Darum gehts
- Putins Zustimmung in Russland sinkt laut Umfrage auf 65,6 Prozent, tiefster Stand seit Ukraine-Kriegsbeginn
- Russische Influencer kritisieren Inflation und sowjetähnliche Zustände in viralen Videos
- Zentralbank warnt vor Inflation: Lebensmittelpreise und Entlassungen steigen
In Russland bröckelt das Bild des starken Mannes im Kreml. Laut der staatlichen Umfragebehörde WZIOM ist die Zustimmung für Präsident Wladimir Putin (73) die siebte Woche in Folge gefallen – auf 65,6 Prozent, den tiefsten Stand seit Beginn des Ukraine-Kriegs. Das WZIOM ist Russlands grösstes und ältestes staatliches Meinungsforschungsinstitut.
Zum Vergleich: Putin gewinnt seine Wahlen laut der russischen Wahlkommission meist mit Rekordergebnissen – zuletzt, 2024, sogar mit gut 87 Prozent. Jetzt dieser Taucher: Laut WZIOM misstrauen 24,1 Prozent dem Präsidenten und 23,3 Prozent sind mit seiner Amtsführung unzufrieden.
Zuletzt gab es selbst in sozialen Medien Kritik an Putin: Russische Influencer attackierten den Kriegspräsidenten in mehreren viralen Videos. Angeprangert werden Inflation, ein Klima der Angst und Zustände wie in der alten Sowjetunion.
Kreml warnt
Einem Bericht zufolge soll die russische Präsidialverwaltung staatlichen Medien angewiesen jetzt haben, lieber auf freundlichere Umfragewerte des kremlnahen Instituts Fom zu verweisen – oder Umfragen ganz wegzulassen.
Fom meldet zwar bessere Werte, doch selbst dort ist ein Abwärtstrend zu erkennen, wie die Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) im jüngsten Russland-Bulletin meldet.
Wirtschaft frisst Zustimmung
Der Krieg setzt die russische Wirtschaft massiv unter Druck. Lebensmittelpreise und die Zahl von Entlassungen steigen. Die Zentralbank senkte zwar eben den Leitzins auf 14,5 Prozent, warnte aber vor erhöhten Inflationsrisiken.
Auch die Staatsfinanzen geraten aus dem Ruder. Der Kreml finanziert den Krieg gegen die Ukraine weiter mit hohen Ausgaben, Steuererhöhungen und schrumpfenden Reserven. Kurzfristig stützt das die Kriegskasse, langfristig untergräbt es die Wirtschaft.
Wachsende Netz-Zensur
Zugleich wächst Unmut über zunehmende Internetsperren spürbar – so stark, dass sich Putin erstmals öffentlich dazu äussern musste. Die immer stärkere Kontrolle des Internets durch den Staat verstärkt bei vielen Russen Frustration und Misstrauen gegenüber der Führung.
Putin rechtfertigte die wiederholten Abschaltungen des mobilen Internets mit Sicherheitsgründen, etwa zur Abwehr von Angriffen. Zugleich räumte er ein, dass die Massnahmen den Alltag vieler Menschen erheblich stören. Er forderte Behörden auf, die Auswirkungen besser zu managen und die Versorgung wichtiger Dienste – etwa des Zahlungswesens – trotz Einschränkungen sicherzustellen.
Die Einschränkungen sorgen zunehmend nicht nur in der Bevölkerung für Kritik, sondern auch in Wirtschaft und Politik. Unternehmen klagen über massive Störungen. Selbst innerhalb des Systems wächst der Druck, die Massnahmen zu lockern.