Überangebot und Rabattschlacht
Warum spricht der grösste Fleischverarbeiter der Schweiz trotzdem von steigenden Preisen?

Wegen Trockenheit und Futtermangel werden aktuell in der Schweiz viele Kühe und Rinder geschlachtet. Supermärkte locken mit Rabatten für Fleisch. Trotzdem erwartet der grösste Fleischverarbeiter im Land steigende Preise. «Was denn nun?», fragen sich Konsumenten.
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Im Moment landen viel mehr Kühe, Rinder und Ochsen beim Metzger als üblich. Gründe dafür sind die Trockenheit, fehlendes Futter und der Milchüberschuss.
Foto: imago/Frank Sorge

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Seit Juni wurden in der Schweiz 80'000 Rinder geschlachtet, 17 Prozent mehr sonst
  • Überangebot bringt die Preise zwar unter Druck, aber auf hohem Niveau
  • Dass die zusätzlichen Schlachtungen zwingend später zu Knappheit führen, bestreitet Fleischorganisation
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Mischa StünziRedaktor Wirtschaft

Seit Anfang Juni wird in der Schweiz geschlachtet, was das Zeug hält. Gemäss Zahlen der Branchenorganisation Proviande landeten seitdem fast 80'000 Kühe, Rinder und Ochsen beim Metzger. Das sind 17 Prozent mehr als in derselben Periode vor einem Jahr. Die Gründe dafür sind unter anderem die Trockenheit, fehlendes und teures Futter sowie der Milchüberschuss Anfang Jahr. Ein Ende der ungewöhnlich hohen Schlachtzahlen ist aktuell laut Proviande nicht absehbar.

Gleichzeitig scheinen Hitze und Feuerverbote die Lust auf Fleisch zu drosseln. Blick berichtete letzte Woche von Supermarkt-Kühltruhen, die randvoll sind mit rabattiertem Fleisch. Detailhändler wie Aldi Suisse werben derzeit mit Tiefpreisen für Koteletts, Spiessli und Co. Der Preis für Schweinefleisch zum Beispiel, sagt der Discounter, sei seit Anfang Jahr um 20 Prozent gesunken. Man zeigt sich «sehr zufrieden» mit der aktuellen Nachfrage. 

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Unter Druck, aber weit weg vom Zerfall

Ausgerechnet in diesem Umfeld spricht Marco Tschanz (51), Chef des Fleischverarbeiters Bell, von steigenden Fleischpreisen, wie verschiedene Medien am Dienstag berichteten. Kein Wunder, dass es in den Kommentarspalten Unverständnis hagelt über die Aussagen des grössten Schweizer Fleischverarbeiters. «Wenn es wegen der Dürre mehr Fleisch gibt, wird das Fleisch teurer?», fragt ein Leser stellvertretend.

Steigt der Preis nun, oder sinkt er? Blick macht sich auf Spurensuche.

Für sinkende Preise spricht, dass die Produzentenpreise derzeit tatsächlich unter Druck sind, wie Proviande bestätigt. Den Markt bestens kennt auch Micarna. Die Migros-Tochter schlachtet zwar selber keine Rinder, ist aber Grossabnehmerin für Rindfleisch. «Aktuell ist das Angebot bei einzelnen Kategorien von Rindern höher als die Nachfrage», teilt Micarna mit. Das höhere Angebot betreffe vor allem Kuhfleisch, das Micarna hauptsächlich zu Hackfleisch und Wurstwaren verarbeitet.

Allerdings sind die Preise weit weg vom Zerfall, wie Zahlen von Proviande zeigen. Im langjährigen Vergleich sind sie nach wie vor auf hohem Niveau. Dass die Preise trotz der vielen Schlachtungen nicht komplett ins Purzeln geraten sind, dürfte auch mit den Importen zusammenhängen: Der Verwaltungsrat von Proviande hat für August 2026 lediglich 500 Tonnen «Schlachtkörper von Verarbeitungskühen» zum Import beantragt. Das sind 800 Tonnen weniger als im Jahr davor.

