Darum gehts
- Donald Trump interveniert für Folarin Balogun beim Fifa-Chef Gianni Infantino
- Fifa setzt Baloguns Sperre zur Bewährung aus, somit darf dieser gegen Belgien spielen
- Schon Ende 2025 hatte Infantino Trump einen Dienst erwiesen
Donald Trump (80) ist es gewohnt, dass die Leute nach seiner Pfeife tanzen. Zuerst hiess es: «Gianni, gib mir einen Friedenspreis.» Jetzt heisst es: «Gianni, lass Balogun gegen Belgien spielen.» Was kommt an dieser Fussball-WM als Nächstes? Schreibt Trump dem Schiedsrichter noch vor, dass er die USA gewinnen lassen muss?
Mehrere Medien berichteten über Trumps Intervention. Am Montagmorgen (Ortszeit) folgte dann die Bestätigung des US-Präsidenten. Gegenüber Journalisten im Weissen Haus erklärte er, Fifa-Boss Infantino angerufen zu haben: «Ich habe um eine Überprüfung gebeten, weil ich es nicht für ein Foul hielt.» Wenig später meldet sich Infantino selbst zu Wort und bestätigt den Anruf, betont aber die Unabhängigkeit der Fifa-Rechtsorgane.
Ein handfester Skandal! Er zeigt, wie skrupellos zwei Egos ihre Macht ausspielen.
Hier der milliardenschwere Geschäftsmann aus der Metropole New York, dort der in Brig aufgewachsene Sohn italienischer Gastarbeiter: Wie kann es sein, dass zwei Männer mit so unterschiedlicher Herkunft eine derart innige «Bromance» pflegen?
Die Antwort ist simpel: Die Kumpanei funktioniert, weil beide an den Schalthebeln der Macht sitzen und sich gegenseitig schamlos die Bälle zuschanzen. Beide sehen sich selbst als unschlagbare Macher, die von Kritikern, Medien oder der Justiz ungerechtfertigt angegriffen werden. Das schweisst sie zusammen. Die beiden machtbesessenen Bosse stützen sich gegenseitig, um ihre jeweilige Macht gegenüber unliebsamen Kritikern abzusichern.
Trump fungiert für Infantino als exklusiver Türöffner zum amerikanischen Milliarden-Fussballmarkt. Mehr noch: Er ist sein politischer Bodyguard. Die Fifa steht wegen Korruptionsvorwürfen unter Dauerdruck, gegen Infantino selbst wurde wegen Amtsmissbrauchs ermittelt. Mit dem US-Präsidenten an der Seite werden Angriffe gegen den Fifa-Chef deutlich schwieriger.
Umgekehrt weiss Infantino genau, was Trump braucht. Der US-Präsident instrumentalisiert die Heim-WM, um von seinen geopolitischen Misserfolgen auf der Weltbühne abzulenken. Dafür gibt es einen Fachbegriff: Sportwashing.
Der US-Politikwissenschaftler Jules Boykoff (55) kritisiert in seinem aktuellen Buch «Red Card», wie Grossereignisse politisch gekapert werden: «Je tiefer Trumps Beliebtheitswerte sinken, desto dringender braucht er das Sportwashing als Rettungsring.»
Friedenspreis als Trostpreis
Die Begnadigung von Balogun ist bereits der zweite kapitale Liebesdienst, den Infantino dem US-Präsidenten erweist. Der erste war die Verleihung des neu erfundenen «Fifa-Friedenspreises für herausragende Leistungen für Frieden und Völkerverständigung». Es war ein Trostpreis dafür, dass Trump der Friedensnobelpreis verwehrt geblieben war. Während Hunderte Millionen Zuschauer am 5. Dezember 2025 gebannt am TV auf die WM-Auslosung warteten, mutierte diese in der Übertragung zur Nebensache. Im Fokus stand plötzlich die Übergabe der goldenen Friedens-Trophäe an Trump.
Welch bittere Ironie dieser «Friedenspreis» in sich trägt, zeigte sich kurz darauf: Nur einen Monat nach der Gala liess Trump Venezuela angreifen und Präsident Nicolás Maduro (63) entführen. Knapp zwei Monate später blies er zum Angriff auf den Iran. Der Krieg forderte unzählige Opfer, richtete massive Schäden an und löste eine weltweite Energiekrise aus. Mehrere Anfragen von Blick, ob Infantino die Auszeichnung wegen Trumps kriegerischer Aggressionen zurückfordere, blieben beim Fifa-Hauptquartier auf dem Zürichberg unbeantwortet.
Am Ende zeigt dieser Balogun-Coup die ganze Gefährlichkeit dieser Männerfreundschaft: Hier wird nicht mehr nach den Regeln des Sports gespielt, sondern nach den Gesetzen zweier Machtbesessener, die sich gegenseitig die Immunität garantieren. Wenn die Kumpanei zweier Egos wichtiger wird als das offizielle Regelwerk, dann verliert der Fussball seine Seele an die Machtpolitik.
