Darum gehts
- Christopher Nolans Film «Die Odyssee» lockte bereits 80 Millionen ins Kino
- Italienische Insel Favignana profitiert als Drehort von steigenden Tourismuszahlen
- 53 Prozent der Reisenden 2026 wollen Drehorte besuchen, sagt Expedia-Report
Der Spielfilm «Die Odyssee» von Hollywood-Grösse Christopher Nolan (56) ist wie erwartet ein gigantischer Kinohit: Rund 80 Millionen Menschen haben das Heldenepos bereits auf der grossen Leinwand gesehen. Neben Handlung und Star-Besetzung bleiben vor allem die traumhaften Kulissen im Gedächtnis. Davon möchte nun die italienische Insel Favignana vor Sizilien profitieren. Sie diente im Blockbuster als Odysseus’ Heimat Ithaka.
Auf der Insel mit 4500 Einwohnern machen sich die ersten Anzeichen eines Tourismusbooms bereits bemerkbar. Gemäss der lokalen Tourismusbehörde sind Ferienbuchungen seit Veröffentlichung des Films um 20 Prozent gestiegen, wie der Staatssender Rai berichtet. Die Insel rechnet laut der Zeitung «La Repubblica» in den nächsten drei Jahren mit zusätzlichen Einnahmen von mindestens 250 Millionen Euro. Innert fünf Jahren könnten sie gar 500 Millionen erreichen. Lokale Veranstalter wittern bereits das grosse Geschäft und bieten Touren zu zahlreichen Drehorten wie der Burg von Santa Caterina oder den Buchten Cala Rossa und Blue Marino an.
Kino-Hits bringen Gäste
Dass es Filmliebhaber an reale Drehorte zieht, überrascht Branchenexperten nicht. In den letzten Jahren konnte etwa Neuseeland stark von den Verfilmungen von Tolkiens «Herr der Ringe» und «Hobbit» profitieren. Und die Hit-Serie «Game of Thrones» brachte massenhaft Touristen ins kroatische Dubrovnik, die «Königsmund» in echt sehen wollen.
Auch der Furkapass im Kanton Uri und die umliegende Region profitierten nach einem Film-Hit von einer Touristenwelle. Der James-Bond-Streifen «Goldfinger» machte den Pass zum Schauplatz eines unvergesslichen Fahrduells, das Auto- und Filmliebhaber gleichermassen begeisterte. Und seit der Ausstrahlung der koreanischen Netflix-Serie «Crash Landing on You» 2019 strömen jährlich Tausende asiatische Touristen ins beschauliche Berner Iseltwald.
Der Trend heisst «Set Jetting»
Das Portal Expedia nennt den Trend einer Reise an beliebte Drehorte «Set Jetting». Ein Report des Vergleichsportals für das Jahr 2026 zeigt: Bei 53 Prozent der Reisenden ist die Lust auf solche Ferien gestiegen.
Marta Soligo, Assistenzprofessorin im Bereich Tourismussoziologie an der US-Universität Nevada, steht dem kritisch gegenüber, wie sie Blick erzählt. «Die Fragen in solchen Analysen sind oft zu vage, um wirkliche Motivation zu zeigen», sagt die Tourismuskennerin.
Es gibt auch Schattenseiten
Die Expertin bestätigt aber den Trend, den sie den «White Lotus Effekt» – angelehnt an die gleichnamige Serie, die einen Tourismusboom nach Taormina (I) brachte – nennt. In den letzten Jahrzehnten konnten an vielen Orten die Dreharbeiten zu einer Serie eine hohe Zahl von Touristen anziehen. Soligo warnt aber auch vor Risiken: «Der Massentourismus könnte zum Problem werden, wie der Fall Dubrovnik zeigt.» Mit bis zu 27 Touristen pro Einwohner zählt die mittelalterliche Stadt laut der Organisation «Responsible Travel» zu den am stärksten überfüllten Orten weltweit. Der Bürgermeister Mato Franković entschied deshalb vergangenen September, dass sich nur noch Personen mit vorheriger Reservierung auf den Stadtmauern aufhalten dürfen. Ausserdem gibt es bereits Anlegebeschränkungen für Kreuzfahrtschiffe, um den Touristenansturm zu dämpfen.
Was «Die Odyssee» angeht, ist es laut der Expertin noch zu früh, um zu sagen, wie sich der Trend entwickeln wird. Der Andrang habe aber schon begonnen. Soligo: «Hoffentlich setzen die lokalen Institutionen auf vorbeugende Massnahmen.»