Es ist Samstag, kurz vor 15 Uhr, als ein schwarzer Subaru auf den Krakauer Hauptmarkt fährt. Am Steuer sitzt Michal O.* in Tarnkleidung, neben sich ein halbautomatisches Gewehr vom Typ AR-15. Aus dem Auto heraus schiesst er wahllos auf Passanten. Sechs Menschen sterben, mindestens 15 werden verletzt, darunter ein Deutscher und ein Österreicher.
Wer ist der Mann, der den historischen Platz in einen Tatort verwandelt? Michal O. kam 2002 zur Welt und wuchs in Ostrowiec Świętokrzyski auf, einer Kleinstadt rund 200 Kilometer nordöstlich von Krakau. Als Kind fiel er durch künstlerisches Talent auf und engagierte sich in der Kirche. Später besuchte er eine technische Fachschule.
Waffennarr
Seine grosse Leidenschaft waren Waffen. Wie sein Vater trainierte er als Sportschütze. Auf den Sohn waren zwei Waffen registriert, auf den Vater elf. In den sozialen Medien posierte der junge Mann stolz damit. Weil er beim Anschlag Militärkleidung trug, hiess es zunächst, er sei Soldat. Das dementierte Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz: Der Mann habe nie etwas mit der Armee zu tun gehabt.
Was ihn antrieb, ist noch unklar. Innenminister Marcin Kierwiński beschreibt ihn als jemanden mit «ultranationalistischen» Ansichten, der von rechtsextremen Ideologien fasziniert gewesen sei.
Grausige Entdeckung
Während in Krakau noch die Spuren gesichert werden, machen Ermittler in Ostrowiec eine grausige Entdeckung. In der Wohnung der Familie liegen drei Leichen: Vater, Mutter und Schwester von Michal O. Mutmasslich hat er sie vor der Fahrt nach Krakau getötet. Damit steigt die Zahl der Toten auf neun.
Gestoppt wurde der Schütze von zwei Polizisten, die dabei schwer verletzt wurden. Premier Donald Tusk (69) nennt sie «wahre Helden». Michal O. liegt im Spital. Es ist nicht bekannt, ob er vernehmungsfähig ist.
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