Darum gehts
- Air-Kanada-Flugzeug kollidiert am 23. März in New York mit Feuerwehrauto
- Fluglotse war zum Unfallzeitpunkt allein für Start- und Landeerlaubnisse zuständig
- Über 14'000 US-Fluglotsen klagen über Personalmangel und obligatorische Überstunden
«Ich habe Mist gebaut», sagte der zuständige Fluglotse eine Viertelstunde nach dem tödlichen Crash per Funk. Am Montagmorgen Schweizer Zeit kollidierte ein Passagierflugzeug von Air Canada am Flughafen LaGuardia in New York mit einem Feuerwehrauto. Beide Piloten sterben bei dem Unglück, über 40 Passagiere werden verletzt. Es ist der erste tödliche Unfall am Flughafen seit über 30 Jahren.
Mittlerweile wurde ein Mitschnitt des Funkverkehrs aus dem Tower zum Zeitpunkt des Unfalls veröffentlicht. So war das Einsatzfahrzeug wohl auf der Landebahn, um auf einen Notfall bei einem anderen Flugzeug zu reagieren. Zwei Minuten nachdem der Fluglotse der Air-Canada-Maschine Landeerlaubnis erteilt, bittet der Fahrer des Feuerwehrautos um Überquerung derselben Piste. Der Fluglotse erteilt die Erlaubnis, wie unter anderem die «Washington Post» berichtet.
Sekunden später scheint dem Fluglotsen sein gravierender Fehler aufzufallen. «Stopp, LKW 1, Stopp!», heisst es wiederholt über den Funk. Dann ertönt ein lauter Piepton. «Ich sehe, Sie sind dort mit einem Fahrzeug kollidiert. Halten Sie Ihre Position. Ich weiss, dass Sie sich nicht bewegen können», sagt der Fluglotse zur Air-Canada-Maschine.
«Im Normalfall zu zweit»
Wie mehrere US-Medien übereinstimmend berichten, war der Fluglotse zum Zeitpunkt des Unfalls wohl ganz allein für die Erteilung der Start- und Landeerlaubnis für Flugzeuge und Fahrzeuge am Boden zuständig. Dies sei an amerikanischen Flughäfen in der Nacht nicht ungewöhnlich, meint ein Experte gegenüber der «Washington Post».
Am Flughafen Zürich, der pro Jahr ein etwa gleich hohes Passagieraufkommen hat wie der Flughafen LaGuardia in New York, ist das trotz Nachtflugverbot nicht üblich. «Im Normalfall sind auch in der Nacht immer zwei Flugverkehrsleitende im Kontrollturm, um möglichen Verkehr wie beispielsweise Ambulanzflüge der Rega abwickeln zu können», erklärt Vladi Barrosa von Skyguide auf Nachfrage von Blick.
Abseits der Nachtschicht sind am Flughafen Zürich deutlich mehr Fluglotsen im Einsatz. «Wir operieren im Kontrollturm mit drei bis vier Flugverkehrsleitenden», erklärt Barrosa. «Zudem haben wir in den verkehrsintensiven Stunden von 10 bis 14 Uhr einen zusätzlichen, fünften Flugverkehrsleitenden im Einsatz.»
Fluglotsen in den USA am Anschlag
In den USA gibt es über 14'000 lizenzierte Fluglotsen. Viele von ihnen klagen seit Jahren über lange Arbeitszeiten und Personalmangel. Obligatorische Überstunden gehören für viele zum Alltag, wie der kanadische Fernsehsender CBC berichtet. Laut Reuters ist es auch nicht aussergewöhnlich, dass die US-Fluglotsen in den Kontrolltürmen mehrere Aufgaben gleichzeitig übernehmen müssen.
Im Fall des tödlichen Unfalls am Flughafen LaGuardia wird der zuständige Fluglotse von den Ermittlern befragt. Es werde untersucht, inwiefern sein Arbeitsplan oder Müdigkeit zum tödlichen Unglück beigetragen haben könnten.