Ungläubigkeit, Angst, Schock – polnische Journalistin nach Schüssen von Krakau tief erschüttert
«Ich musste noch nie über eine Tragödie dieses Ausmasses berichten»

Nach dem Anschlag in Krakau ist der Schock in Polen gross. Ein Land, das immer wieder für seine Sicherheit gelobt wurde, ringt um Fassung. Blick konnte mit einer Journalistin sprechen, die das Entsetzen hautnah miterlebt.
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In Krakau schoss ein Mann am Samstag wahllos auf Passanten und Passantinnen.
Foto: Dukas

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Janine EnderliRedaktorin News

Was eben noch selbstverständlich schien, fühlt sich plötzlich anders an: Nach der Attacke von Krakau ist in der Stadt nichts mehr so unbeschwert wie zuvor.

Sylwia Bagińska (33) ist Journalistin beim polnischen Nachrichtenportal fakt.pl und berichtet hautnah über die Bluttat, die auf dem Marktplatz von Krakau mindestens sechs Menschen das Leben kostete. Zuvor erschoss der Todesschütze Michal O.* (24) mutmasslich auch seine Eltern und seine Schwester. Die Reporterin ist selbst extrem schockiert von dem, was sich ereignet hat, und beschreibt, wie sich die Stimmung seither verändert hat.

«Polen ist zutiefst erschüttert von der Tragödie, die sich im Herzen von Krakau ereignet hat. Die überwältigenden Gefühle sind Schock, Ungläubigkeit, Trauer, aber auch Angst», schildert Bagińska im Gespräch mit Blick. «Der Hauptmarktplatz von Krakau ist einer der bekanntesten und meistbesuchten Orte in Polen. Jeden Tag strömen Tausende von Einheimischen und Touristen hierher. Niemand hätte sich vorstellen können, dass ausgerechnet an diesem Ort ein so brutaler Anschlag auf unschuldige Menschen verübt werden könnte.»

«Jeder hätte zum Opfer werden können»

Für Bagińska sticht ein Aspekt besonders hervor: «Ich glaube, was es besonders erschreckend macht, ist die Erkenntnis, dass buchstäblich jeder zum Opfer hätte werden können. Menschen, die einfach nur spazieren gingen, etwas essen wollten oder auf einem Wochenendausflug waren, fanden sich plötzlich mitten in einer Tragödie wieder.»

Solche Ereignisse würden das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung grundlegend verändern, betont die Polin. Polen gelte generell als sicheres Land. Taten wie diese würden die Menschen eher in Verbindung mit anderen Ländern sehen. Plötzlich sei man damit konfrontiert, dass das auch im eigenen Land passieren könne.

VO Bluttat in Krakau Still.png
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Auch Schüsse sind zu hören:Video zeigt, wie der Killer durch Krakau fährt

«Ich musste noch nie über so etwas berichten»

«Ich glaube, dass viele Menschen in den kommenden Tagen und vielleicht sogar Wochen zurückhaltender sein werden, wenn es darum geht, sich an überfüllten öffentlichen Orten aufzuhalten.» Ob sich das Sicherheitsgefühl der Polen grundlegend verändern werde, werde sich wohl erst zeigen.

In vielen Ländern – auch in der Schweiz – wurde Polen als sicheres Land wahrgenommen. Dies überrascht die Journalistin nicht. «Wir haben noch nie zuvor einen Anschlag dieser Art erlebt. Bis jetzt habe ich mich in meinem eigenen Land immer sicher gefühlt. In meiner Laufbahn als Journalistin musste ich noch nie über eine Tragödie dieses Ausmasses berichten. Unser Sicherheitsgefühl war bereits durch den Ausbruch des offenen Krieges in der Ukraine erschüttert worden. Doch noch nie zuvor haben wir einen Anschlag dieser Grössenordnung erlebt, der von einem polnischen Staatsbürger in einer polnischen Stadt verübt wurde.»

Kommt es zur Waffendebatte?

Die Journalistin glaubt, dass der Angriff eine landesweite Debatte über den Zugang zu Schusswaffen, die Vorschriften für den Waffenbesitz und die Sicherheit im öffentlichen Raum auslösen könnte.

Nach Angaben der polnischen Ermittlungsbehörden besass der Schütze eine offizielle, behördlich ausgestellte Waffenbesitzkarte, die ihn zum legalen Erwerb und Besitz bestimmter Schusswaffen – darunter der beim Anschlag genutzten Langwaffe des Typs AR-15 – berechtigte.

Grosse Solidaritätswelle

In Polen ist jede Waffenerlaubnis an einen behördlich anerkannten Zweck gebunden, beispielsweise Sportschiessen, Sammeln oder Jagd. Im vorliegenden Fall waren der Täter und sein Vater im Schützenverein aktiv.

Gleichzeitig nimmt die Reporterin eine grosse Solidaritätswelle wahr. Die Anteilnahme für die Opfer und ihre Familien sowie die Bewunderung für diejenigen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, seien immens.

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