Mullahs haben seine rote Linie überschritten
Wie Trump zum grossen Schlag rüstet

Noch ein Tropfen, und das Fass läuft über: Donald Trump steht offenbar kurz vor einem vernichtenden Schlag gegen das iranische Regime. Wir zeigen die Angriffsstrategie, die im Vordergrund steht, und deren Chancen.
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Mitte Juni 2025 griffen die USA iranische Atomanlagen mit B-2-Stealth-Bombern an. Kommen sie erneut zum Einsatz? (Archivbild)
Foto: USAF

Darum gehts

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Guido FelderAusland-Redaktor

Nach Donald Trumps (79) Versprechen «Hilfe ist unterwegs» herrscht banges Warten: Wann und wie greift der US-Präsident in die Unruhen im Iran ein? In der Nacht hat er wegen bevorstehender Hinrichtungen mit einer «harten Reaktion» gedroht und alle US-Bürger aufgefordert: «Verlassen Sie den Iran jetzt!»

Die iranischen Mullahs schlagen die Warnung in den Wind. Sie haben für Demonstranten schnelle Gerichtsverfahren und Exekutionen angekündigt. Schon am Mittwoch könnten zur Abschreckung die ersten Verurteilten gehängt werden. Damit wäre für Trump definitiv die rote Linie überschritten.

Den Ausschlag zur neuen Eskalationsstufe hat die angekündigte Hinrichtung des Ladenbesitzers Erfan Soltani (26) gegeben. Er war am Freitag festgenommen und ohne Anhörung und Zugang zu einem Anwalt zum Tode verurteilt worden. Seiner Familie wurde mitgeteilt, die Hinrichtung werde heute Mittwoch stattfinden.

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Innert weniger Tage zum Tode verurteilt: der 26-jährige Erfan Soltani.
Foto: Facebook

Auf zum «Todesstoss für den Ayatollah»

Seit Anfang der Demonstrationen, die am 28. Dezember begonnen und bisher – je nach Quelle – schon rund 12’000 Tote gefordert haben, trifft sich Trump mit seinem Stab zu Krisensitzungen. Am Tisch sitzen unter anderem Kriegsminister Pete Hegseth (45), Aussenminister Marco Rubio (54) und Pentagon-General Dan «Razin» Caine (57).

Angestachelt wird Trump auch von Lindsey Graham (70). Der republikanische Senator aus South Carolina fordert von Trump, über den Iran die «Heilige Hölle» losbrechen zu lassen. «Es gibt keine grössere Bedrohung für die Weltordnung als das religiöse Nazi-Regime», schreibt Graham auf X. Für ihn ist klar: Der «Todesstoss für den Ayatollah» muss eine Kombination aus dem Mut der Demonstranten und dem entschlossenen Handeln von Donald Trump sein.

Trumps mögliche Strategie

Wie Trump vorgehen wird, weiss man zum Teil nur andeutungsweise. Es dürfte aber, wie es Graham vorschlägt, eine Kombination von Massnahmen sein.

Wirtschaftlicher Würgegriff

Mit sofortiger Wirkung bestraft Trump alle Länder, die mit dem Iran geschäften, mit einem Strafzoll von 25 Prozent. Zu den wichtigsten Handelspartnern gehören Indien, China, die Emirate und die Türkei. Da die Schweiz mehr Güter in den Iran exportiert als umgekehrt und im Konflikt als Vermittlerin tätig ist, dürfte sie nicht betroffen sein.

Cyber- und Informationsoffensive

Das iranische Regime hat dem Volk den Internetstecker gezogen. Dagegen hilft nun Elon Musks (54) Satellitensystem Starlink, das in gewissen Teilen des Landes einen Gratiszugang zum Netz bietet.

Gleichzeitig dürften die USA und der Verbündete Israel versuchen, die Überwachung auszuschalten. Sarah Havdala vom Jewish Institute for National Security of America (Jinsa) schreibt auf Fox News: «Man muss die staatlichen Überwachungsnetze angreifen, den Aufbau des Nationalen Informationsnetzwerks stoppen und die Datenbank löschen, in der Daten zur Überwachung von Dissidenten gespeichert sind.»

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Anreize für Überläufer

«Hilfe ist unterwegs», «Protestiert weiter – übernehmt Institutionen»: Mit solchen Parolen muntert Trump die Demonstranten zum Durchhalten auf. Gleichzeitig wird er auch versuchen, das Regime zu spalten, etwa indem er Anreize für Überläufer und Sicherheitsgarantien für Teile des Regimes bietet. Das kann neben Geld auch eine US-Staatsbürgerschaft sein. Autoritäre Systeme fallen selten durch Volksaufstände allein, sondern durch den Bruch der Elite.

Militärischer Präzisionsschlag

Mit dem präzisen Schlag gegen Atomanlagen im Iran im Juni 2025 hat Trump eindrücklich gezeigt, wozu seine Armee auch in anderen Teilen der Welt fähig ist. Auch jetzt stehen gezielte Angriffe auf heikle Einrichtungen wie Militärbasen und Zentralen des religiösen Regimes im Vordergrund. Mit solchen Schlägen kann er die Mullahs von den Demonstrationen ablenken und die militärische Überlegenheit zeigen.

Dumm für Trump ist dabei nur, dass seine Kriegsarmada zurzeit in der Karibik im Einsatz steht. Das Portal «Defence Security Asia» schreibt: «Es sind aktuell keine Flugzeugträger oder Flottenverbände im Nahen Osten stationiert.» Das macht Angriffe auf den Iran schwieriger. Praktisch ausgeschlossen ist eine kräfteraubende Bodenoffensive.

Regime sitzt fest im Sattel

Auch wenn Trump alle seine Register zieht, wird der Sturz des iranischen Regimes schwierig sein. Das Problem liegt unter anderem darin, dass die Opposition zersplittert ist und es ihr in erster Linie einfach nur darum geht, dass sich die wirtschaftliche Lage verbessert.

Israelische und arabische Regierungsvertreter sollen die Trump-Administration laut einem Bericht des US-Senders NBC News geraten haben, vorerst von einem Angriff auf den Iran abzusehen. Ihr Argument: noch zuwarten, bis das Regime durch die Demonstrationen weiter geschwächt ist.

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