Darum gehts
- Jens Spahn (46) wegen Sardinien-Reise und Fernbleiben von Sitzung kritisiert
- CDU-Politiker rechtfertigte Abwesenheit mit Erkrankung seines Kindes, Fotos sorgen dennoch für Kritik
- Unionsmehrheit fordert Ausschluss aus Haushaltsausschuss, Bewährungsfrist bis Dezember gewährt
Jens Spahn (46), der ehemalige Fraktionschef der CDU/CSU, steht erneut im Kreuzfeuer der Kritik. Nachdem er im Juli von seiner Position als Fraktionschef zurückgetreten war, sitzt er nun im Haushaltsausschuss des Bundestages. Doch nun könnte selbst dieser Posten wackeln.
Wie die «Tagesschau» berichtet, sorgt ein privater Ferientrip Spahns auf Sardinien für erneuten Unmut in den Reihen der Union. Denn während sich seine Kollegen am Mittwoch in Berlin zu einer Sitzung des Haushaltsausschusses trafen, tauchten Bilder von Spahn auf, die ihn mit seinem Baby am Flughafen auf Sardinien zeigten. Offiziell hatte der CDU-Politiker seine Abwesenheit mit einer Erkrankung seines Kindes begründet.
«Bild» löschte Ferienfotos sofort nach Veröffentlichung
Brisant: Die Ferienfotos tauchten in der Berichterstattung bei «Bild» auf. Kurz nach Veröffentlichung wurde der Artikel jedoch wieder entfernt, mit der Begründung, es handle sich um private Aufnahmen. Eine ungewöhnliche Massnahme der deutschen Zeitung. Erst kürzlich hatte «Bild» während des Wahlkampfes in Sachsen-Anhalt noch ein Foto der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (72) bei einem Restaurantbesuch veröffentlicht und titelte: «Mitten im Wahlkrimi! Merkel speist beim Chinesen».
Doch trotz rascher Löschung der Aufnahmen haben die Ferienfotos für Jens Spahn nun ein Nachspiel. Wie die «Tagesschau» berichtet, wurde am Freitag in einer Sondersitzung der Arbeitsgruppe Haushalt über Spahns Zukunft im Ausschuss debattiert. Eine Mehrheit der Unionsabgeordneten sprach sich dafür aus, ihn aus dem einflussreichen Gremium zu entfernen. «Karrieristen» wie Spahn seien schädlich für das Ansehen der Partei, hiess es aus Kreisen der CDU.
Spahns Posten auf Bewährung ausgesetzt
Trotz des Drucks darf Spahn jedoch vorerst im Haushaltsausschuss verbleiben. Dies sei dem jetzigen Fraktionschef Thorsten Frei zu verdanken, der ihm eine Bewährungsfrist bis Dezember eingeräumt habe. «Spahn darf sich keinen weiteren Ausrutscher mehr leisten», so Frei. Doch das Vorgehen sorgt intern für Kritik. Einige Abgeordnete empfinden die Entscheidung als Sonderbehandlung und werfen Spahn vor, er nehme seine Aufgaben nicht ernst genug.
Im Juli war Spahn bereits wegen seiner Inanspruchnahme einer Leihmutterschaft in den USA in die Kritik geraten. Doppelmoral und Glaubwürdigkeitsprobleme wurden ihm vorgeworfen. Denn der ehemalige Fraktionschef der CDU/CSU hatte sich jahrelang vehement gegen die Legalisierung von Leihmutterschaften ausgesprochen und das bestehende Verbot in Deutschland verteidigt.