Darum gehts
- Das Restaurant Linde in Kyburg ZH wird für 3 Mio. Fr. verkauft
- Bis zu 9 Wohnungen könnten im historischen Gebäude entstehen
- Über 2700 m² Grundstücksfläche inklusive Bauland und Wald verfügbar
Schweizweit schliessen Jahr für Jahr Hunderte Beizen. Nicht nur, weil sich Beizer verkalkulieren. Sondern immer mehr auch, weil die Lokale umgenutzt werden. Denn viele Eigentümer haben andere Pläne mit ihren Liegenschaften. Der Grund ist einfach: Vermieten sie die Räumlichkeiten als Wohnungen oder Büros, nehmen sie mehr ein. Denn Wohnraum ist ein knappes Gut im Land.
Neustes Beispiel ist das traditionsreiche Restaurant Linde in Kyburg bei Winterthur ZH. Nur einen Steinwurf von der berühmten Kyburg entfernt, liegt das historische Gebäude idyllisch im kleinen Dorfkern, inmitten von Wäldern und Feldern. Jetzt wird die Linde für 3 Millionen Franken verkauft, wie der «Landbote» berichtet. Samt Gaststube, Gourmetstübli, Rittersaal, zwei Terrassen und einem prächtigen Weinkeller.
Bis zu neun Wohnungen möglich
Fürs Geld bekommt der Käufer nicht nur das Restaurant. Verkauft wird die Liegenschaft mit Bauland auf der gegenüberliegenden Strassenseite, Parkplätzen und einem Wald samt Bachanstoss auf einer Fläche von über 2700 Quadratmetern. Der Verkäufer schreibt in der Annonce auf Homegate dabei ganz offen von der Möglichkeit einer «Umnutzung zu reinem Wohnraum».
Konkret: Im Restaurant- und Scheunenteil könnten bis zu 9 Wohnungen realisiert werden. Die separate Baulandparzelle bietet Platz für den Bau eines 3-Familienhauses. Eine entsprechende Projektstudie liegt bereits auf dem Tisch. Weiter heisst es im Immo-Inserat: «Die Denkmalpflege steht einer Umnutzung grundsätzlich offen gegenüber, sofern die Schutzwürdigkeit des Ortsbildes berücksichtigt wird.» Das dürfte finanzkräftige Investoren beruhigen.
«Grosszügiges Familiendomizil»
Dann kommt der heutige Besitzer ins Schwärmen: «Dieses einzigartige Anwesen eignet sich hervorragend als Mehrgenerationenhaus, für Investoren oder als grosszügiges Familiendomizil», schreibt er. Und fasst zusammen: «Die Kombination aus historischem Charakter, modernen Annehmlichkeiten und der traumhaften Lage in Kyburg macht diese Immobilie zu einem wahren Juwel.»
Weniger lustig dürfte die aktuelle Pächterin die Umnutzung des weit über die Region hinaus gekannten Lokals finden. Bis auf weiteres will Nicole Jordan jedenfalls weiterhin in der Linde wirten, wie sie dem «Landboten» sagt. Sie hofft, dass der neue Eigentümer weiterhin auf die Linde als Gasthof setzt. Doch die Ungewissheit ist gross.
Auch «Löwen» in Saland ZH vor dem Aus?
Ähnlich ist die Gemütslage 15 Kilometer tössaufwärts bei Wirt Hansruedi Schiesser (85). Er steht seit 47 Jahren hinter dem Tresen des Löwen in Saland ZH. Auch die Zürcher Oberländer Traditionsbeiz wird für 898'000 Franken verkauft. Ob die Käufer im Gebäude weiter ein Restaurant betreiben, ist ungewiss. Gut möglich, dass auch im «Löwen» bald gewohnt statt gewirtet wird. Der Beizer zittert noch um seine Zukunft. Denn er hofft, dass er noch möglichst lange im «Löwen» wirten darf.
Auch die kultige St.Galler Quartierbeiz Bauhof ist Geschichte. Nach dem Weggang von Gastgeber Werner Locher (94) Ende 2025 wird das Lokal nun nicht wiederbelebt – es soll künftig als Büro oder Atelier genutzt werden. Die Gaststube ist auf dem Immobilienportal Newhome als «vielseitig nutzbarer Gewerberaum mit Garten» ausgeschrieben. 1500 Franken pro Monat sollen die 70 Quadratmeter kosten.
Bereits vollzogen ist die Umnutzung des Restaurants Löwen in Winterthur ZH. Er wurde 2025 für 200'000 Franken in eine loftartige 3,5-Zimmer-Wohnung ausgebaut. Die ersten Mieter sind kürzlich eingezogen. Wo über 100 Jahre lang Bier gezapft wurde, steht nun eine moderne Wohnküche. Auch hier waren für den Vermieter wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Der Löwen hätte für mehrere Hunderttausend Franken saniert werden müssen.