Darum gehts
- In Interlaken fehlen die indischen Touristen
- Logiernächte indischer Gäste von Januar bis Juni 2026 sanken um 20 Prozent
- Teure Flüge und Rupien-Entwertung belasten, Fokus nun auf USA und Japan
In Interlaken fehlen die Inder – mit zum Teil dramatischen Folgen für das lokale Tourismusgewerbe. So müssen erste Restaurants, die sich auf indische Gäste spezialisiert haben, bald dichtmachen. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, hat das Restaurant Taj Mahal im Frühling Kurzarbeit eingeführt und wird per Ende September ganz schliessen.
Ob weitere Restaurants den Betrieb einstellen müssen, ist gemäss Interlaken Tourismus offen, da Indisches nicht alleine bei Gästen aus Indien sehr beliebt ist.
Klar aber ist: Der Einbruch ist substanziell. Von Januar bis Juni ist die Zahl der Logiernächte indischer Gäste kumuliert im Vergleich zum Rekordjahr 2025 um etwas über 20 Prozent zurückgegangen. «Der Rückgang ist spürbar, fällt je nach Unterkunftsart jedoch unterschiedlich aus», schreibt Daniel Sulzer (58), Direktor von Interlaken Tourismus, auf Anfrage von Blick.
Die Hotels spüren das Fehlen der indischen Touristen ebenfalls, besonders stark betroffen sind die sogenannten Hostels: Diese seien traditionell stärker von kleineren Reisegruppen aus Fernmärkten abhängig, so Sulzer.
Weniger indische Touristen, das ist für ganz Interlaken eine schlechte Nachricht: «Vom Rückgang sind nicht nur Beherbergungsbetriebe betroffen, sondern auch Restaurants, Transportunternehmen, Detailhandel und touristische Attraktionen», erklärt Sulzer. Eine eigentliche Krisenstimmung bestehe derzeit jedoch nicht, da sich gleichzeitig andere Herkunftsmärkte stabil oder positiv entwickelten.
Auf andere Märkte setzen
Den Rückgang der indischen Touristen auf einen einzelnen Faktor zu reduzieren, würde zu kurz greifen. «Vielmehr dürfte eine Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit sowie gestiegenen Reisekosten zur Entwicklung beitragen», so Kunz. Denn mit dem – zeitweisen – Ausfall der Drehkreuze in den Golfstaaten wegen des Irankriegs sind Flüge aus Indien nach Europa teurer geworden. Dazu kommt die Entwertung der indischen Rupie, die Auslandsreisen für Inder generell verteuert hat.
Wachstumspotenzial sieht Kunz dagegen vor allem in den USA, Japan und ausgewählten europäischen Märkten. Zudem gibt es Potenzial für Touristen aus Südostasien. Das Ziel sei, die Abhängigkeit von einzelnen Märkten zu reduzieren.