Darum gehts
Mit den massiven Protesten im Iran und dem brutalen Vorgehen des Mullah-Regimes taucht ein altbekannter Name wieder auf: Reza Pahlavi. Der 65-jährige Sohn des 1979 gestürzten Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi (1919–1980), lebt seit Jahrzehnten in den USA im Exil, von wo er seine Landsleute zum Protest und zum Sturz der islamistischen Regierung antreibt.
Bei den Demonstrationen, die am 28. Dezember 2025 begonnen haben, sind je nach Quelle inzwischen bis zu 12’000 Menschen getötet worden. Schon sollen auch die ersten Todesurteile ohne Anhörung der Angeklagten vollstreckt werden. Immer mehr Iraner rufen nach Reza Pahlavi. Ist ausgerechnet der Sohn des ebenfalls repressiven Schahs der Heilbringer?
Als Reza Pahlavi 1960 geboren wurde, stand Persien still. Endlich hatte der Schah von seiner dritten Frau Farah Diba (87) einen Sohn und somit Thronfolger bekommen. Als der kleine Reza vom Spital nach Hause gebraucht wurde, säumten Menschen kilometerweit die Strassen, um den Kronprinzen zu begrüssen.
In den USA im Exil
Als 17-Jähriger reiste Reza Jr. nach Texas, um sich zum Kampfpiloten ausbilden zu lassen. 1979 folgte die islamische Revolution, die den Schah und seine Frau zur Flucht zwangen. Als der Herrscher 1981 in Ägypten starb, erklärte Sohn Reza seine «Bereitschaft, seine Verantwortung und Verpflichtungen als rechtmässiger König von Iran zu übernehmen». Er ist nie wieder in seine Heimat zurückgekehrt.
Reza Jr. lebt seither in den USA, wo er Politikwissenschaften studierte. Er engagiert sich in der Opposition und hat seine Landsleute zuletzt aufgerufen, die Proteste fortzusetzen und in einen Generalstreik zu treten.
Nach dem Ausbruch der jüngsten Unruhen hat Pahlavi vor allem eine Hoffnung: Donald Trump (79). In einem Interview mit CBS sagte Pahlavi: «Der beste Weg, um sicherzustellen, dass weniger Menschen im Iran getötet werden, ist ein frühzeitiges Eingreifen, damit dieses Regime endlich zusammenbricht und all die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, ein Ende finden.» Am Dienstag versprach Trump, dass Hilfe bereits auf dem Weg sei.
Iraner rufen nach Pahlavi
Dass Pahlavis Rufe bei den Iranern weltweit gehört werden, beweisen die Plakate in den Demonstrationszügen. Überall sind Fotos des verstorbenen Schahs und seines Sohnes zu sehen. Dazu stehen Parolen wie «Demokratie nur mit Pahlavi» und «Lang lebe der König».
Wünschen sich die Iraner tatsächlich einen Pahlavi an die Macht zurück? Die Erinnerungen an den ehemaligen Machthaber sind nämlich nicht nur gut. Zwar brachte er dem Land Wohlstand, regierte aber autoritär und unterdrückte seine Gegner.
Nahost-Experte Reinhard Schulze erklärt: «Reza Pahlavi versammelt vor allem jene, die die Schah-Nostalgie mit einer eher nationalkonservativen Haltung verknüpfen.» Im Iran selber würden Pahlavi-Parolen vor allem provokativ eingesetzt, um die Sicherheitskräfte herauszufordern. «Pahlavi steht im Iran für einen kleineren Teil des Meinungsspektrums», sagt Schulze.
«Natürlich kehre ich zurück»
Wenn Pahlavi von Demokratie spreche, komme das nicht aus einer inneren Überzeugung heraus. Schulze: «Vielmehr scheint der Begriff dazu zu dienen, seinen eigenen Vorstellungen – oder den Erwartungen anderer – die Legitimität von einem neuen Schahtum zu geben.»
Pahlavi hatte in einem Blick-Interview vor eineinhalb Jahren gesagt: «Natürlich werde ich in den Iran zurückkehren. Die Zeit wird kommen.» Doch wohl kaum als neues Staatsoberhaupt. Er verfügt weder über einen Machtapparat noch hat er Erfahrung in der politischen Exekutive. Zudem lastet auf ihm, dass er sich 2023 als Amerikaner bezeichnet hatte.
Laut Schulz hat diese Pahlavi-Nostalgie nichts mit der politischen Wirklichkeit im Iran zu tun. Sein Urteil: «Kaum jemand, selbst Trump nicht, traut ihm eine Führungsrolle in einer neuen Ordnung zu.»