Darum gehts
- Die Hans Hassler AG in Zug meldet Konkurs an, 80 Mitarbeiter betroffen
- Tiefere Margen, harter Wettbewerb und rückläufige Umsätze als Gründe genannt
- Traditionsfirma vor über 130 Jahren gegründet, Standorte in Zug, Aarau, Kriens und Zürich
Die Angestellten der Hans Hassler AG in Zug ereilt kurz nach der Mittagspause der grosse Schock: Sie müssen ihre Zugangsbadges und die Schlüssel für ihre Firmenautos abgeben, die persönlichen Gegenstände einpacken und den Standort an der Chamerstrasse 174 sofort verlassen. Es ist Dienstagnachmittag, 14 Uhr – und alles geschieht Knall auf Fall.
Als die Mitarbeitenden draussen sind, wird die Eingangstür von einem Mitarbeiter des Konkursamts versiegelt. Das auf Bodenbeläge spezialisierte KMU ist pleite. «Wir sind komplett vom Konkurs überrascht», sagt ein Mitarbeiter zu Blick. Er möchte anonym bleiben. Im Vorfeld habe es keinerlei Informationen oder Warnungen gegeben, wie es um die Firma stehe, führt er aus.
Rund 80 Angestellte betroffen
Inhaber Urs Steinegger (73) bestätigt die Pleite telefonisch gegenüber Blick. «Rund 80 Mitarbeiter sind betroffen», sagt er. Er übernahm die über 130 Jahre alte Traditionsfirma 2001, weil im damaligen Familienbetrieb ein Nachfolger fehlte. Der Spezialist für Bodenbeläge und Vorhänge betrieb neben dem Standort in Zug Geschäfte mit Showrooms in Aarau, Kriens und Zürich.
Steinegger nennt als Gründe für den Konkurs die tiefen Margen, den intensiven Wettbewerb und diverse andere Faktoren. Mehr ins Detail will er nicht gehen. Der FDP-Politiker aus dem Kanton Aargau ist am Boden zerstört.
Rückläufige Umsätze, Konkurrenz durch Baumärkte
Das Geschäft mit Bodenbelägen ist hart umkämpft. Die Umsätze sind tendenziell rückläufig, besonders bei Belägen aus Vinyl, Laminat und Teppich. Das Neubauvolumen ist in den letzten Jahren geschrumpft, und gemäss Branchenradar sind die Unternehmen bei Ersatzinvestitionen zurückhaltend. Moderne belagsfreie Böden machen den klassischen Bodenlegern zudem das Geschäft streitig. In den letzten Jahren ist der Druck auch durch Baumärkte gestiegen, die zunehmend die Montage vor Ort übernehmen.
Die Hans Hassler AG versuchte es mit einer kompetenten Beratung, Montage und einem breiten Sortiment für jedes Portemonnaie. Die Spezialisierung auf die Renovation und Sanierung von historischen Parkettböden brachte zu wenig. Nun ist einem der einst führenden Schweizer Anbieter für Bodenbeläge die Luft ausgegangen.
Steinegger suchte vergeblich nach Geldgebern
Steinegger versuchte bis zuletzt ohne Erfolg, frisches Kapital aufzutreiben. «Niemand will in ein solches Geschäft Geld einschiessen. Es ist eine ruinöse Branche», sagt er zu Blick.
Der Unternehmer hat kurz nach der Übernahme der Hans Hassler AG auch die kleinere Parkett-Maier AG übernommen, die seither als Schwestergesellschaft geführt wird. Es handelt sich dabei um ein eigenständiges Unternehmen. Ob auch die Parkett-Maier AG vor dem Ende steht, liess sich am Mittwoch nicht herausfinden. Derzeit scheint das Geschäft noch offen zu sein: Der Standort in Zürich ist telefonisch erreichbar. Man verweist auf Steinegger, der eine entsprechende Blick-Anfrage bis anhin unbeantwortet gelassen hat.