Ausschreitungen und Internet-Blackout
Proteste im Iran erreichen vorläufigen Höhepunkt

Iran im Ausnahmezustand: Landesweite Proteste erreichen Teheran, Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein. Ursachen sind die Wirtschaftskrise und der Absturz der Währung Rial. Ein Internet-Blackout erschwert die Kommunikation.
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Die Proteste finden schon seit mehreren Wochen statt.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Proteste im Iran eskalieren, Höhepunkt in Teheran mit brennenden Fahrzeugen
  • Internet-Blackout von Behörden verhängt, Web-Traffic um 90 Prozent gesunken
  • 45 Tote bei Protesten, US-Präsident Trump droht iranischer Regierung mit Strafen
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Mehr als eine Woche nach Beginn der landesweiten Proteste im Iran erreichen die Demonstrationen in Teheran einen Höhepunkt. Videos in sozialen Medien zeigten Menschenmassen in der Hauptstadt. Augenzeugen berichteten von Sicherheitskräften, die mit Tränengas gegen vermummte Demonstranten vorgingen. Videos von Aktivisten zeigten brennende Fahrzeuge der Sicherheitskräfte in Teheran.

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Die Proteste kehrten auch in viele andere Metropolen zurück, nachdem in den vergangenen Tagen vor allem Bewohnerinnen und Bewohner der westlichen Provinzen demonstriert hatten. In der Millionenstadt Maschhad im Nordosten berichteten Augenzeugen von grossen Protesten. Es sei «wie Krieg», beschrieben Einwohner die Szenen auf den Strassen.

Es herrscht ein «Internet-Blackout»

Die Behörden schalteten unterdessen den weltweiten Internetzugang für die Bevölkerung ab. Das Land befinde sich in einem «Internet-Blackout», berichtete die auf Netzsperren spezialisierte Organisation Netblocks. Auch Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten am Donnerstag einen Einbruch des Web-Traffics um etwa 90 Prozent. Ein kleiner Teil der Regierung sowie des Militär- und Machtapparats dürfte das Internet weiter frei nutzen können. Auch per Telefon waren Kontakte im Iran zunächst nicht mehr erreichbar.

Die neue Protestwelle erschüttert den Iran seit Ende Dezember. Ausgelöst wurden die Demonstrationen durch eine massive Wirtschaftskrise und einen plötzlichen Absturz der landeseigenen Währung Rial. In Teheran gingen daraufhin wütende Händler auf die Strasse. Inzwischen haben sich die Proteste auf das ganze Land ausgeweitet.

Trump solidarisiert sich mit Demonstrierenden

Bislang kamen bei den Protesten 45 Demonstranten ums Leben, wie die in Oslo ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights (IHRNGO) mitteilte. «Die Fakten zeigen, dass die Repressionen von Tag zu Tag gewalttätiger und umfassender werden», sagte Direktor Mahmood Amiry-Moghaddam (54).

US-Präsident Donald Trump (79) zeigt sich solidarisch mit den Demonstrierenden und äussert eine Drohung an die Staatsführung in Teheran. «Ich habe ihnen mitgeteilt, dass wir sie hart bestrafen werden, falls sie anfangen, Menschen zu töten, was sie während ihrer Unruhen, die ja häufig vorkommen, gerne tun», sagte er in einer am Donnerstag veröffentlichten Folge des Podcasts «The Hugh Hewitt Show». Die US-Regierung verfolge die Situation aufmerksam. Trump lobte die Iraner als «mutige Menschen». Es war jedoch unklar, wann das Gespräch aufgezeichnet wurde.

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