Darum gehts
- Restaurant Bauhof in St.Gallen schliesst, wird Büro oder Atelier
- 94-jähriger Wirt Werner Locher gab Lokal im Dezember 2025 auf
- Miete: 1500 CHF für 70 m², Umnutzung als Trend schweizweit sichtbar
Wenn in der Schweiz ein Wirt aufhört, dann verschwindet nicht selten auch das Restaurant – und zwar für immer. Denn viele Eigentümer haben andere Pläne mit ihren Liegenschaften. Der Grund ist einfach: Vermieten sie die Räumlichkeiten als Wohnungen oder Büros, nehmen sie mehr ein. Denn Wohnraum ist ein knappes Gut im Land.
Neustes Beispiel: Im St.Galler Linsebühl-Quartier verschwindet mit dem «Bauhof» eine klassische Quartierbeiz, wie das «St. Galler Tagblatt» berichtet. Wirt Werner Locher (94) musste sein Lokal im Dezember 2025 aufgeben. Der langjährige Gastgeber und älteste Wirt der Stadt zog nach einem Sturz die Reissleine – obwohl er eigentlich gerne weitergemacht hätte. Bis zuletzt hat Locher seine Gäste allein bewirtet und bekocht. Er war weit übers Quartier hinaus bekannt.
«Vielseitig nutzbarer Gewerberaum mit Garten»
Jetzt wird klar: Locher war der letzte Wirt der Quartierbeiz. Denn sie bleibt geschlossen, wird künftig kein Restaurant mehr sein. Die Gaststube ist auf dem Immobilienportal Newhome als «vielseitig nutzbarer Gewerberaum mit Garten» ausgeschrieben. 1500 Franken pro Monat sollen die 70 Quadratmeter kosten.
«Die Räumlichkeiten eignen sich ideal für kreative, handwerkliche oder dienstleistungsorientierte Nutzungen wie zum Beispiel Büro, Atelier, Werkstatt oder ähnliche Konzepte», schreibt Hausbesitzerin Rosmarie Graf in der Annonce. Sie lobt das «Potenzial für individuelle Gestaltung». Der Mieter könne «bauliche Massnahmen vornehmen. Auch der Gartensitzplatz, für den der Bauhof bekannt war, gehört zum Angebot. «Er bietet zusätzlichen Mehrwert – sei es für Pausen, Kundentermine oder als inspirierender Aussenbereich», heisst es.
Für Graf war von Anfang an klar, dass sie keinen Fast-Food-Laden im «Bauhof» will. «Ich hatte mehrere Anfragen von Burger- oder Kebab-Betrieben», sagte sie dem «St. Galler Tagblatt». «Aber davon gibt es in St. Gallen schon genug.»
3,5-Zimmer-Wohnung statt Gaststube
Solche Umnutzungen machen schweizweit Schule: So wurde das Restaurant Löwen in Winterthur ZH für 200'000 Franken in eine loftartige 3,5-Zimmer-Wohnung ausgebaut. Die ersten Mieter sind kürzlich eingezogen. Wo über 100 Jahre lang Bier gezapft wurde, steht nun eine moderne Wohnküche. Für den Vermieter waren wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend. Der Löwen hätte für mehrere Hunderttausend Franken saniert werden müssen.
Auch für den «Löwen» in Saland ZH sieht es schlecht aus. Die Zürcher Oberländer Traditionsbeiz wird für 898'000 Franken verkauft. Wirt Hansruedi Schiesser (85) steht seit 47 Jahren hinter dem Tresen. Ob die Käufer im Gebäude weiter ein Restaurant betreiben, ist ungewiss. Gut möglich, dass auch im «Löwen» bald gewohnt statt gewirtet wird. Der Beizer zittert noch um seine Zukunft. Denn er hofft, dass er noch möglichst lange im «Löwen» wirten darf.