Darum gehts
- Im Iran weiten sich Proteste gegen das islamische Regime seit Dezember 2025 aus
- Auslöser war der massive Wertverlust der Währung Rial im Dezember
- 31 Provinzen betroffen, Hunderte Tote, Internet landesweit abgeschaltet
Der Iran brennt. Im ganzen Land geht die Bevölkerung auf die Strasse, um gegen die Regierung zu protestieren. In gewissen Berichten wird sogar von einer kommenden Revolution gesprochen. Es wäre nicht der erste Regierungsumsturz im Land am Persischen Golf. Die aktuellen Proteste sind das Resultat einer Revolution mit ganz anderen Absichten.
Auslöser für die aktuelle Protestwelle sind ursprünglich wirtschaftliche Gründe. Ende Dezember stürzte die iranische Währung Rial massiv ab, im Vergleich zum US-Dollar sank der Wert um 800 Prozent. Das berichtete die «Frankfurter Allgemeine». Der Währungssturz führte zu Protesten von Händlern im Zentralbasar der Hauptstadt Teheran.
Wegen der stündlich schwindenden Kaufkraft schlossen sich bald viele einfache Bürgerinnen und Bürger den Protesten an. Innerhalb von einer Woche hatten sich die Demonstrationen auf alle 31 Provinzen des Landes ausgebreitet, schrieb unter anderem das «Time»-Magazin. Mit zunehmenden Protesten verlagerte sich der Fokus von wirtschaftlichen Hilfen hin zu Forderungen nach mehr gesellschaftlicher Freiheit und dem Sturz der Islamischen Republik.
Immer wieder Aufstände und Konflikte
Das streng islamische Regime des Irans ist bei der Bevölkerung des Landes schon länger unbeliebt. Die Proteste nach der Präsidentschaftswahl 2009 sowie der Aufstand «Frauen, Leben, Freiheit» von 2022 sind die grössten offenen Proteste gegen die Regierung. Dazwischen gab es zahlreiche kleinere Konflikte, bei denen Iranerinnen und Iraner gegen das Regime auf die Strasse gingen, berichtete die «Washington Post».
Genau wie bei den momentanen Protesten ging das Regime auch in der Vergangenheit hart gegen die Demonstrationen vor. Informationsblockaden, Massenverhaftungen und tödliche Übergriffe standen an der Tagesordnung. Aktuell berichten Menschenrechtsorganisationen von Hunderten Todesopfern bei den Protesten. Auch das Internet wurde von der Regierung in weiten Teilen des Landes abgeschaltet.
Erbe des antiken Perserreiches
Der Ursprung des Konfliktes liegt in der iranischen Revolution aus dem Jahre 1979, bei der das aktuelle erzkonservative Regime an die Macht kam. Vor der Revolution war das Land eine Monarchie, regiert vom Schah. Der Staat gilt als Erbe des antiken Perserreiches. Ruinen aus dieser Zeit, teils über 2500 Jahre alt, prägen noch heute die Landschaft des Irans.
Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mischten sich aber die internationalen Grossmächte, etwa die Vereinigten Staaten oder Grossbritannien, immer häufiger in die Politik des Königreiches ein. Unter anderem, weil der Iran zu den Ländern mit den grössten Erdölvorkommen auf der Welt gehört. Ziel der iranischen Revolution war es laut der Enzyklopädie «Britannica», die Autokratie des Schahs und die westliche Einmischung in die Politik des Landes zu beenden.
Ursprünglich wurde die Revolution von einer breiten Bevölkerungsschicht unterstützt. Nachdem die Monarchie gestürzt worden war, gelang es allerdings den erzkonservativen Islamisten, ihre linken und nationalistischen Verbündeten von allen Machtpositionen auszuschliessen. Im Nachgang wurde die Islamische Republik ausgerufen, die ab dann konservative islamische Werte in der Gesellschaft durchsetzte. So müssen etwa Frauen ab neun Jahren laut einer Reportage des «Spiegels» ihren gesamten Körper bis hin zu den Hand- und Fussgelenken sowie ihre Haare bedecken.