Darum gehts
- Im Iran begann am Samstag die Trauerfeier für Ayatollah Ali Chamenei
- Chameneis Beisetzung fällt symbolisch auf den US-Unabhängigkeitstag am 4. Juli
- Millionen Trauernde und Vertreter aus 90 Staaten erwartet, keine westlichen Gäste
Am Samstag hat im Iran die mehrtägige Trauerfeier für Ayatollah Ali Chamenei (†86) begonnen. Millionen von Iranern nehmen vom Obersten Führer Abschied, der schon am ersten Tag des von Donald Trump (80) initiierten Krieges getötet worden war.
Dass dieser gigantische Abschied auf den Tag genau mit dem 250. Geburtstag der USA zusammenfällt, ist kein Zufall. Vielmehr ist es ein hochgradig symbolischer und psychologischer Schachzug der Mullahs. Denn mit diesem perfekt geplanten Requiem stiehlt Teheran Washington nicht nur die Show, es sendet der Welt – und vor allem Donald Trump – auch drei unmissverständliche Signale.
Die Trauerfeierlichkeiten haben in Teheran mit einer öffentlichen Aufbahrung begonnen. Damit möglichst viele Iraner Abschied nehmen können, geht der Leichnam am Montag auf Tournee, die über Qom und die schiitischen Pilgerstätten Karbala und Nadschaf im Irak führt. Die Beisetzung erfolgt am Donnerstag beim Imam-Reza-Schrein in Maschhad, einem der wichtigsten Heiligtümer des schiitischen Islam.
Millionen von Menschen reisen an
Zum gigantischen Abschied werden Millionen von Trauernden erwartet, die mit Gratisbussen herantransportiert werden. Vertreter aus rund 90 Staaten, darunter China, Russland und Indien, sowie Irans Terrorverbündete Hisbollah, Hamas und Huthi nehmen an den Feierlichkeiten teil. Westliche Staaten haben gemäss Meldungen keine Einladung bekommen.
Trotz Krieg hätte es schon mehrmals die Möglichkeit gegeben, den getöteten Obersten Führer zu verabschieden. Doch die Terminierung auf den 4. Juli, an dem Trump zur grossen 250-Jahr-Party der USA einlädt, war gewollt. Chameneis Beerdigung ist nicht nur ein religiöses Ereignis, sondern auch eine politische Machtdemonstration der iranischen Staatsführung in einer Phase des Umbruchs.
Die drei Botschaften der Mullahs sind klar und deutlich.
Wir sind unbeugsam
Während in Washington die Korken knallen und die USA mit patriotischem Prunk ihr 250-jähriges Bestehen feiern, antworten die Mullahs mit einem choreografierten Meer aus schwarzen Flaggen. Die Botschaft an den Westen: Ihr habt zwar unseren Obersten Führer getötet, aber unser religiöses System ist unzerstörbar.
Der Tod hat das System ideologisch sogar neu aufgeladen. Das Regime ist nach den amerikanischen und israelischen Angriffen so stark und geeint wie kaum je zuvor. Trotz des massiven Beschusses sind im Iran immer noch Raketenstellungen intakt. Präsident Massud Peseschkian (71) droht: «Das Begräbnis ist der Beginn eines neuen Kapitels des Widerstands.»
Wir dominieren die Region
Was für eine Symbolik und Provokation: Chameneis Sarg wird nicht nur durch den Iran geführt, sondern auch durch die irakischen Schiiten-Metropolen Nadschaf und Karbala – vorbei an US-Stützpunkten.
Indem Teheran in einem ehemals besetzten Nachbarland Millionen von Menschen für einen toten Führer mobilisiert, führt es der US-Regierung die Grenzen ihrer militärischen Macht vor Augen. Die Mullahs zeigen, dass die schiitische Achse des Widerstands trotz monatelanger, verheerender Bombardements immer noch funktioniert und unter iranischem Einfluss steht.
Wir sind gegen den Westen vereint
Das Begräbnis wird zur diplomatischen Trutzburg. Die Präsenz hochrangiger Delegationen globaler Atommächte macht das religiöse Begräbnis zu einem gut sichtbaren Bündnistreffen einer multipolaren Weltordnung.
Diese strategische Schutzgemeinschaft signalisiert US-Präsident Donald Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu (76) eine rote Linie: Der Versuch, den Iran in die Knie zu zwingen und international zu ächten, hat das Gegenteil bewirkt. Er hat die Achse Teheran–Moskau–Peking zementiert und den Iran tiefer in ein globales Netzwerk eingebettet, das dem Westen geschlossen die Stirn bieten will.
Ein Tag für die Geschichtsbücher
Bleibt die grosse Frage, wie es nach den diametral auseinanderdriftenden Feiern in den USA und im Iran mit den Friedensbemühungen weitergeht. Mit neuen Angriffen ist im Moment nicht zu rechnen, da beide Parteien die vertraglich vereinbarte Verhandlungsfrist von 60 Tagen zum Durchatmen brauchen. Doch es stehen noch viele Knackpunkte an, die zu lösen sind. Wenn der Iran etwa bei seinem Atomprogramm keine Zugeständnisse macht, stehen die Zeichen im Herbst wieder auf Krieg.
So oder so: Die historische Ironie dieses Samstags wird in die Geschichtsbücher eingehen. Trump wollte mit dem Krieg das iranische Regime stürzen und hat ihm stattdessen das perfekte Drehbuch geliefert, um sich ausgerechnet am 250. Geburtstag der USA vor den Augen der Welt neu zu erfinden.