Darum gehts
- USA bombardieren 80 Ziele im Iran nach Angriffen auf Handelsschiffe
- Angriffe während Trauerzeit für Obersten Führer Ali Chamenei heizen Spannungen weiter an
- Über 60 iranische Boote zerstört, Nato nennt US-Reaktion «notwendig»
Der Krieg im Nahen Osten flammt wieder auf. Und wie! In der Nacht auf Mittwoch haben die USA «massive Angriffe» auf den Iran ausgeführt und 80 Ziele bombardiert, während US-Präsident Donald Trump (80) in Ankara am Nato-Gipfel teilnahm. Die US-Bomben waren die Quittung für Attacken auf Handelsschiffe.
Der Zeitpunkt ist brisant: Die neuen Angriffe fallen mitten in die Trauerfeierlichkeiten für den getöteten Obersten Führer Ayatollah Ali Chamenei (†86). Sicher ist: Die Mullahs werden das nicht auf sich sitzen lassen. Was passiert jetzt? Wir beantworten die drängendsten Fragen.
Warum geht der Krieg wieder los?
Die US-Bombardements waren eine Reaktion auf Angriffe auf drei Handelsschiffe in der Strasse von Hormus. Zuletzt war ein Schiff von einem «unbekannten Geschoss» getroffen worden, worauf Feuer ausbrach. Verletzt wurde niemand. Laut dem Portal Axios waren es iranische Revolutionswächter, die mindestens zwei Raketen auf Frachter abgefeuert hatten.
Als Reaktion haben die Amerikaner in der Nacht auf Mittwoch 80 Ziele im Iran angegriffen. So sind laut dem US-Regionalkommando Centcom Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen und über 60 Boote der Revolutionsgarden getroffen worden. Gleichzeitig haben die USA ihre Sanktionen wieder in Kraft gesetzt und dem Iran die Lizenz zum Verkauf von Öl widerrufen.
Als Vergeltung für diese US-Bombardements hat der Iran wiederum mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain reagiert.
Warum ist jetzt das Risiko einer Eskalation so hoch wie nie?
Der Zeitpunkt der Angriffe ist heikel: Morgen wird in Maschhad der am 28. Februar getötete Oberste Führer Ali Chamenei (†86) beigesetzt. Seit dem Wochenende finden im ganzen Iran sowie im benachbarten Irak Trauerfeierlichkeiten statt, bei denen Chameneis Sarg durchs Land gefahren wird.
Die Angriffe mitten in der Trauerzeit treffen die konservativen Iraner in ihrer Würde, was den Druck auf die Mullahs auf eine Reaktion erhöht. Die grosse Frage ist, wozu die dezimierten Streitkräfte noch fähig sind. Noch scheinen sie allerdings über ein grosses Raketen- und Drohnenarsenal zu verfügen. Doch bleibt ihnen auch die asymmetrische Kriegsführung: weltweite Terroranschläge oder die totale Schliessung der Strasse von Hormus, was die Welt in eine Krise stürzen würde.
War die Bürgenstock-Konferenz für die Katz?
Auch ohne die neueste Eskalation hatte das auf dem Bürgenstock NW aufgegleiste Memorandum of Understanding keine grossen Erfolgsaussichten. Das Papier war sehr offen formuliert. Verhandlungen wären spätestens bei der Detailbesprechung von Irans Atomprogramm oder dem Libanon in eine Sackgasse geraten.
Mit den jüngsten Aggressionen dürfte der diplomatische Effort in der Innerschweiz schon frühzeitig zur Makulatur werden. Das iranische Aussenministerium bezichtigt die USA des «Vertragsbruchs». Die US-Angriffe hätten «wichtige und grundlegende Teile des Abkommens zur Beendigung des Krieges wirkungslos gemacht».
Trump äusserte sich am Mittwochmorgen. «Die sind krank. Mit denen stimmt was nicht», schimpfte er. Statt sich um die Beerdigung zu kümmern, hätten sie Raketen abgefeuert. Trump: «Ich glaube, die Waffenruhe ist vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben.»
Zieht Trump jetzt die Nato in den Krieg hinein?
Die aktive Beteiligung der Nato am Nahostkrieg ist Trumps Wunschdenken. Bisher haben alle angefragten Nato-Staaten abgelehnt, was Trump verärgert hat. So hat er am Mittwochmorgen einen vollständigen Handelsstopp mit Spanien angeordnet. Spanien hatte sich geweigert, den USA ihre Militärbasen für den Nahostkrieg zur Verfügung zu stellen.
Auch weiterhin dürften sich die Nato oder einzelne ihrer Mitglieder vom Krieg fernhalten. Zum Bündnisfall käme es höchstens, wenn der Iran einen Nato-Staat angreifen würde. Die Mullahs aber wissen: Das wäre für sie verheerend.
Auch wenn die Nato nicht in den Krieg eingreift, überrascht die Deutlichkeit der Reaktion von Nato-Generalsekretär Mark Rutte (59). Er bezeichnete die jüngsten US-Angriffe auf den Iran als «absolut notwendig». Weil der Iran die bestehende Waffenruhe «im Grunde genommen verletzt» habe, sei es «absolut entscheidend, dass die USA entschlossen reagieren». Rutte leitet am Dienstag und Mittwoch den Nato-Gipfel in Ankara. Mit der klaren Aussage dürfte er versuchen, Trump bei Laune zu halten.