Darum gehts
- Iran erlebt brutale Niederschlagung von Protesten, Internet blockiert seit 9. Januar
- Regierung setzt automatische Waffen ein, über 12'000 Tote laut Berichten
- Trump erwägt Intervention, Israel informiert über möglichen Regimewechsel
Seit der Kappung des Internets am Freitag durch die Mullahs ist Iran weitgehend ein schwarzes Loch für die Aussenwelt. Das genaue Ausmass der blutigen Niederschlagung des Volksaufstands ist unbekannt. Reuters zitiert das Regime, wonach bislang 2000 Menschen bei Protesten gegen die islamische Regierung starben – das ist die «offizielle» Opferzahl. Nach unbestätigten Berichten wurden seit Beginn der Proteste am 28. Dezember mehr als 12'000 Menschen umgebracht. Das Regime setzt offenbar militärische Waffen gegen unbewaffnete Männer und Frauen allen Alters ein. Gezielt würden Truppen auf «Augen und Köpfe schiessen», berichtet der «Guardian» unter Berufung auf einen Arzt in Teheran.
Vereinzelt dringen Bilder durch. Dank dem Starlink-Internet von Elon Musk (54) haben die Mullahs nicht alles unter Kontrolle, obwohl das Regime den Dienst mit Signalstörungen blockt, wo es nur kann. Düstere Videos zeigen Reihen von Leichensäcken. Angehörige suchen nach ihren Liebsten, im Hintergrund sind Wehklagen und Schreie zu hören.
Angesichts der Internet-Blockade im Land stellt Musk Starlink nun kostenlos für Iran bereit. US-Technologie bleibt die Brücke der Iraner zur Aussenwelt. Berichte von Augenzeugen dringen durch, wonach Regierungstruppen das Feuer auf unbewaffnete Demonstranten eröffnen – mit automatischen Waffen und zeitweise scheinbar wahllos. Ein Video zeigt eine ältere, unverhüllte Demonstrantin, die aus dem Mund blutet, die Faust in den Himmel reckt und sagt: «Ich habe keine Angst! Ich habe keine Angst! Ich bin seit 47 Jahren tot» – seit der Revolution 1979.
Öffentliche Hinrichtungen
Am Mittwoch will der Iran ersten Angaben zufolge die ersten Menschen öffentlich hängen, die gegen das Regime protestiert haben. US-Präsident Donald Trump (79) kündigte «sehr entschiedene Massnahmen» an, falls die iranischen Behörden Demonstranten exekutieren. «Wir werden sehr entschieden vorgehen, wenn sie so etwas tun», antwortete Trump am späten Dienstag auf die entsprechende Frage eines Journalisten.
Er «denke an den Iran, wenn ich sehe, wie dort Menschen sterben», sagte Trump. «Hilfe ist auf dem Weg», schrieb der US-Präsident Stunden zuvor auf Truth Social an das iranische Volk. Indirekt forderte er die Menschen zu weiterem Widerstand auf: «Protestiert weiter», so Trump. «Besetzt die Regierungsgebäude. Merkt euch die Namen der Mörder und Täter. Sie werden einen hohen Preis zahlen.» Auf die Frage eines Reporters, was Trump damit meine, dass Hilfe unterwegs sei, entgegnete er: «Das müssen Sie selbst herausfinden. Tut mir leid.» Die Lage bleibe unübersichtlich: «Wir werden genaue Zahlen zu den Tötungen erhalten», so Trump. «Die Zahl scheint beträchtlich zu sein. Es sieht so aus, als würden sie viele Menschen töten.»
US-Intervention?
Am Montag war noch von diplomatischen Versuchen die Rede, den Aufstand im Iran mittels Gesprächen beizulegen. Teherans Aussenminister äusserte Verhandlungsbereitschaft mit den USA. Trump sagte am Dienstag: «Ich habe alle Treffen mit iranischen Offiziellen abgesagt, bis die sinnlose Tötung von Demonstranten aufhört.» Und «MIGA», sagt Trump – «Make Iran Great Again», in Anspielung auf seinen politischen Slogan MAGA.
Israel geht nach Angaben aus Regierungskreisen davon aus, dass sich Trump zu einer Intervention entschlossen hat, berichtet Reuters. Umfang und Zeitpunkt der Aktion seien weiterhin unklar. Das Sicherheitskabinett des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu (76) wird den Angaben zufolge derzeit über die Wahrscheinlichkeit eines Regimewechsels im Iran und eine mögliche US-Intervention informiert.