Chirurgen retten schwer verletzte Polizisten – und Krakau-Killer Michal O.
«Wenn es darum geht, ein Leben zu retten, spielt es keine Rolle, wer wer ist»

Zwei Polizisten stoppten den Angreifer von Krakau und wurden dabei schwer verletzt. Ihr Glück: Zwei Chirurgen assen nahe des Tatorts zu Mittag, eilten aus dem Restaurant und leisteten sofort Hilfe. Bei dem Angriff gab es mehrere Tote. Einer der Ärzte spricht jetzt über das Erlebte.
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Schock in Polen!
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Bei dem Angriff in der Krakauer Innenstadt starben sechs Menschen
  • Zwei Polizisten stoppten den Täter und dabei wurden schwer verletzt
  • Chirurgen leisteten Erste Hilfe
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Marian NadlerRedaktor News

Nach dem tödlichen Schüssen in Krakau erhielten zwei schwer verletzte Polizisten offenbar besonders schnell medizinische Hilfe. Zwei renommierte Chirurgen assen in einem Restaurant in der Nähe des Tatorts zu Mittag, als die Beamten angeschossen wurden. Sie eilten auf die Strasse und versorgten die Verletzten. Bei einem der Ärzte handelte es sich um Michał Pędziwiatr. Nach Informationen der Zeitung «Fakt» half er zunächst am Tatort und operierte später im Spital einen der verletzten Polizisten.

Die beiden Beamten, Jakub K.* und Artur M.*, hatten den Angreifer Michal O.* (24) überwältigt. Sie riskierten dabei ihr Leben, um weitere Schüsse auf Menschen zu verhindern. Einer der Polizisten soll den Täter trotz eigener Verletzungen mit letzter Kraft gestoppt und ihn bewacht haben, bis er selbst zusammenbrach.

Chirurg leistet Erste Hilfe, später operiert er Polizist

Hauptkommissarin Katarzyna Cisło von der Polizei in Małopolska sagte gegenüber «Fakt», beide Beamten seien sehr schwer verletzt worden. Einer von ihnen sei in lebensbedrohlichem Zustand ins Spital gebracht worden.

Wenige Stunden nach der Tat verbreiteten sich im Internet erste Hinweise darauf, dass zwei Ärzte zufällig in der Nähe gewesen seien und sofort geholfen hätten. «Fakt» konnte diese Informationen später aus sicherer Quelle verifizieren. Demnach beschränkte sich die Hilfe von Pędziwiatr nicht auf den Einsatz am Tatort. Er war später auch im Spital an der Operation eines der Polizisten beteiligt.

Bekannte Krakauer Chirurgen retten Einsatzkräften das Leben

Michał Pędziwiatr gilt als angesehener Chirurg. Er ist Professor der Medizin, Leiter einer Chirurgischen Klinik sowie Leiter der Klinik für Allgemein-, Onkologische, Metabolische und Notfallchirurgie am Universitätsspital in Krakau. Laut dem Portal Znany Lekarz wurde er von der Bezirksärztekammer Krakau für das beste Ergebnis bei der Facharztprüfung ausgezeichnet. Zudem erzielte er landesweit das beste Resultat im Bereich der onkologischen Chirurgie und bestand die europäische Facharztprüfung in Chirurgie.

Pędziwiatr beschreibt im Gespräch mit «Fakt», was er am Samstagnachmittag erlebte. Demnach hatte er gerade mit seiner Familie und dem zweiten Arzt, der den Polizisten auf der Strasse geholfen haben soll, Mateusz Wierdak, und dessen Familie ein Restaurant verlassen. Auch Wierdak ist ein bekannter Krakauer Chirurg.

So schwer wurden die Polizisten verletzt

Pędziwiatr wollte kurz in einer Apotheke vorbeischauen. «Plötzlich rannte mein Sohn auf mich zu und rief: Papa, da wird auf Leute geschossen, die fallen zu Boden!» Der Mediziner konnte genau beobachten, wie die Polizei den Angreifer überwältigte. Zunächst war den beiden Ärzten aber nicht klar, wer wer war. Ein Mann in Militäruniform und die Polizisten? «Wir fragten uns also, wo die Täter waren.» Mit Erste-Hilfe-Sets ausgerüstet, die von weiteren Polizisten bereitgestellt wurden, legten sie erstmal los.

Wierdak rettete schliesslich den Polizisten, der auf den Täter geschossen und ihn kampfunfähig gemacht hatte. «Mateusz' unermüdlicher Einsatz, die Blutung des schwerstverletzten Polizisten zu stillen, rettete ihm zweifellos das Leben», so Pędziwiatr. «Ohne sein Eingreifen wäre es wohl nicht gut ausgegangen, denn es gab eine lange Wartezeit auf den Krankenwagen, zumal die Krankenwagen auch zu anderen Einsatzorten geschickt worden waren», bilanziert der Chirurg.

Einer der beiden schwer verletzten Polizisten erlitt laut «Fakt» schwere Verletzungen im Brustbereich. Auch sein Kollege wurde an Brust und Arm verletzt.

Da Pędziwiatr nicht wusste, dass der Mann in Militärkleidung der Täter war, rettete er auch den Angreifer. Er wurde ebenfalls schwer im Bauchraum verletzt, mehrere Gefässe wurden durch Kugeln verletzt.

Tusk würdigt Polizisten

«Wenn es darum geht, ein Leben zu retten, spielt es keine Rolle, wer wer ist», sagt der Chirurg. «Es hat keinen Sinn, das zu romantisieren. Man rettet einfach ein Leben», fügt er hinzu.

Beim Anschlag in Krakau kamen den vorliegenden Angaben zufolge sechs Menschen ums Leben. Michal O. tötete, bevor er in der Innenstadt von Krakau das Feuer eröffnete, zudem seine Eltern und seine Schwester im Haus der Eltern. Die beiden verletzten Polizisten wurden in Polen für ihr Eingreifen unter anderem von Premier Donald Tusk (69) gewürdigt.

* Namen bekannt

Dieser Artikel erschien zuerst auf fakt.pl. Das polnische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.

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