Zu oft krank am Wochenende
Swiss verschärft Attest-Regeln

Swiss-CEO Jens Fehlinger legt sich mit der Gewerkschaft an: Weil viele Flugbegleiter sich am Wochenende krankmelden, wird die Attestpflicht verschärft.
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Swiss-CEO Jens Fehlinger greift durch!
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Swiss verschärft Attestpflicht ab dem dritten Krankheitstag für Flugbegleiter
  • Kurzzeitkrankmeldungen stiegen 2025 um 25 %, besonders an Wochenenden
  • Hausarztbesuch kostet ca. 140 Franken, Gewerkschaft kritisiert zusätzliche Belastung
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Raphael RauchBundeshausredaktor

Die oberste Flugbegleiterin der Schweiz, Gewerkschaftspräsidentin Sandrine Nikolic-Fuss (57), ist stinksauer auf Swiss-CEO Jens Fehlinger (44). Am Mittwoch präsentierte Fehlinger glänzende Quartalszahlen mit Millionengewinn. Gleichzeitig zieht die Airline die Schrauben bei denjenigen an, die diesen Gewinn erarbeiten: den Flight Attendants. Statt Dank gibt es Misstrauen, statt Entlastung mehr Kontrolle.

Die Swiss verschärft die Attestregeln für die Kabine massiv: Schon ab dem dritten Krankheitstag müssen sich die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter ein Arztzeugnis holen. Die Swiss begründet den Schritt mit «vermehrt auffälligen Kurzzeitabsenzen» und einem Plus von 25 Prozent bei Kurzzeitkrankmeldungen im zweiten Halbjahr 2025, speziell an Wochenenden.

«Wer krank ist, soll nicht fliegen»

Offiziell betont Swiss zwar, die Massnahme richte sich «ausdrücklich nicht gegen Mitarbeitende, die krank sind» und «wer krank ist, soll sich abmelden und nicht fliegen». Allerdings beobachte die Swiss einen längeren Trend – die Entscheidung basiere «auf einer längerfristigen Beobachtung der Entwicklung der Kurzzeitkrankmeldungen und deren Auswirkungen auf unsere operative Stabilität. Unser Ziel bleibt ein verlässlicher Flugbetrieb für unsere Kundinnen und Kunden und möglichst stabile Einsatzpläne für unsere Mitarbeitenden».

Für Nikolic-Fuss und die Kabinengewerkschaft Kapers ist klar: Das ist eine kollektive Strafe für ein ganzes Korps, um einige wenige mutmassliche Missbrauchsfälle zu sanktionieren. Krankmeldungen würden faktisch erschwert, warnt die Gewerkschaft, und die Schwelle, trotz Symptomen zu fliegen, werde höher. Gerade in einem Job, der uneingeschränkte Flugtauglichkeit verlange und es kein «Homeoffice light» gibt.

Gewerkschaft warnt vor Kostenlawine

Dazu kommt die Kostenlawine: Eine einfache Hausarztkonsultation schlägt rasch mit rund 140 Franken zu Buche – je nach Franchise und Selbstbehalt ein happiger Betrag für Kabinencrews mit ohnehin tiefen Einstiegslöhnen. Die Gewerkschaft hält das für unverantwortlich: «Das bedeutet konkret: zusätzliche Belastung der medizinischen Grundversorgung, unnötige Beanspruchung knapper Arztkapazitäten sowie steigende Kosten im Gesundheitssystem. Diese Kosten werden am Ende von allen Prämienzahlerinnen und Prämienzahlern getragen. Vor dem Hintergrund der ohnehin steigenden Gesundheitskosten und der bereits bestehenden Belastung im Lohnsegment der Cabin Crew Member ist eine solche Entwicklung nicht nur problematisch, sondern auch gesellschaftlich und politisch schwer vermittelbar.»

Die Gewerkschaft betont: «Cabin Crew ist nicht einfach Servicepersonal, sondern Teil der sicherheitsrelevanten Operation an Bord.» Sandrine Nikolic-Fuss warnt davor, im sicherheitsrelevanten Flugbetrieb indirekte Anreize zu schaffen, trotz Krankheit dennoch zu fliegen.

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