Darum gehts
- 270 Franken pro Nacht für Dachstudio – ohne Bewilligung und Brandschutz?
- Während Blick-Recherche verschwinden die Wohnungen auf Airbnb
- Stadt Zürich leitet Abklärungen ein
Wohnraum in der Stadt Zürich ist knapp – und jeder bewohnbare Quadratmeter eine potenzielle Goldgrube. Diese Notlage auf dem Wohnungsmarkt machen sich geschäftstüchtige Immobilienbesitzer immer wieder zunutze. Etwa, indem sie in Luzern winzige Kellerräume oder in Fehraltorf ZH einen Lagerraum an der Baupolizei vorbei als Wohnung anbieten.
Solche Auswüchse sind nicht nur absurd, sie können für Bewohnerinnen und Mieter auch zu einer ernsthaften Gefahr werden. Dann nämlich, wenn eine Bewilligung für die Wohnung fehlt und Vorschriften – beispielsweise beim Brandschutz – nicht eingehalten werden.
Lauert eine solche Gefahr auch in den Dachstock- und Kellerwohnungen in Zürich-Wipkingen, die bis vor wenigen Tagen auf der Buchungsplattform Airbnb ausgeschrieben waren? Die Wohnungen sollen ohne Bewilligung umgebaut worden sein, bekräftigt ein Leserreporter gegenüber Blick. Dieser meldete die Wohnungen auch der Stadt Zürich. Sie soll klären, ob die Wohnungen überhaupt bewilligt wurden. Der Leserreporter will anonym bleiben, weil er für sein Handeln Konsequenzen befürchtet.
Viele Dachschrägen, wenig Licht
Konkret geht es um zwei Dachwohnungen und eine Wohnung im Keller der Liegenschaft, die zu Apartments umgebaut wurden. Auf Airbnb wird die Wohnung im Estrich als «grosszügiges und charmantes Dachstudio» angepriesen. Für eine Nacht im ausgebauten Estrich sollen Gäste 270 Franken hinblättern. Auf den Monat hochgerechnet sind es über 8000 Franken.
Bilder aus der Bauphase, die Blick vorliegen, zeigen: Die Bauarbeiter konnten im Dachstock kaum aufrecht stehen – die Dachschrägen machen den grössten Teil der Wohnung unbewohnbar. Und durch die vorhandenen Dachfenster kommt wenig Tageslicht.
Dachstock-Ausbau ist heikel
Der Ausbau von Dachstock und Keller ist aber noch aus einem anderen Grund baurechtlich heikel: Oft fehlen für solche Wohnungen im Fall eines Brandes Flucht- und Rettungsmöglichkeiten. «Ich befürchte, dass diese Airbnbs die Brandschutzrichtlinien nicht erfüllen», so der Leserreporter, der während der Bauarbeiten vor Ort war. «Auch bei der Brandschutzpolizei der Stadt habe ich eine Meldung gemacht», sagt er.
Blick weiss von mehreren Seiten: Die Stadt Zürich hat nach einem Hinweis aus der Bevölkerung ein baurechtliches Verfahren eingeleitet. Ein solches wird eröffnet, wenn abgeklärt werden muss, ob gegen die Baubewilligungspflicht verstossen wurde. Dabei geht es um die Einhaltung von Vorschriften wie Brandschutz oder Ausnützungsziffer.
Abklärungen laufen
Ein Sprecher des Hochbaudepartements bestätigt Blick, dass an der Adresse nach einer Meldung Abklärungen eingeleitet wurden. Konkrete Auskünfte zum Fall will die Stadt allerdings nicht geben und beruft sich dabei auf das kantonale Gesetz über Information und Datenschutz.
Klar ist: Sollte die Stadt einen Verstoss feststellen, muss nachträglich ein Baugesuch eingefordert werden. Falls der Eigentümer keines vorlegen kann, wird die Stadt ihn dazu zwingen, alle baulichen Veränderungen rückgängig zu machen.
Dann verschwinden die Wohnungen
Blick hat sich sowohl bei der Verwaltung als auch beim Eigentümer der Liegenschaft bezüglich einer Baubewilligung für die Dachstock- und Kellerwohnungen erkundigt. Sie verweigerten eine Aussage und drohten mit rechtlichen Schritten, sollte der Fall an die Öffentlichkeit kommen.
Doch dann geht es plötzlich schnell: Kurz nachdem Blick die beteiligten Akteure mit den drängendsten Fragen konfrontiert hatte, verschwanden die Wohnungen auf der Airbnb-Plattform. Von den einst fünf Wohnungen, die an der Adresse inseriert waren, bleibt überraschend nur noch eine übrig.