Wenn Petrus heult, lacht Familie Strotz
Zu Besuch beim letzten Schweizer Schirmhersteller

Sie lassen niemanden im Regen stehen! In der fünften Generation leiten Andrea und Roman Strotz den letzten Schweizer Schirmhersteller. Hinter jedem Schirm steckt eine kleine Präzisionsreise mit 70 Arbeitsschritten und 2000 Nadelstichen.
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Cousin und Cousine: Roman und Andrea Strotz mit ihrer Mitarbeiterin Anna D’Ascoli (r.) in Uznach.
Foto: Fabienne Bühler

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Schirmmanufaktur Strotz in Uznach produziert hochwertige Swiss-Made-Regenschirme
  • Bis zu 6000 Schirme jährlich, Preis zwischen 120 und 150 Fr.
  • Knirps-Modelle: 500'000 Stück pro Jahr, Tests für 150-km/h-Windstärken
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Text Max Fischer Fotos Fabienne Bühler
Schweizer Illustrierte

Feinarbeit pur. In dieser Produktion in Uznach SG kommts auf Millimeter an. Hier zählt jeder Saum, jeder Stich. Sechs Mitarbeitende schneiden Stoffe zu, ziehen sie über das filigrane Gestell und setzen die Echtholzgriffe auf. «Technisch ist ein Schirm hochkomplex, in der Wahrnehmung der Konsumenten leider ein Wegwerfartikel», sagt Co-CEO Andrea Strotz (42).

Über 300 Einzelteile stecken in einem einzigen Schirm. «Wenn nur eine Niete falsch montiert ist, funktioniert er nicht.» Je nach Regenhäufigkeit verkauft Strotz bis zu 6000 dieser Swiss-Made-Schirme aus edlen Stoffen und echten Holzgriffen jährlich zu einem Preis zwischen 120 und 150 Franken. «Für Geschenke sticken wir auch die Namen ein.» Seit Jahren sind Modelle ganz in Schwarz und mit Karo die grossen Renner.

Beim Zusammennähen muss jeder Stich sitzen.
Foto: Fabienne Bühler

Die Fabrik als Lehrmeisterin

Für Andrea Strotz ist die Fabrik Kindheit und Gegenwart in einem: «Ich bin praktisch hier aufgewachsen. Ich hatte meinen Schreibtisch im Büro meines Vaters, jede freie Minute malte und bastelte ich dort.» Während der Schulzeit verdiente sie ihr Sackgeld in der Produktion, während des Studiums der Betriebswirtschaft arbeitete sie für 20 Franken pro Stunde in der Buchhaltung. Für ihre Schulkamerädli war klar: «Du wirst später in der Schirmfabrik landen.» Sie sagte: «Sicher nicht. Schirme sind doch nichts Cooles!» Oder doch? 2004 schrieb sie ihre Abschlussarbeit in BWL über Knirps. Die von Strotz frisch übernommene Marke, deren Name zum Synonym für Taschenschirme geworden ist, wird heute weltweit in 40 Ländern verkauft und ist echt Kult.

Millimeterarbeit: Anna D’Ascoli schneidet Stoffdreiecke – das Karomuster ist seit Jahren der Renner bei Stockschirmen.
Foto: Fabienne Bühler

«Nach dem Studium zog es mich aber zuerst in die USA zu einem Schirmfabrikanten, dann machte ich zwei Jahre Marketing-Erfahrungen in London und stieg, zurück in der Schweiz, in der Konsumgüterbranche bei Coca-Cola ein.» Sie merkte schnell: «In einem Grosskonzern diskutierst du eine Stunde über die Schriftgrösse in einer Präsentation – ich aber war gewohnt, anzupacken, auch mal ein Päckli zu schnüren oder zu etikettieren.» Da wusste sie: «Ich habe in Konzernen viel gelernt, aber mein Platz ist im Familienbetrieb.»

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Näher dran – an Stars, Royals und Menschen mit Geschichten. Hier gehts zum Abo!

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Der Schirm der Zukunft

Heute führt Andrea Strotz mit Cousin Roman Strotz (54) das Unternehmen. «Wir sind nicht immer gleicher Meinung», so Andrea. «Aber wir haben eine klare Rollenverteilung und wissen um unsere Stärken.» Sie kümmert sich um Verkauf, Marketing und die Produktion Fernost – Roman um Finanzen, Werbeschirme, die Produktion Schweiz und Logistik.

Den weitaus grössten Teil des Geschäfts machen bei Strotz die in China produzierten Knirpse aus. «Je nach Wetterlage verkaufen wir pro Jahr gegen 500'000 Stück.» Es gibt sie in den verschiedensten Farben und Ausführungen. Das Flagship-Modell ist automatisch und kostet 69 Franken. «Klar muss der mehr können als ein günstigeres Modell», sagt Andrea Strotz.

In der Reparaturabteilung werden kaputte Schirme wieder regenfest geflickt.
Foto: Fabienne Bühler

Im Windkanal trotzt er Geschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern. Und man muss ihn 1000-mal öffnen und schliessen können, ohne dass etwas kaputtgeht. Im Härtetest wird geprüft, ob er sich bei Windstürmen 300-mal überschlagen lässt. Die Tests sind mehr als Marketing: «Wir wollen, dass die Schirme möglichst lange leben. Deshalb gewähren wir fünf Jahre Garantie und bieten einen Reparaturservice an.» Nachhaltigkeit sei schon immer grossgeschrieben worden: «Wir waren weltweit die ersten, die PFC-freie Regenschirme produzierten.»

Im Kopf von Andrea geistert die Vision eines digitalen Schirms herum. «Ich stelle mir einen Chip im Griff vor, der mit dem Handy verbunden ist und am Morgen meldet: Vergiss bitte den Schirm nicht, es regnet!» Schon Realität und immer beliebter sind Regenschirme mit einem UV-Schutz von 99,9 Prozent. «Unter diesen Schirmen ist es an heissen Sommertagen bis zu 40 Prozent kühler. So sind wir bald weniger stark vom Regenwetter abhängig.»

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