Darum gehts
- In Zürich kostet eine 10-Quadratmeter-Wohnung 1200 Franken, in Kriens gibt es 17 Quadratmeter für 1090 Franken
- Kriens-Wohnung ohne Fenster, unverkleidete Rohre, keine städtische Bewilligung bekannt
- Inserat wurde nach Fragen von Blick gelöscht, Klärung mit Behörden läuft
Bezahlbarer Wohnraum ist in der Schweiz begehrt und entsprechend teuer. Wohnungen für 1000 Franken sind meist nicht lange ausgeschrieben. Viele Menschen sind auf Apartments in dieser Preislage angewiesen, weil ihr Lohn schlicht keine grossen Sprünge zulässt. Das führt dazu, dass vermehrt auch reichlich skurrile Angebote auf den Markt kommen. Wie zuletzt eine 10 Quadratmeter grosse Mini-Wohnung für 1200 Franken in Zürich.
Das frisch renovierte 1-Zimmer-Apartment, in dem es eng wird, wenn man nur schon ein grosses Bett aufstellt, liegt im Parterre. Aussicht? Fehlanzeige! Es ist «ideal für Studierende, Wochenaufenthalter oder Berufspendler, die eine zentrale Lage und kurze Wege schätzen», heisst es in der Annonce. Als «Highlight der Wohnung» wird die «komplett sanierte Küche» mit zwei Herdplatten und Kühlschrank aufgeführt, «perfekt für kleine Mahlzeiten und Snacks». Und das «moderne Badezimmer mit Dusche, WC, Lavabo und Spiegelschrank».
Keine Fenster, nur schmale Oberlichter
Es geht krasser: In Kriens LU sorgt ein Keller-Apartment für Aufsehen. 17 Quadratmeter gross ist die Wohnung, über die das Onlineportal Zentralplus zuerst berichtet hat. Fenster hat sie keine, nur eine Art Oberlichter, durch die kaum Tageslicht reinkommt. Das Apartment hat eine kleine Küche, einen Klapptisch, ein Bett und einen Schrank. Für mehr ist kein Platz.
Auch auf dem WC sitzt es sich nicht wirklich luftig, man ist eingeklemmt zwischen Heizkörper und Lavabo. An der Decke des Apartments verlaufen unverkleidete Rohre – gemütlich ist das nicht. 1090 Franken soll die Mini-Wohnung kosten – inklusive Möblierung, Nebenkosten, WLAN, Bettwäsche und Geschirr.
Das Problem: Die Wohnung dürfte es so gar nicht geben. Sie hat keine Bewilligung der Stadt Kriens, wie Zentralplus berichtet. Ein Hinweis aus der Bevölkerung habe zur Einleitung eines baurechtlichen Verfahrens geführt. In einem solchen überprüft die Stadt, ob die Eigentümerin «Lake Lucerne Apartments AG» mit Sitz in Stansstad NW gegen die Baubewilligungspflicht verstossen hat.
Immo-Inserat plötzlich gelöscht
Das Inserat ist am Donnerstag auf dem Immobilienportal Immoscout24 dennoch weiter aufgeschaltet. Als Blick der Lake Lucerne Apartments AG kritische Fragen stellt – auch zum Brandschutz – geht es plötzlich schnell: Das Inserat verschwindet vom Netz. «Für uns ist es wichtig, dass wir alle rechtlichen Vorgaben und Sicherheitsbestimmungen (insbesondere Bewilligung, Nutzung sowie Brandschutz) einhalten», sagt Geschäftsführer Reto Erdin zu Blick.
Und fügt an: «Um die offenen Fragen zu klären, sind wir bereits in Kontakt mit den Verantwortlichen der Stadt Kriens. Die Ausschreibung haben wir vorsorglich gestoppt und von unserer Website genommen, bis alles lückenlos geklärt ist.»