Darum gehts
- Heliskiing: Beliebter Wintersport trotz grosser Risiken wie Lawinen und Unfälle
- Hälfte der Schweizer Landeplätze für Heli-Skiing im Wallis, Theodulgletscher top
- 85 Prozent tödliche Schneesportunfälle laut BFU-Statistik im freien Gelände
Unberührter Pulverschnee, unendliche Freiheit und ein unvergessliches Abenteuer. Das erhoffen sich viele Skifahrerinnen und Skifahrer von einem Heliskiing-Trip. Beim spektakulären Wintersport werden Berggipfel per Helikopter angeflogen, um dann abseits präparierter Pisten durch Tiefschnee den Hang herunterzufahren.
Der Sport steht aber auch immer wieder in der Kritik. Einerseits prangern Umweltschützer die Auswirkungen der Helikopterflüge auf die Flora und Fauna in den Bergen an. Andererseits passieren bei solchen Heliskiing-Trips regelmässig gravierende Unfälle.
Viele Unfälle in Kanada
Erst am Dienstag sorgte ein tragisches Unglück in Kanada für Schlagzeilen. Der Schweizer Unternehmer Peter W.* starb zusammen mit seinen zwei Söhnen bei einem Lawinenunfall in der Provinz British Columbia. Die drei waren auf einem Heliskiing-Trip.
Solche Unfälle sind in der Region keine Seltenheit. British Columbia gilt weltweit als Heliskiing-Hotspot. Bereits Ende Februar wurde ein Skifahrer in der Nähe der Stadt Revelstoke Opfer eines Lawinenunfalls, wie der kanadische Fernsehsender CBC berichtete. Mitte März verstarb ein Snowboardfahrer in der Region, weil er in eine Baumgrube fiel und erstickte, schrieb die Nachrichtenagentur Canadian Press. Beide Todesopfer waren Teil eines Heliskiing-Trips.
Lawinen sind die grösste Gefahr
Zu den grössten Risiken beim Heliskiing gehört das Fahren abseits präparierter Pisten. Laut der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) passieren 85 Prozent der tödlichen Schneesportunfälle im freien Gelände. Dies betrifft nicht nur das Heliskiing, sondern etwa auch Skitouren, die zu Fuss unterwegs sind.
Die grösste Gefahr sind dabei Lawinen. Die Hälfte aller tödlichen Schneesportunfälle ist auf sie zurückzuführen. Die aktuelle Lawinengefahr jeweils richtig einzuschätzen, ist laut der BFU äusserst schwierig, da das Risiko im freien Gelände von Hang zu Hang sehr unterschiedlich sein kann.
Firmen, die Heliskiing-Trips anbieten, scheinen sich der Lawinengefahr ihres Angebotes durchaus bewusst zu sein. Auf den Webseiten von Anbietern wird auf die Gefahren der Touren aufmerksam gemacht. Heliski-Fahrern wird dabei empfohlen, sich an die Anweisungen ihres Tourguides zu halten und immer aufmerksam zu fahren.
Helikopter löste Lawine aus
Ein weiteres grosses Risiko birgt allerdings das Transportmittel eines Heliskiing-Trips. Ein Helikopterflug in den Bergen kann sehr schnell äusserst gefährlich werden. Starke Auf- und Abwinde im Gelände können zu einem plötzlichen Höhenverlust führen. Auf der vom Wind geschützten Seite eines Berges kann es ausserdem zu starken Turbulenzen kommen. Das schreibt die Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union in einem Bericht.
Auch das Gelände in den Bergen birgt Risiken für Helikopterpiloten. Enge Täler erschweren etwa das Navigieren. Weiter können offen herumhängende Kabel und Stromleitungen zu beinahe unsichtbaren Todesfallen werden.
Im schlimmsten Fall kann aber auch der Helikopter selbst zum Auslöser einer Lawine werden. So passiert im Kanton Wallis im April 2024. Bei der Landung am dortigen Gebirgslandeplatz stürzte ein Helikopter der Air-Glaciers ab. Beim Aufschlag auf dem Landeplatz löste die Maschine die Lawine aus. Bei dem Unglück starben drei Personen.
Heliskiing vor allem im Wallis beliebt
Trotz der vielen Risiken bleibt Heliskiing auch in der Schweiz beliebt. Hierzulande gibt es 40 Gebirgslandeplätze, die im touristischen Rahmen angesteuert werden dürfen. Die Hälfte davon befindet sich im Kanton Wallis.
Spitzenreiter unter den Gebirgslandeplätzen ist der Theodulgletscher, besser bekannt als Testa Grigia. Hier werden pro Jahr durchschnittlich über 500 Landungen für das Heliskiing verzeichnet. Das Unternehmen Air Zermatt bietet einen Flug ab 140 Franken pro Person an. Der Landeplatz liegt mitten im Skigebiet Zermatt und wäre auch per Seilbahn erreichbar.
Andere Gebirgslandeplätze stehen nicht in einem Skigebiet, sondern mitten in den Alpen. Zwischen 2010 und 2022 haben beispielsweise gut 1000 Personen pro Jahr den Petersgrat auf der Kantonsgrenze zwischen Bern und Wallis angeflogen. Dieser war damit in diesem Zeitraum der zweitbeliebteste Gebirgslandeplatz in der Schweiz.