Darum gehts
- Trump will Angriffe auf Iran für fünf Tage pausieren
- Iran bestreitet, dass Dialog mit Trump stattgefunden hat
- Blick erklärt Szenarien, wie Trump den Krieg beenden kann
Was für ein wilder Slalomritt! Am Sonntag noch hatte Donald Trump (79) dem Iran ein 48-Stunden Ultimatum gestellt und damit massive Angriffe auf die iranischen Kraftwerke angekündigt. Am Montag setzte er zur totalen Wende an: Wegen «guter und produktiver Gespräche» mit den Iranern werde er während fünf Tagen alle Angriffe auf die Energieinfrastruktur verschieben. Mehr noch: Die Strasse von Hormus werde schon «sehr bald» wieder offen sein. Allerdings hat laut iranischen Medien ein solcher Austausch gar nicht stattgefunden.
Wie auch immer: Es ist offensichtlich, dass es Trump bei seinem Krieg gegen den Iran nicht mehr wohl ist. Das iranische Regime leistet überraschend zähen Widerstand, verfügt über schlagkräftigere Raketen als erwartet und bringt mit der Blockade der Strasse von Hormus die Weltwirtschaft ins Wanken. Trump braucht einen Fluchtweg aus der Sackgasse, in die er sich selber hineingeritten hat. Dafür gibt es drei mögliche Szenarien.
Szenario: Angriffspause mit Deal
Im Moment zeichnet sich dieses Szenario ab. Trump bietet eine Einstellung der Angriffe an, wenn der Iran seinerseits seine Raketen stoppt und die Strasse von Hormus freigibt. Gleichzeitig lockern die USA die Sanktionen und gestatten es Teheran, Öl zu verkaufen.
Trump kann einen solchen Deal als «gnädige Geste» zur Rettung der Weltwirtschaft verkaufen. Nach seiner Ankündigung am Montagmittag schossen die Aktienwerte sofort mehrere Prozentpunkte nach oben, was auch ihm Millionen in die private Kasse spülen dürfte. Eine Beruhigung der Weltwirtschaft würde den Benzinpreis zum Sinken bringen und seinen Rückhalt für die Zwischenwahlen im November stärken.
Für Marcel Berni, Strategieexperte an der ETH-Militärakademie, ist ein solcher Deal zwar ein plausibles Szenario. Berni sagt aber auch: «Trump hat sich bisher sehr widersprüchlich zum Iran-Krieg geäussert. Auch in diesem Fall kann es sich um einen Bluff handeln.»
Szenario: Letzte Machtdemonstration
Wer weiss, ob sich Trump bei seiner chaotischen Kriegsführung wirklich an die Angriffspause hält? Einen Rückzug aus dem Krieg könnte er auch mit einer massiven, aber letzten Attacke einleiten, um anschliessend seinen «überragenden Sieg» zu verkünden.
Er könnte dann behaupten, die nukleare Bedrohung zerstört und das iranische Atomprogramm um Jahrzehnte zurückgeworfen zu haben. Er könnte sich zudem als den starken Präsidenten feiern lassen. Als einen, der dem iranischen Volk den Weg zu einem Regimesturz geebnet hat – unabhängig davon, ob dieser tatsächlich gelingt.
Szenario:Abschiebung der Verantwortung
Nach «schwerer und tapferer Vorarbeit» zöge sich die US-Armee zurück und überliesse das Schlachtfeld den angrenzenden Golfstaaten und Israel. Trump behauptet, dass er die Region so stark gemacht habe, dass sie sich nun selber verteidigen könne.
Da keiner der Golfstaaten Interesse am Krieg hat, könnten die militärischen Handlungen bald heruntergefahren und Aufräumarbeiten eingeleitet werden. Eine Rolle dürfte auch Europa spielen: Verschiedene Nato-Staaten hatten zwar aktive Hilfe im Iran-Krieg abgelehnt, aber Unterstützung bei der anschliessenden Räumung der Strasse von Hormus versprochen.
Dieses Szenario birgt laut Berni das grösste Reputationsrisiko für die USA. Der Strategieexperte könnte es sich in Ergänzung zum Deal-Szenario vorstellen – also in Ergänzung zu einem Waffenstillstand und der Lockerung der Sanktionen.
Trump stürzt in Umfragen ab
Oft haben Kriege der Amerikaner US-Präsidenten zunächst einen sprunghaften Anstieg ihrer Beliebtheit verschafft. Das ist bei Trumps Iran-Krieg anders. Am Sonntag hat seine Popularität den tiefsten Stand in seiner zweiten Amtszeit erreicht. Im Schnitt aller Umfragen stimmen nur noch 41,6 Prozent der Wähler seiner Amtsführung zu, 56 Prozent sind unzufrieden. Einer der Hauptgründe ist der Benzinpreis, der im Autoland USA innert kurzer Zeit um fast 30 Prozent in die Höhe geschossen ist.
Berni: «Von den drei Kriegsparteien muss eine den ersten Schritt zurückmachen.» Da Israel und der Iran den Konflikt als existenziell ansähen und daher nur wenig Spielraum für Kompromisse hätten, läge es an Trump, die Eskalationsspirale zu durchbrechen.
Dabei muss sich Trump beeilen. Er ist in den USA zwingend auf Sympathiepunkte angewiesen, auch im eigenen Lager. Bis zu den Zwischenwahlen am 3. November ist es nicht mehr weit.