Darum gehts
- US-Studie: Psilocybin hilft Rauchern beim Entzug, 40 Prozent werden rauchfrei
- Pilz-Therapie ist wirksamer als Nikotinkaugummis
- Studie mit 82 Personen, 68 schlossen sechsmonatige Nachuntersuchung ab
Wenn es um Schäden durch Rauchen geht, ist unser Körper regenerativ. Daher lohnt es sich richtig, die schlechte Gewohnheit aufzugeben. Bei einer US-Studie der Johns-Hopkins-Universität machte man es den Probanden besonders leicht, während des Entzugs nichts zu vermissen.
Die Studie testete klinisches Psilocybin als Nikotinersatzprodukt in Kombination mit einer Verhaltenstherapie. Klingt langweilig, macht aber gute Laune — Psilocybin ist der Inhaltsstoff, der einen normalen Pilz in einen «Magic Mushroom» verwandelt.
40 Prozent wurden nachweislich rauchfrei
Die kleine Testgruppe bestand aus gesamthaft 82 erwachsenen Rauchern, die davor durchschnittlich 15 Zigaretten am Tag rauchten und bereits mehrere Abstinenzversuche hinter sich hatten. Jedoch durfte sich nur die Hälfte der Testpersonen über die neue Pilz-Therapie freuen. Um einen Vergleich aufstellen zu können, verabreichte man der anderen Hälfte Nikotinkaugummis als Ersatzprodukt.
Insgesamt schlossen 68 Personen die sechsmonatige Nachuntersuchung ab. Die Bilanz: Psilocybin erhöht die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft rauchfrei zu bleiben. Ganze 40 Prozent schafften es, durch die Substanz nachweislich mit dem Rauchen aufzuhören. Mit den Nikotinkaugummis gelang es hingegen nur 10 Prozent.
Nicht zu Hause nachmachen
Sollten also alle Raucher anfangen, psychedelische Pilze zu essen? Auf gar keinen Fall! Dass es bei der Studie nicht zu schwerwiegenden unerwünschten Nebenwirkungen kam, lag an der überwachten Einnahme durch medizinisches Personal. Auch wurden Personen, die in der Vergangenheit unter psychischen Erkrankungen litten, von vornherein ausgeschlossen. Für alle Schweizer, die endlich mit dem Rauchen aufhören wollen, gilt zudem: Ein Import von Psilocybin ist verboten.
Immer mehr Studien suchen nach einer Lösung, wie Menschen von dem hoch süchtig machenden Nikotin loskommen. Dabei gab es schon einige skurrile Ideen.
Der Alleskönner Ozempic
Hilft der Wirkstoff Semaglutid jetzt auch noch im Kampf gegen die Sucht? Wie der «Tagesspiegel» berichtete, sollen in den USA und in Deutschland mehrere Patienten berichtet haben, durch das Medikament rauchfrei geworden zu sein. Zurückzuführen wäre dies auf überlappende Regionen im Hirn . Wenn GLP-1 unser Essverhalten regulieren kann, hilft es möglicherweise auch bei anderen Süchten. Aber auch bei Semaglutid werden immer mehr unerwünschte Nebenwirkungen bekannt.
E-Zigarette als Ersatzprodukt
Neulich fand eine grossangelegte englische Studie heraus, dass E-Zigaretten im Vergleich zu anderen Ersatzprodukten besonders wirksam für eine Entwöhnung sind. Pflaster, Lutschtabletten und Kaugummi schlossen allesamt schlechter ab als die E-Zigarette. Dennoch ist auch diese höchstens für Schadensminimierung geeignet.
Aversionstherapie
Bei einer Aversionstherapie soll man Zigaretten so schnell rauchen, bis einem schlecht wird und sich dabei auf das unangenehme Gefühl konzentrieren. Damit soll das Gehirn darauf trainiert werden, Zigaretten als etwas Negatives zu sehen. Bereits 2004 hat Cochrane ein Review zu einer Aversionsstudie veröffentlicht. Ob es wirklich hilft, konnte darin nicht bewiesen werden.