Bauern fordern höheren Milchpreis

Nachdem in der ersten Jahreshälfte noch von einer Milchschwemme in der Schweiz die Rede war, ist die Milchmenge derzeit am Sinken. Ein Grund dafür: die vielen geschlachteten Kühe. Die Hitze und eine Kuhhrankheit verstärken den rückläufigen Trend.

Bereits werden erste Stimmen laut, die einen höheren Richtpreis für Milch fordern. Es brauche «rasch eine Erhöhung zur finanziellen Entlastung der Milchbetriebe», sagt der Bauernverband auf Anfrage von Blick.

Der Landwirt und SVP-Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger (56) wendet sich in einem Brief an die Branchenorganisation Milch: Sie solle den Richtpreis, der bis Ende Jahr fixiert ist, noch einmal überdenken. «Die Milchproduzentinnen und -produzenten erwarten, dass aufgrund der aktuellen Ausgangslage die Branche handelt und der Richtpreis deutlich nach oben und per sofort angepasst wird», wird der Berner in der «Bauernzeitung» zitiert.

Das Thema sei «ernst genug und eine Diskussion über den Richtpreis erscheint mir ohnehin naheliegend», antwortet Stefan Kohler (60), der Geschäftsführer der Branchenorganisation, auf Rüegseggers Anliegen.

Nachdem in der ersten Jahreshälfte noch von einer Milchschwemme in der Schweiz die Rede war, ist die Milchmenge derzeit am Sinken. Ein Grund dafür: die vielen geschlachteten Kühe. Die Hitze und eine Kuhhrankheit verstärken den rückläufigen Trend.

Bereits werden erste Stimmen laut, die einen höheren Richtpreis für Milch fordern. Es brauche «rasch eine Erhöhung zur finanziellen Entlastung der Milchbetriebe», sagt der Bauernverband auf Anfrage von Blick.

Der Landwirt und SVP-Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger (56) wendet sich in einem Brief an die Branchenorganisation Milch: Sie solle den Richtpreis, der bis Ende Jahr fixiert ist, noch einmal überdenken. «Die Milchproduzentinnen und -produzenten erwarten, dass aufgrund der aktuellen Ausgangslage die Branche handelt und der Richtpreis deutlich nach oben und per sofort angepasst wird», wird der Berner in der «Bauernzeitung» zitiert.

Das Thema sei «ernst genug und eine Diskussion über den Richtpreis erscheint mir ohnehin naheliegend», antwortet Stefan Kohler (60), der Geschäftsführer der Branchenorganisation, auf Rüegseggers Anliegen.

Heute geschlachtet, aber erst später verkauft

Wenn heute mehr Kühe und Rinder geschlachtet werden als üblich, fehlen diese Tiere dann künftig am Markt? Wird das die Preise in Zukunft in die Höhe treiben? So argumentiert Bell-Chef Tschanz. Proviande stützt die These nicht: «Ein Teil der aktuell erhöhten Schlachtungen dürfte tatsächlich zeitlich vorgezogen sein. Wie gross dieser Anteil ist, wissen wir jedoch nicht.» Es lasse sich deshalb heute nicht sagen, ob eine Verknappung eintreten könnte, heisst es auf Anfrage.

Je nach Verwendungszweck könne zudem heute geschlachtetes Fleisch auch erst später vermarktet werden, erklärt Hutmacher von Proviande. Darauf verweist auch der Bauernverband: «Man kann Fleisch gut einlagern und tiefkühlen für den Herbst.» Das sei wichtig, um im Moment einen Preissturz zu verhindern. Gleichzeitig wirkt es einem späteren Preisanstieg entgegen.

Bell gehört zur Coop-Gruppe. Wann sich die vom Bell-Chef prognostizierten höheren Fleischpreise in den Supermärkten bemerkbar machen werden, darüber will Coop allerdings nicht spekulieren. Die Preise richteten sich nach Angebot und Nachfrage, weicht eine Sprecherin aus.

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