Zehntausende protestieren im Iran gegen Gottesstaat
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Regime unter Druck:Zehntausende protestieren im Iran gegen Gottesstaat

Trump verhängt 25-Prozent-Strafzoll für Handelspartner der Islamischen Republik
Droht der Schweiz ein neuer US-Zollhammer wegen Iran?

Seit Jahrzehnten vermittelt die Schweiz zwischen Washington und Teheran – diplomatisch und wirtschaftlich. Doch nun droht Ärger: US-Präsident Donald Trump will allen Iran-Handelspartnern einen 25-Prozent-Strafzoll auferlegen. Trifft es die Schweiz?
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Neue Zollkeule von US-Präsident Donald Trump: Ein Zoll von 25 Prozent wird auf alle Geschäfte erhoben, die Länder mit dem Iran tätigen.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Trump verhängt 25-Prozent-Strafzoll auf Länder mit Iran-Geschäften
  • Schweiz verfügt über positive Handelsbilanz mit dem Iran
  • 2024 betrug Handelsvolumen zwischen Schweiz und Iran 212 Millionen Franken
  • Schweiz wahrt seit 1981 diplomatische Interessen der USA in Teheran
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Schweizer Diplomaten agieren seit den 80er-Jahren als Liaison zwischen Teheran und Washington. Seit der 444-tägigen Geiselnahme von 52 US-Bürgern von 1979 bis 1981 haben die USA keine diplomatischen Beziehungen mehr zum Iran. Die Interessen der Amerikaner werden durch die Schweizer Botschaft vertreten.

Nicht nur Schweizer Diplomatie, auch Schweizer Wirtschaftsinteressen sind im Iran gut verankert. Droht deswegen jetzt ein neuer Zollhammer für die Schweiz? US-Präsident Donald Trump (79) kündigte am späten Montag Strafzölle von 25 Prozent auf alle Länder an, die Geschäfte mit dem Iran führen.

«Mit sofortiger Wirkung wird von allen Ländern, die mit der Islamischen Republik Iran Geschäfte tätigen, ein Zoll von 25 Prozent auf alle Transaktionen mit den Vereinigten Staaten von Amerika erhoben», so Trump auf Truth Social. «Diese Anordnung», die den Druck auf das iranische Regime erhöhen soll, «ist endgültig und unanfechtbar.»

Trump präzisierte nicht, ob nur Länder betroffen sind, die Sanktionen ignorieren. Vom Weissen Haus wurde zunächst auch kein Zollerlass des Präsidenten veröffentlicht. Trump hat schon häufiger neue Zölle, oder Erhöhungen existierender Einfuhrgebühren, angekündigt, die dann teils zurückgenommen oder aufgeschoben wurden.

Positive Handelsbilanz

Die Schweiz und der Iran unterhalten seit Jahrzehnten wirtschaftliche Beziehungen. Diese sind zwar durch Sanktionen beeinträchtigt, weisen aber weiterhin eine positive Handelsbilanz für die Schweiz auf. Die Eidgenossenschaft exportiert deutlich mehr in den Iran als umgekehrt.

Trotz Restriktionen bleibt der Handel aktiv, insbesondere im Bereich von humanitären Gütern wie Medikamenten sowie Maschinen. Im Jahr 2024 betrug das Handelsvolumen rund 212 Millionen Franken – deutlich geringer als früher vor den Sanktionen.

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist der Iran der zehntwichtigste Handelspartner der Schweiz im Mittleren Osten. «Geschäftsmöglichkeiten für Schweizer Firmen bieten sich insbesondere in den nicht sanktionierten Bereichen Pharma, Medizinaltechnik, Lebensmittel und Landwirtschaftsprodukte», schreibt das Seco im aktuellsten Iran-Bulletin.

«Gute Dienste» der Schweiz

Trumps Anordnung erfolgt, während im Iran die dritte Woche tödlicher Proteste gegen die Mullahs mit Hunderten Toten beginnt. Die neue US-Handelsverordnung richtet sich gegen das iranische Regime und dessen globale Partner.

Zu den wichtigsten Handelspartnern der Islamischen Republik, die von den USA und der EU sowie Uno mit weitreichenden Sanktionen belegt ist, gehören unter anderem Indien, China, die Emirate und die Türkei.

Die Wahrung der US-Interessen im Iran als Teil der «Guten Dienste» könnte der Schweiz auch zugutekommen und vor neuen US-Strafzöllen schützen.

US-Bürger sollen «Iran jetzt verlassen»

Die Virtuelle US-Botschaft Iran forderte eigene Staatsbürger am späten Montag ultimativ dazu auf, den Iran zu verlassen. «Verlassen Sie Iran jetzt», heisst es. «Erstellen Sie einen Ausreiseplan, der nicht auf die Hilfe der US-Regierung angewiesen ist. Falls Sie nicht ausreisen können, suchen Sie sich einen sicheren Ort in Ihrer Wohnung oder einem anderen sicheren Gebäude. Halten Sie ausreichend Lebensmittel, Wasser, Medikamente und andere lebensnotwendige Dinge bereit.»

Für dringende Kontaktnahmen werden Telefonnummern der Schweizer Botschaft in Teheran aufgeführt sowie eine E-Mail-Adresse des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

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