Darum gehts
- In Krakau schoss ein Pole auf Passanten: mindestens sechs Tote
- Nach einem Schusswechsel nahm ihn die Polizei verletzt fest
- Ein Experte spricht von einer geplanten Tat
Nach den tödlichen Schüssen im Zentrum von Krakau sind viele Fragen offen. Nach Angaben der Behörden eröffnete Michal O.*, ein polnischer Staatsbürger, am Samstag das Feuer auf zufällig ausgewählte Personen. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben. Unter den Verletzten befinden sich auch Polizisten. Der mutmassliche Täter wurde nach einem Schusswechsel festgenommen und ins Spital gebracht.
Terrorismusexperte Ryszard Machnikowski von der Universität Łódź sagte gegenüber der Zeitung «Fakt», der Angriff wirke geplant. «Der Täter wusste, was er tat, und konnte es auch. Er wirkte wie ein Profi», sagte Machnikowski.
Rechtsextremer Terroranschlag – oder steckt Russland dahinter?
Nach Einschätzung des Experten deutet der Ablauf der Tat darauf hin, dass der Mann über Erfahrung im Umgang mit Waffen verfügte. Wenn es ihm gelungen sei, mit seiner Waffe mehrere Menschen zu töten, weitere zu verletzen und sich anschliessend einen Schusswechsel mit der Polizei zu liefern, spreche das für viel Schiesstraining oder militärische Erfahrung, sagte Machnikowski.
Unklar bleibt bisher das Motiv. Der Experte betonte, derzeit könne man nur Hypothesen aufstellen. Denkbar seien verschiedene Hintergründe, sagte er. Er nannte unter anderem einen Einzeltäter aus radikalen Kreisen, eine ausländische Gruppe oder auch eine staatliche Beteiligung. Zugleich machte er deutlich, dass solche Überlegungen spekulativ seien.
Machnikowski verwies in diesem Zusammenhang auch auf Drohungen aus Russland gegen Polen. Die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa (50), habe vor wenigen Tagen erklärt, Russland habe angeblich Informationen über Gruppen in Polen erhalten, die Russland destabilisieren sollten. Moskau werde auf solche Bedrohungen «symmetrisch» reagieren, sagte sie demnach. Ob die Tat in Krakau damit in Verbindung stehen könnte, sei aber reine Spekulation, betonte der Experte.
Auch ein Vergleich mit früheren Einzeltätern sei möglich. Machnikowski verwies auf Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 in Norwegen einen rechtsextremen Terroranschlag verübte.
Für AR-15 braucht es in Polen einen Waffenschein
Ein weiteres Indiz für die Vorbereitung sieht der Experte in der Waffe. Auf Fotos und Videos von der Festnahme ist eine lange Schusswaffe zu sehen. Es soll sich vermutlich um ein AR-15-Gewehr handeln. Diese Waffe wurde in polnischen Medien bisher vor allem im Zusammenhang mit Schiessereien in den USA erwähnt.
«Natürlich stützen wir uns auf unscharfe Fotos», sagte Machnikowski. DAR-15 sei jedoch eine teure Waffe. Auch in Polen könnten nur Personen mit Waffenschein eine solche Waffe erwerben. «Jemand, der einfach nur schiessen will, wird sich so eine Waffe eher nicht kaufen», sagte der Experte. Auch das deute auf ein gewisses Mass an Professionalität hin.
Darum lässt sich ein Anschlag nicht verhindern
Die Reaktion der Polizei bewertet Machnikowski nach bisherigem Kenntnisstand positiv. Zwischen den ersten Schüssen und der Festnahme seien nur einige Dutzend Minuten vergangen. Das spreche für ein schnelles Eingreifen. Auf einem Video sei zudem ein Polizist zu sehen, der sich professionell und heldenhaft verhalten habe, sagte der Experte.
In den kommenden Tagen dürfte auch die Frage diskutiert werden, ob die Tat hätte verhindert werden können. Im Bereich des Hauptmarkts gab es keine Barrieren, die die Zufahrt zum Platz eingeschränkt hätten. Machnikowski warnt jedoch vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Man könne öffentliche Orte besser sichern, eine vollständige Sicherheit gebe es aber nicht.
«Wir können überall Barrieren aufstellen, aber dann findet der Täter einen Ort, an dem es keine gibt», sagte er. Auch ein Fahrzeug könne Sperren durchbrechen, wie beim Anschlag in Berlin 2016. Zudem sei der Täter in Krakau aus dem Auto ausgestiegen und zu Fuss weitergegangen. Es sei unmöglich, alle öffentlichen Plätze in Polen vollständig zu schützen.
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Dieser Artikel erschien zuerst auf fakt.pl. Das polnische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.