich unabhängig kaum überprüfen und beruhen auf Einschätzungen südkoreanischer Behörden und Medien.