Orban out, Oligarchen hässig, Leichenhallen voll
Putin erlebt seinen Horror-Frühling

Fünf massive Probleme stehen dem Kreml-Chef ins Haus: Keines davon lässt sich mit den üblichen Tricks des russischen Systems lösen.
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Noch trägt Russlands Bevölkerung das Vorgehen des Kremls zum grossen Teil mit – doch die Geduld wird nun auf die Probe gestellt.
Foto: Getty Images

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Samuel SchumacherAusland-Reporter

Böses Frühlingserwachen für Wladimir Putin (73): Während in Moskau der Frühling spriesst, schiessen dem Kreml die neuen Probleme wie Pilze aus dem Boden. Präsident Putin weiss offenkundig bald nicht mehr, wie er dem Unkraut noch Herr werden soll.

Dass mit Viktor Orban (60) einer seiner letzten EU-Kumpanen abtreten muss, ist dabei nur eine der fünf Sorgen, die dem russischen Präsidenten nachts den (laut eigenen Angaben eh schon kurzen) Schlaf rauben dürften. Dieser Frühling könnte für Putin zum Horror werden.

1

Die Orban-Ohrfeige

Dass Orban am Sonntag nach 16 Jahren im Amt seinen Hut nehmen musste, kam wenig überraschend. Dass sein Russland-kritischer Nachfolger Peter Magyar (45) aber gleich eine Zweidrittelmehrheit im Parlament holt und schon bei seiner ersten Pressekonferenz Moskau eine klare Ansage machte («Wir werden niemals Freunde werden»): für Putin ein richtig herber Dämpfer.

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Wladimir Putin steht vor einem schwierigen Frühling.
Foto: Getty Images

Mit Orbans Abwahl verliert er nicht nur seinen «Mann in Europa», der von Ukraine-Unterstützungsgeldern bis zu neuen Russland-Sanktionen alles blockierte, was man im auf Einstimmigkeit getrimmten EU-System so blockieren kann. Die Orban-Klatsche zeigte der Welt vor allem auf, wie impotent russische Wahlbeeinflussungsversuche geworden sind. Trotz eines Sonderteams in Budapest und Verleumdungstaktiken auf allen Ebenen ist es Moskau nicht gelungen, Magyars Sieg zu verhindern.

2

Der paralysierte Partner

Ob bei Nicolás Maduros (63) Sturz in Venezuela Anfang Jahr, im US-israelischen Krieg gegen die iranischen Mullahs oder auch schon bei Bashar al-Assads (60) Sturz Ende 2024: Russland und seine vermeintlich globale militärische Durchschlagskraft haben keinen der drei engen Verbündeten entscheidend unterstützen können. Maduro sitzt in New York in Untersuchungshaft, Assad vergrault im Moskauer Exil, und die Mullahs müssen jederzeit mit einem neuen Bombenregen rechnen.

Die russischen Informationen über US-Stellungen im Nahen Osten nützten den Mullahs genauso wenig, wie Moskaus Waffenlieferungen zuvor Maduro oder Assad genützt hatten. Angesichts der amerikanischen Dominanz hat die vermeintlich zweitstärkste Armee der Welt ihren Ruf als Helfer in der Not komplett verspielt.

3

Front-Fallen und volle Leichenhallen

Die Ukrainer geben den Russen in diesem Frühjahr richtig aufs Dach: Im März fielen an der Ukraine-Front erstmals mehr russische Soldaten, als Putin im gleichen Monat rekrutieren konnte. Würde er nicht seine Armee-Reserven anzapfen, würde die russische Armee also tatsächlich schrumpfen. Seit Kriegsbeginn hat die Ukraine laut eigener Zählweise bereits mehr als 1,3 Millionen russische Kämpfer verwundet oder getötet.

Der Kreml muss beunruhigt sein. Vor allem, weil die Ukraine dank militärtechnischer Innovationen bald noch besser dastehen dürfte: Vergangene Woche gelang der Armee erstmals die komplette Einnahme einer russischen Stellung nur mit Robotern und Drohnen – inklusive der Gefangennahme mehrerer Russen, die sich den Maschinen ergaben. Das schont Soldatenleben und sorgt bei den Feinden für Angst und Schrecken.

4

Oligarchen müssen blechen

Diese Zahl kann nicht mal Moskau schönreden: In den ersten drei Monaten des Jahres ist der russische Haushalt um umgerechnet 47 Milliarden Franken ins Minus gerutscht. Bittere Sparmassnahmen werden nötig. Auch, weil die Ölverkäufe sich trotz hoher Preise und der temporär gelockerten US-Sanktionen gegen Moskau nicht so entwickeln wie gewünscht. Die Ukraine hat über die vergangenen Wochen immer wieder erfolgreich Russlands Ölinfrastruktur und seine Häfen angegriffen und die russischen Ölexportkapazitäten damit um rund 40 Prozent verringert.

Jetzt müssen Russlands Reichste ran: An einem Kongress des Russischen Verbandes der Industriellen und Unternehmer versprachen kürzlich mehrere schwerreiche Patrons, «freiwillige Zuschüsse» in die Staatskasse zu entrichten. Oligarch Suleiman Kerimow (60) etwa soll umgerechnet rund eine Milliarde Franken in die maroden Kassen geschaufelt haben. Wer Russland kennt, kann sich vorstellen, wie freiwillig diese Zuschüsse tatsächlich waren. Wie lange die Oligarchen das mitspielen, bleibt abzuwarten.

5

Telegram-Aus: Was plant Putin da?

Seit dem 1. April ist der in Russland überaus beliebte Messenger Telegram nicht mehr erreichbar (beziehungsweise nur noch mühsam über VPN-Zugänge). Das verärgert nicht nur die Einheiten an der Front, die Telegram teils für ihre Schlachtfeld-Koordination brauchen. Es stört vor allem auch die breiten Massen in Russland, die vom Regime eines ihrer liebsten Onlinetools beraubt worden sind.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (48) äusserte sich kürzlich zu den vermeintlichen Gründen, weshalb Moskau zu diesem drastischen Schritt greift. Der Kreml stehe vor einem gewichtigen, unbeliebten Entscheid, mutmasst Selenski: «Entweder wollen sie den Krieg beenden – oder ihn eskalieren, indem sie eine Massenmobilisierung ausrufen.» In beiden Fällen kommt es Putin sicher recht, wenn das 144-Millionen-Volk sich nicht allzu laut und gut organisiert einmischen kann.

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